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Lanz nimmt Grüne-Jugend-Chefin in die Ampel-Mangel: „Warum setzen Sie nicht mal das durch?“

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Die Talkrunde bei „Markus Lanz“ (ZDF)
Die Talkrunde bei „Markus Lanz“ (ZDF) © ZDF/Markus Lanz

„Markus Lanz“ debattiert mit Sarah-Lee Heinrich und Jens Teutrine die Top-Themen des politischen Nachwuchses. Dazu gehört auch das lange Gedächtnis des Internets.

„Markus Lanz“ begrüßt am Donnerstagabend mit der Politikerin Sarah-Lee Heinrich (Grüne) und dem Politiker Jens Teutrine (FDP) zwei prominente Vertreter des politischen Nachwuchses in Deutschland. Die Journalistin Yasmine M‘Barek und der Ökonom Vincent Stramer komplettieren die nächtliche U30-Runde, die zu Beginn an die polnisch-weißrussische Grenze blickt. „Ich bin total geschockt von den Bildern aus der Grenzregion“, sagt Heinrich und schildert die Hilflosigkeit, in der die Migranten sich befinden. Dass Hilfsorganisationen und Journalisten keinen Zugang bekämen, sei ein weiteres Problem.

Weißrussland und die EU bei „Markus Lanz“ - FDP-Mann Teutrine ruft zu überparteilichem Zusammenhalt auf

Auch Teutrine beklagt den erschwerten Zugang und richtet seinen Blick auf die Hintergründe der Situation: „Es ist eine künstlich herbeigeführte Migrationskrise. Lukaschenko und im Hintergrund dann auch Putin und Russland und andere Länder nehmen diese Menschen und ihre Not, um die Europäische Union zu erpressen und zu destabilisieren und, aus ihrer Sicht, uns moralisch zu demaskieren.“

Politiker aller Parteien stünden in der Verantwortung, sich diesem Ziel zu widersetzen, auch innenpolitisch: „Das heißt für mich ganz konkret, dass Ralph Brinkhaus zu den Ampelsondierungen gesagt hat, was dort bei der Migration vereinbart wurde, das würde zu Pull-Effekten führen.“ Der Jungliberale meint, „dass man kein parteipolitisches Spiel mit dieser Situation machen darf, mit dem Leben dieser Menschen und sich dann noch darauf einlässt, was Lukaschenko zum Teil auch noch möchte.“

Koalitionsgespräche in Gefahr? Die „Markus Lanz“-Runde sieht die FDP am Drücker

Dass die Koalitionsverhandlungen nicht reibungslos ablaufen, macht Markus Lanz mit einem Zitat des baden-württembergischen Verkehrsministers Winfried Hermann (Grüne) deutlich: „Wenn wir beim Klimaschutz nicht zusammenkommen, drohen Neuwahlen.“ Teutrine, der für die FDP in Arbeitsgruppen der Koalitionäre sitzt und mitverhandelt, meint: „Das war jetzt eine Einzeläußerung, die jetzt medial auch sehr gerne sehr hoch gegriffen wird, weil man findet ja auch wenig Futter sonst.“

„Ich glaube auch, dass man dieses Zitat nicht zu hoch hängen sollte“, kommentiert Heinrich den Kommentar ihres Parteikollegen. Die Journalistin Yasmine M‘Barek meint dagegen: „Das ist genau der machtpolitische Stil, um das wieder zu relativieren, was gerade das Problem ist. Nämlich, dass die Deutungshoheit ganz klar bei der FDP liegt. Wir haben ja diese Finanzminister-Frage und wer was bekommt.“ „Das heißt, Lindner sitzt am Drücker?“, fragt Gastgeber Lanz. „Auf jeden Fall“, meint M‘Barek.

Erneuerbare Energie oder Atomstrom? Vorsitzende der Grünen- und FDP-Jugendorganisationen debattieren bei „Markus Lanz“

Dass sich Heinrich mit dem Einfluss der FDP nur schwer anfreunden kann, ist ihr anzumerken: „Wir haben auch nicht groß rumgemeckert, als das Tempolimit gefallen ist. Da könnte man auch sagen: Eigentlich finden wir das gut und jetzt für immer darauf herumreiten. Das, was wir halt gesagt haben, ist: Okay, wenn wir die zwei Millionen Tonnen CO2 nicht einsparen, dann müssen wir woanders zwei Millionen Tonnen CO2 einsparen. Wir sind da durchaus pragmatismusfähig. Was wir merken, ist: Wir rasen auf die Klimakrise zu…“ „Und zwar ohne Tempolimit“, wirft Lanz ein und legt nach, „das ist doch peinlich. Jetzt mal ernsthaft, Tempolimit zum Beispiel, warum setzen Sie nicht mal das durch?“

Heinrich hebt die Arme und macht eine entschuldigende Geste: „Es war für die FDP wichtig.“ Doch Lanz beißt sich fest und sagt: „Es ist doch so was von oldschool mit 220 über die Autobahn zu ballern, oder nicht?“ „Nee, passt schon“, antwortet Heinrich und kann sich ein Kichern nicht verkneifen.

Teutrine antwortet aus der Sicht eines überzeugten FDP-Politikers und erklärt das Tempolimit zu einer Symboldebatte, die eigentliche Transformation finde bei der Verkürzung von Genehmigungsverfahren statt. Auch an eine Signalwirkung, die von Deutschland ausgehen könne, glaubt er nicht: „Das ist das gleiche, was wir bei der Atomdebatte erlebt haben. Alle haben gesagt, mit viel Moral: Dann werden uns die Länder dieser Welt folgen, wenn wir jetzt auf Atomstrom verzichten.“

„Markus Lanz“ - das waren seine Gäste am 11. November:

„Dann sind wir ja jetzt bei der heißen Debatte“, freut sich Moderator Lanz und möchte von Teutrine wissen, ob dieser es für einen Fehler hält, aus der Atomenergie ausgestiegen zu sein. „Ja“, sagt dieser, schränkt allerdings ein, dass er „zum jetzigen Zeitpunkt“ auch nicht wieder in sie einsteigen wolle. „Ich würde zum Beispiel bei Kernfusion auch weiter forschen wollen und ähnliches. Aber ich glaube, dass jetzt eine Einstiegsdebatte ist, wo wir in einer Ampel zum Beispiel überhaupt einen Konsens finden.”

M‘Barek macht sich der Emissionsfreiheit wegen ebenfalls für die Atomenergie stark und wünscht sich mehr Forschung, die an der Reduktion von Atommüll arbeitet: „Um dieses große Ziel zu erreichen, was alle Parteien haben sollten, nämlich dass die Klimakrise und 1,5 Grad verhinderbar sind. Das sollte halt der Diskussionsgegenstand sein und das ist im deutschen Diskurs unmöglich mit Blick auf Atomenergie.“ Heinrich zeigt sich darüber wenig traurig: „In der deutschen Debatte würde ich auch sagen: Das Ding ist einfach durch.“ Die Bundessprecherin der Grünen Jugend finde es richtig, „dass der politische Fokus darauf liegt, die erneuerbaren Energien massiv auszubauen.“

Sarah-Lee Heinrich ordnet bei „Markus Lanz“ Tweets aus ihren Jugendtagen ein

Anschließend spricht Lanz mit Heinrich über von ihre gelöschten Tweets aus Jugendtagen, die kürzlich wieder ans Licht der Öffentlichkeit gekommen waren. „Ich habe gerade im jungen Alter sehr viel, vielleicht auch zu viel Zeit im Internet verbracht und habe dann vor ein paar Jahren das Programm ‚TweetDelete‘ verwendet, um alle Tweets zu löschen und bin davon ausgegangen, dass die auch alle weg sind. Wenn man dann aber einzeln nach den Tweets gesucht hat, sind sie trotzdem wieder aufgetaucht.“ „Weil das Netz nie vergisst“, wirft Gastgeber Lanz ein. „Genau, das Netz vergisst nie. Das ist vielleicht auch die erste Lehre, die man daraus mitnehmen kann.“

Der Reihe nach geht Heinrich zusammen mit Lanz mehrere Tweets durch. Dabei spart sie nicht mit Selbstkritik: „Das ist natürlich falsch, total polemisch und nicht in Ordnung“, sagt sie an einer Stelle über ihr jüngeres Ich. Auch die Kritik der Autorin Elke Heidenreich nimmt sie an, die vor einigen Wochen bei „Markus Lanz“ moniert hatte, dass Heinrich bei ihrer Gesellschaftskritik über keine angemessene Sprache verfüge. Heinrich, die von einer „eklig weißen Mehrheitsgesellschaft“ gesprochen hatte, gesteht ein: „Ehrlich gesagt habe ich keine richtige Sprache dafür gefunden. Es ist mir sehr schwierig gefallen, mich zum Thema Rassismus zu äußern.“

Ihr Fazit: „Ich verstehe, dass der Satz verletzend ist und er tut mir auch leid und so rede ich auch gar nicht mehr über Rassismus.“ Teutrine glaubt, er hätte für ähnliche Äußerungen als Vorsitzender der Jungen Liberalen zurücktreten müssen, bekundet Heinrich aber seinen Respekt: „Ich finde, das ist ein super Zeichen von politischer Stärke. Sich zu reflektieren, nach wenigen Jahren auch schon und zu sagen: Ich habe meine Aussage überdacht, ich finde den Standpunkt falsch und ich hatte noch nicht mal die Kraft mich zu artikulieren, was ich eigentlich sagen wollte. Deswegen bin ich bei dem Standpunkt, dass ich, und ich kenne Sarah ja aus politischen Debatten, großen Respekt habe.“

„Markus Lanz“ - Das Fazit der Sendung

Bei „Markus Lanz“ treffen am Donnerstagabend mit Sarah-Lee Heinrich (Grüne) und Jens Teutrine (FDP) die Bundessprecherin der Grünen Jugend und der Vorsitzende der Jungen Liberalen aufeinander. In der Debatte werden ihre unterschiedlichen politischen Ideale deutlich, die Journalistin Yasmine M‘Barek komplettiert die teils kontroverse Diskussion. Der Ökonom Vincent Stramer nimmt an der Debatte kaum Teil, weshalb Talkmaster Lanz ihm eine erneute Einladung in der Vorweihnachtszeit verspricht. (Hermann Racke)

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