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„Lanz“: CSU-Urgestein macht Laschet lächerlich - „Für Söder wie ein Elfmeter ohne Torwart“

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Peter Ramsauer lieferte bei „Markus Lanz“ einen denkwürdigen Auftritt.
Peter Ramsauer lieferte bei „Markus Lanz“ einen denkwürdigen Auftritt. © Screenshot: ZDF-Mediathek

Der Kanzler-Talk bei „Markus Lanz“ wird turbulent. CSU-Größe Peter Ramsauer düpiert Armin Laschet. Beim Stichwort „Trumpismus“ kann eine CDU-Politikerin nicht mehr an sich halten.

„Markus Lanz“ widmet sich am Donnerstagabend zunächst dem Kanzlerkampf der Union. Ausreichend Stoff hatte der Donnerstag geliefert: Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) sprach sich offen gegen seinen eigenen Parteichef Armin Laschet aus. Er verwies in einem bemerkenswerten Manöver auf die guten Umfragewerte von CSU-Bewerber Markus Söder. Ein entscheidender Moment im Ringen um die Spitzenkandidatur?

Söder gegen Laschet: Ramsauer überrascht bei „Lanz“ - „Wie ein Elfmeter ohne Torwart“

Bei „Lanz“ machte sich nun - wenig überraschend - Ex-CSU-Vize Peter Ramsauer für Söder stark. Zunächst ging der „alte Hase in der Politik“, die Sache noch in vorsichtigen Worten an. Gegen Ende seiner Videoschalte werden aus dem geübten Politsprech aber klare Worte. Aus seiner Sicht seien nicht die Umfragen verantwortlich für das Aufbegehren Söders - sondern die Schwesterpartei CDU selbst: „Nämlich dadurch, dass die CDU als Partei einfach ein völlig uneinheitliches Bild darstellt, auf dem dann weitere Entwicklungen gedeihen können.“

Es wäre geradezu fahrlässig, wenn Markus Söder nicht versuchen würde, seine Chance zu nutzen, befand Ramsauer: „Dadurch hat doch die CDU als Partei das Scheunentor für Markus Söder geöffnet. Es wäre vielleicht unverständlich, wenn er das nicht so nutzen würde, wie er es genutzt hat.“ Für Söder und CSU-Generalsekretär Markus Blume habe es sich geradezu um „ein Elfmeterschießen ohne gegnerischen Torwart“ gehandelt. Talkmaster Lanz erkundigt sich daraufhin sarkastisch, ob sich die CSU habe opfern müssen - was Ramsauer mit einem trockenen „Gewissermaßen, ja“ quittiert. Gelächter in der Studiorunde folgt.

Söder in der Kritik: CDU-Fraktionsvize warnt vor „Delegitimation“

Ein Gast kann die gute Laune darüber nicht teilen, die um Sachlichkeit bemühte Unionsfraktions-Vize Katja Leikert (CDU): „Ich schätze den Kollegen Peter Ramsauer sehr, auch für seinen Humor. Aber an der Stelle ist es jetzt schon ernst. Und das ist dann eine Frage, die sich die CDU schon gefallen lassen muss. Inwiefern dann auch selbstgemachte Ansagen oder Gremien infrage gestellt und Prozesse delegitimiert werden. Das ist problematisch.“

Die Politikwissenschaftlerin Leikert verweist auf das ordentliche politische Verfahren, das hinter der CDU-Nominierung von Armin Laschet stehe: „Wir haben einen klaren Beschluss im Präsidium, im Bundesvorstand. Der Beschluss besagt, dass unser Parteivorsitzender Armin Laschet unser Kanzlerkandidat sein soll.“

„Markus Lanz“ - das waren seine Gäste am 15. April:

Weil Leikert erkennbar nicht am gegenseitigen Zerfleischen der letzten Tage teilnehmen möchte, kommt sie mit ihren Aussagen anfangs kaum über Allgemeinpositionen hinaus. Talkmaster Lanz bittet deshalb schon früh im Gespräch darum, „die Stehsätze einfach mal wegzulassen“. Weil sich Leikert allerdings weiterhin um eine klare Kante windet, bohrt Lanz beinahe schmerzhaft hartnäckig nach. Er will der CDU-Politikerin Kritik am Schauspiel in der Unions-Fraktion entlocken, vor allem zu jenen Parteikollegen, die für Söder Partei nahmen. Lanz greift zu seinen Moderationskarten und zitiert aus dem Grundgesetz, der entscheidende Satz: „Das Präsidium führt die Beschlüsse des Bundesvorstandes aus.“ Weil das nicht geschehen sei, befindet Lanz, habe Söder „Armin Laschet mit einem Taschenspielertrick aufs Glatteis” führen können.

„Markus Lanz“: Journalist vermutet „Hauch Trumpismus“ bei Söder - CDU-Politiker platzt mit Kritik heraus

Der Journalist Markus Feldenkirchen fragt nach, ob es sich dabei um einen „Hauch von Trumpismus“ handele. Und plötzlich platzt der Knoten bei Leikert: „Wenn wir anfangen, die Spielregeln zu ändern, während wir auf dem Spielfeld stehen, dann entsteht eine Situation, in der jegliche Form von Legitimation übermorgen über den Haufen geworfen werden kann. Und das ist das Problem an solchen Vorgängen. Politik ist immer eine Stilfrage und eine Haltungsfrage.“

Leikert wirft Söder nun schlechten Stil vor. Schließlich habe der ein klares Versprechen abgegeben. „Wenn die Partei so entscheiden würde, dass sie ihn ruft, dann würde er zur Verfügung stehen und wenn nicht, würde er sich entsprechend einordnen und Armin Laschet unterstützen. Und das hat er nicht getan.“

Corona-Krise Thema bei „Lanz“: Intensivmediziner rügt Politik

Zumindest indirekt betroffen vom Handeln und den Querelen der Kanzlerkandidaten in spe, Laschet und Söder, ist der Intensivmediziner Stefan Kluge. Die derzeitige Situation auf den Intensivstationen in Deutschland sei dramatisch, dass die Politik nicht einheitlich handele für seinen Berufsstand fatal: „Wir sehen das sehr irritiert und uns platzt der Kragen, wenn die Politik sich nicht langsam auf einheitliche Regeln für Deutschland einigen kann.“ Kluges Ausblick auf die nächsten Wochen ist düster: „Die Maßnahmen, die heute von der Politik beschlossen werden, dauern zwei Wochen, bis sie sich auf das Infektionsgeschehen auswirken und vier, dann kommt es auf der Intensivstation an. Und deswegen steht uns jetzt eine harte Zeit bevor.“

Sahra Wagenknecht bei „Lanz“ im ZDF: „Die CDU ist leer, kaputt und ausgelaugt“

Zuspruch erhält der Mediziner von der Sahra Wagenknecht (Linke): „Dass es in Parteien Machtkämpfe gibt und üble Sachen laufen, ist bekannterweise in Parteien so. Trotzdem ist eine Schwelle überschritten, wenn Regierungsgeschäfte darunter leiden, dass da zwei Ministerpräsidenten miteinander kämpfen und die ganze Corona-Politik und die Aussagen, die sie dazu tun und die Vorschläge, die sie machen, eigentlich überhaupt nicht mehr daran orientiert sind, was sinnvoll ist, sondern nur noch: Wie bringe ich mich dem anderen gegenüber in Stellung?“

Dass Wagenknechts eigene Partei von der Misere der Union nicht profitieren kann, frustriert die ehemalige Fraktionsvorsitzende der Linken: „Wenn die Union offensichtlich, nicht nur wegen der Kandidatenfrage, auch wegen schlechtem Krisenmanagement, so weit in der Attraktivität und Ausstrahlung abgesunken ist und ich trotzdem sehe, dass SPD und Linke zusammen gerade mal auf 25 Prozent oder weniger kommen in den Umfragen, dann muss man sich doch fragen: Was machen wir falsch?“, klagt sie. „Ich wünsche mir, dass Parteien, die für soziale Politik stehen wieder stärker werden. Aber dafür muss man eine Ansprache wählen, die die Menschen erreicht, mit ihren Themen, mit ihren Problemen und ich finde, dass wir das zurzeit zu wenig schaffen.“

„Markus Lanz“ - das Fazit der Sendung

Die „Markus Lanz“-Talkrunde ist am Donnerstagabend so kurzweilig wie lange nicht. Die Gäste debattieren engagiert miteinander, auch wenn es so manche Startschwierigkeit gibt. Nachdem das Eis gebrochen ist, bekommen die Zuschauer am Beispiel der Abgeordneten Leikert und Ramsauer einen Einblick in das zerrüttete Verhältnis zwischen CDU und CSU. Das Ganze kommentieren Markus Feldenkirchen und Sahra Wagenknecht pointiert und mit Substanz, ehe Letztere ihre Sicht auf linke Politik und ihre Partei darbietet. Für Intensivmediziner Stefan Kluge bleiben dazwischen nur wenige Minuten für einen Intensivbetten-Rapport.

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