Armin Laschet zu Gast bei Markus Lanz (ZDF)
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Armin Laschet zu Gast bei Markus Lanz (ZDF)

Talkrunde im ZDF

„Markus Lanz“: Laschet von Merkel „in aller Öffentlichkeit bloßgestellt“ - CDU-Chef reagiert dünnhäutig

Armin Laschet hat zu Gast bei „Markus Lanz” einen schweren Stand. Vor allem die Äußerungen von Kanzlerin Merkel vom Wochenende bestimmen die Diskussion.

Hamburg - Die „Markus Lanz”-Talkrunde wärmt sich am Dienstagabend mit dem Thema AstraZeneca auf, ehe es für den CDU-Vorsitzenden Armin Laschet ungemütlich wird. Die Ständige Impfkommission (STIKO) sprach die Empfehlung aus, den Impfstoff nicht mehr an unter 60-Jährige zu verabreichen. Während Laschet der Meinung ist, eine „gründliche Prüfung“ von Impfstoffen sei trotz des Verzuges unabdingbar, sieht Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (Bündnis 90/Die Grünen) die Sache anders und befindet: „Wir schätzen Risiken falsch ein, wir wägen sie falsch ab.“

Boris Palmer bei „Markus Lanz”: „Inkonsistenz der Regelungen bringt die Leute gegen die Regelungen auf“

In England sei man zu dem Schluss gekommen, der Nutzen überwiege das Risiko. Diesen Pragmatismus wünsche sich Palmer auch für Deutschland. Die vermittelnde Position zwischen dem Kommunalpolitiker und Laschet nimmt die Notärztin Dr. Carola Holzer vom Klinikum Essen ein. Sie unterstützt das Anliegen einer sauberen Zulassung, appelliert aber auch an den Abbau von Bürokratie bei den Impfungen: „Wir sollen möglichst schnell möglichst viele Menschen impfen. Und wer diesen Impfstoff nehmen will, soll ihn nehmen.“

Armin Laschet bei „Markus Lanz”: „Ich glaube wirklich, dass Sie das überinterpretieren“

Nachdem das tagesaktuelle Pflichtthema abgehakt ist, geht es ans Eingemachte. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte am Wochenende bei „Anne Will“ ein aufsehenerregendes Interview gegeben, das von manchen Beobachtern als Bruch der Kanzlerin mit dem Vorsitzenden ihrer Partei gedeutet wurde. Talkmaster Lanz nimmt diese Deutung gerne auf, schon bei der Anmoderation spricht er davon, dass die Kanzlerin Laschet „in aller Öffentlichkeit bloßgestellt hat“. Der zeigt sich zu Beginn um Ruhe bemüht und wiegelt ab: „Ich kenne sie so gut, wir haben ein so gutes Vertrauensverhältnis und ich bin sicher: Sie wollte damit keinen Schaden anrichten.“

„Markus Lanz“ - das waren seine Gäste am 30. März:

  • Armin Laschet (CDU) – Ministerpräsident von Nordrhein-Westfahlen, CDU-Vorsitzender
  • Boris Palmer (Bündnis 90/Die Grünen) – Oberbürgermeister von Tübingen
  • Helene Bubrowski – Journalistin der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung”
  • Dr. Carola Holzner – Leitende Oberärztin der Klinik Essen

Je länger das Gespräch allerdings dauert und je pointierter Markus Lanz nachhakt, umso dünnhäutiger wirkt Laschet. Als der Talkmaster ihn mit Zitaten von Markus Söder (CSU) konfrontiert, fragt Laschet schließlich: „Glauben Sie, ich antworte jetzt auf jede dieser Sticheleien?“ Er wolle seinen Fokus auf die Bewältigung der Pandemie legen und nicht darauf, „ob man einen Punkt macht, indem man einen Kollegen kritisiert. Mein Stil ist das nicht“. Ganz ohne Spitzen geht es also auch bei Laschet nicht.

Helene Bubrowski bei „Markus Lanz”: „Es wird schmutzig in der Kanzlerfrage“

Der Rest der Runde lässt den Ministerpräsidenten Nordrhein-Westfalens damit nicht davonkommen, schließlich sei er Vorsitzender der größten deutschen Volkspartei und die Kanzlerin verweigere ihm ihre Solidarität. Die Journalistin Helene Bubrowski sagt sogar, sie fühle sich an das Ende der letzten Parteivorsitzenden erinnert: „Ist das jetzt ein bisschen wie damals als die Kanzlerin sich aus Südafrika meldete und über Annegret Kramp-Karrenbauer den Daumen senkte? Ist dieser Auftritt bei Anne Will so zu verstehen?“ Sie sei besorgt, die Union verliere sich „in einem Krieg, an dem alle wichtigen Akteure beteiligt sind. Der CDU-Vorsitzende, die Kanzlerin, der CSU-Vorsitzende. Das tut dem Land nicht gut. Das ist auch ein Stück weit verantwortungslos.“ Ihre Forderung: „Damit muss Schluss sein.“

Der zu diesem Zeitpunkt angezählt wirkende Armin Laschet wiederholt seinen Standpunkt: „Ich werde mich an diesen Sticheleien nicht beteiligen.” Es gebe Themen, bei denen es sich lohne, mit der CSU zu streiten, aber: „In der Pandemie ist es unangemessen.“ Dennoch, der schwelende Streit zwischen Laschet und Söder solle bald beigelegt werden, Laschet kündigt ein Treffen der beiden „zwischen Ostern und Pfingsten” an, bei dem es dann wohl auch um die endgültige Klärung der Kanzlerschaftsfrage gehen dürfte.

Carola Holzner bei „Markus Lanz“: Weniger Wahlkampf, mehr Pandemiebekämpfung!

Die Ärztin der Runde hält sich bei der Fülle an politisch brisanten Themen lange zurück, ehe sie mit klarer Kante Stellung bezieht: „Ich habe mir das alles jetzt interessiert angehört. Mir fehlt in dieser ganzen Diskussion die Pandemiebekämpfung. Es wird hier über Dinge diskutiert, wo ich sage: Wenn noch nicht mal Einigkeit herrscht zwischen Frau Merkel und Ihnen – wie soll der Otto-Normal-Bürger verstehen, was der Plan ist, wie es weitergeht? Die Leute wollen ein Konzept. Die stehen hier und warten und gucken auf die Politik mit großen Augen und sagen: Wie geht es weiter? Und das frage ich mich auch.“

„Markus Lanz“ - das Fazit

Selten legt eine „Markus Lanz“-Episode solch ein Tempo hin. Talkmaster Lanz zeigt sich in Topform und lässt dem zunehmend schlingernden Armin Laschet wenig Luft zum Atmen. Das führt zu einer spannenden Diskussion, die allerdings in weiten Teilen zwischen Lanz, Bubrowski und Laschet stattfindet. Weitere Themen müssen deshalb hintenanstehen und kommen nur am Rande zur Sprache, etwa die Mallorca-Kontroverse, das künftige Format der Ministerpräsidentenkonferenz oder die Nebeneinkünfte zahlreicher Unionspolitiker (Laschet: „Es ist unerträglich”).

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