Markus Lanz führt durch die Sendung (ZDF)
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Markus Lanz führt durch die Sendung (ZDF)

Diskussion über K-Frage

„Du bist eine Lusche“: Unions-Politiker laufen bei „Markus Lanz“ eiskalt auf - Gäste zerlegen Einheitsbekundungen

Laschet oder Söder? „Markus Lanz“ fühlt zwei Unionspolitikern zur Frage des Kanzlerkandidaten auf den Zahn. Die sind darum bemüht, Einigkeit zu vermitteln.

„Markus Lanz“ steht am Dienstagabend im Zeichen der Fraktionssitzung der CDU/CSU, in der erneut die Frage der Kanzlerkandidatur der Union verhandelt wurde. Armin Laschet (CDU) oder Markus Söder (CSU): Zum ersten Mal seit geraumer Zeit hat die Pandemie als Topthema Sendepause im ZDF-Talk. Stattdessen fechten die Schwesterparteien ihren Konflikt im grellen Licht der Öffentlichkeit aus, nachmittags in der Fraktionssitzung und am Abend bei „Markus Lanz“. Auf der Videoleinwand stehen sich CSU-Generalsekretär Markus Blume und der CDU-Bundestagsabgeordnete Roderich Kiesewetter gegenüber und sind um das Bild einer konstruktiven Debatte bemüht, im Studio debattieren drei Medienschaffende und eine Politologin.

Markus Blume bei „Markus Lanz“: „Es war eine gute Aussprache“

Zuschauer, die weniger tief in der Materie stecken, vergisst Talkmaster Lanz zu Beginn der Sendung abzuholen – er steigt direkt in die Thematik ein und fragt Markus Blume: „Wie gefällt Ihnen das Chaos, das Sie und Markus Söder angerichtet haben?“ Erst später in der Sendung fasst der Journalist Robin Alexander die Situation in der Union überspitzt zusammen: „Markus Söder hat wochenlang gewartet und gehofft, dass jemand aus der CDU, der was zu sagen hat, zu Herrn Laschet geht und sagt: Armin du kannst es leider nicht, lass es Markus Söder machen. Und das ist einfach nicht passiert.“

Video: Söder bekommt Rückenwind bei der K-Frage

Ursula Münch bei „Markus Lanz“: „Es gibt an der CSU-Basis deutliche Widerworte“

Daraufhin habe Söder schließlich am Sonntag „den taktischen Rückzieher gemacht, nachdem ihm Wolfgang Schäuble sehr deutlich gesagt hat, es wird nicht in der Fraktion entschieden und nachdem Angela Merkel ihm gesagt hat: ‚Ich bin gar nicht für dich, Markus.‘ Aber jetzt ist er wieder in die Fraktion gegangen und die Fraktion ist heute gewackelt. Die Frage ist, ob sie gefallen ist, aber auf jeden Fall haben mehr CDU-Leute für Söder gesprochen als für Laschet.“ Die Politologin Prof. Ursula Münch schließt sich dem an: „Man darf gespannt sein, was da noch kommt.“ Der Tenor der Runde: Das letzte Wort zwischen Söder und Laschet ist noch nicht gesprochen.

„Markus Lanz“ - das waren seine Gäste am 13. April:

  • Markus Blume (CSU) – Generalsekretär der CSU
  • Roderich Kiesewetter (CDU) – Bundestagsabgeordneter
  • Eva Quadbeck – Journalistin
  • Heiner Bremer – Journalist
  • Robin Alexander – Journalist
  • Prof. Ursula Münch – Politologin

Zwei an der Fraktionssitzung beteiligte Politiker sind mit Markus Blume und Roderich Kiesewetter (CDU) ebenfalls Teil der Runde und bemühen sich darum, den internen Streit kleinzureden. Blume beantwortet Lanz‘ Einstiegsfrage gelassen: „Es gab kein Chaos, sondern eine sehr geordnete, sehr konzentrierte Aussprache“, sagt er und fügt an: „Die Union ist mit zwei herausragenden Kandidaten am Start.“ Auch Kiesewetter beschreibt die derzeitige Situation als sei sie ein alltägliches Problem der Bundespolitik: „Bevor ein Entschluss gefasst wird, müssen alle möglichen Punkte auf den Tisch. Und das geschieht gerade diese Woche. Dann wird entschieden und dann stellen wir uns dahinter.“

Roderich Kiesewetter bei „Markus Lanz“: „Wir entscheiden uns hoffentlich bis Ende der Woche“

Diese Darstellung löst in der Runde eine gewisse Ungläubigkeit aus, wie auch 24hamburg.de* berichtet. So ist der Journalist Heiner Bremer der Meinung, wenn die Kandidaten so herausragend seien, „müsste es Herrn Söder und der CSU ja extrem leicht fallen zu akzeptieren, dass die CDU ihren Kandidaten, für den die Parteigremien waren, auch zum Kanzlerkandidat machen. Warum geht dieses traurige Schauspiel, das mich fatal an den Niedergang der SPD erinnert, immer weiter?“ Auch Robin Alexander hält Blumes Darstellung für irreführend: „Diese Show hier, dass das heute eine tolle demokratische Aussprache war und alle sind happy und man findet nur noch heraus, wer der noch bessere Kandidat ist. Das ist einfach nicht so gewesen.“

Eva Quadbeck bei „Markus Lanz“: „Die Union kann sich Schlachten wie heute eigentlich nicht leisten“

Vielmehr habe man es mit einer Situation zu tun, meint die Journalistin Eva Quadbeck, in der „einige Mitglieder der CDU das Vorgehen von Markus Söder als ruchlos“ empfänden. Ein Mitglied der Fraktion habe davon gesprochen, es hätte Züge von Donald Trump, wenn Söder sich über die Beschlüsse von Parteigremien hinwegsetze und stattdessen auf seine Popularität poche. Sie findet es „bizarr, wenn man sich so unvorbereitet in solch einen Streit führt.“

Auch Ursula Münch sieht derartige Tendenzen: „Man will nicht mehr diese Parteiräson.“ Stattdessen folge man planlos aktuellen Trends. Blume streitet das nicht ab, will darin allerdings keinen Populismus oder Makel erkennen. Es gehe „nicht nur darum, jemand zu finden mit dem die Parteien und die Führungsgremien fein sind, sondern es geht auch darum jemand zu finden, der das Vertrauen in der Bevölkerung genießt.“ Bis Ende der Woche, darin sei man sich immerhin einig, solle eine Lösung gefunden werden.

„Markus Lanz“ - Das Fazit der Sendung

Während die Gäste der „Markus Lanz“-Talkrunde sich um eine Zustandsanalyse der Union bemühen, verweigern die beiden in der Sendung vertretenen Unionspolitiker klare Aussagen. Stattdessen sind sie um die Inszenierung einer konstruktiven Aussprache bemüht. Die Journalisten der Runde, vor allem die mit einem kurzen Draht ins politische Berlin, beschreiben eine andere Realität, Robin Alexander fasst den Dienstagnachmittag so zusammen: „Heute in der Fraktionssitzung haben sie sich nicht erzählt: Du bist noch toller als du. Sondern sie haben sich erzählt: Du bist ein Opportunist und du bist eine Lusche.“ *24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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