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Gast wettert gegen „unterirdischen“ Söder - Als CSU-General seinen Chef verteidigt, platzt Lanz der Kragen

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Die kleine Talkrunde bei Markus Lanz (ZDF)
Die kleine Talkrunde bei Markus Lanz (ZDF) © ZDF/Markus Lanz (Screenshot)

Marie-Agnes Strack-Zimmermann streitet bei „Markus Lanz“ mit Markus Blume. Die FDP-Frau lässt kein gutes Haar am Wahlkampf der CSU.

Hamburg - Bei Markus Lanz sind am Mittwochabend die FDP-Politikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann und CSU-Generalsekretär Markus Blume zu Gast. Dabei will Gastgeber Markus Lanz zu Beginn von Strack-Zimmermann wissen, ob es wahr sei, dass die FDP ein generelles Tempolimit zur roten Linie in den Ampel-Sondierungen erklärt habe, wie es Grünen-Chef Robert Habeck am Vorabend an gleicher Stelle angedeutet hatte. Strack-Zimmermann hat Zweifel an dieser Darstellung: „Das glaube ich nicht und ich war auch nicht dabei. Und wenn es so gewesen wäre, würde ich Ihnen es selbstredend nicht sagen.“

Blume hingegen versucht, auf die Inhalte des Sondierungspapiers einzugehen. Er hoffe, dass sich die Liberalen nicht nur für schnelles Fahren, sondern auch die Schuldenbremse stark machen: „Da geht es um die Freiheit von kommenden Generationen. Denn es ist doch undenkbar, dass wir in Europa in eine Schuldenunion steuern. Da gibt es natürlich auch Kräfte in diesem Bündnis, die dort mutmaßlich auch hinsteuern wollen.“ Strack-Zimmermann ergreift das Wort: „Ich finde es spannend, dass wir jetzt direkt in die Inhalte reingehen. Denn, Herr Blume, Sie hätten ja die Chance gehabt, mit uns zu verhandeln.“

Marie-Agnes Strack-Zimmermann geht bei „Markus Lanz“ hart mit der CSU ins Gericht und verteidigt Armin Laschet

Strack-Zimmermann spöttelt über das „verbale Liebesspiel“ zwischen FDP und Christsozialen. Statt erste Gespräche zu führen, hätten wichtige CSU-Politiker es vorgezogen, den 80. Geburtstag ihres Ehrenvorsitzenden Edmund Stoiber zu feiern. Auch das Gebahren der CSU vor dem Wahltag findet sie falsch.

„Dass Wahlkampf deftig ist, das muss sein. Also ein bisschen Schwung muss schon in die Hütte kommen. Weil die Leute auch Unterschiede erkennen wollen“, räumt Strack-Zimmermann zwar ein. Doch nachdem das unionsinterne Ringen um die Kanzlerkandidatur entschieden gewesen sei, hätte CSU-Chef Markus Söder sich zusammenreißen sollen, findet sie.

„In dem Moment, wo eine Wahl gelaufen ist und ein Ministerpräsident Söder, der es ja nicht verwunden hat, nicht der Kanzlerkandidat zu sein, sich in dem Moment nicht hinter seinen Kanzlerkandidat, den die Mehrheit der CDU/CSU gewählt hat, stellt, sondern noch am Abend der Wahl ihm, mit Verlaub, verbal eine in den Hintern tritt, finde ich so daneben. Ich gehe so weit, zu behaupten, dass die CSU mit daran Schuld hat, dass die CDU/CSU nicht mehr Stimmen bekommen hat als die SPD.“

„Markus Lanz“ - das waren seine Gäste am 20. Oktober:

Einmal in Fahrt gekommen, redet sich Strack-Zimmermann weiter in Rage: „Ihr Chef wollte Kanzlerkandidat werden und ist es nicht geworden. Anstatt, und ich finde das ist das Mindeste, sich einzurollen und zu sagen: Okay, Ihr wollt den Anderen.“ Dann weiter zu sticheln statt die Reihen zu schließen sei „wirklich unterirdisch“.

„Er hat ja sogar bei der Jungen Union weitergemacht. Ich sage Ihnen, jeder weiß, warum er das macht. Sie fangen jetzt schon an. Sie haben jetzt den Auftrag, sofort in den Angriffsmodus zu gehen“, wendet sich die FDP-Politikerin an Blume. Söder werde „die nächsten zwei Jahre aus Bayern heraus so richtig gegen die Ampel feuern. In der Annahme, in zwei Jahren ist er dann der Held und kann so der nächste Kanzlerkandidat werden. Und ich wette mit Ihnen vor laufender Kamera: Das wird nicht gelingen.“

CSU-Generalsekretär Blume bei „Markus Lanz“: Alles Nebensächlichkeiten

Blume schluckt bei Strack-Zimmermanns Ansage mehrfach schwer, lässt sie aber aussprechen, ehe er antwortet: „Wir wollen ja den Gebrüdern Grimm jetzt hier keine Konkurrenz machen in der Abteilung Märchenstunde. Ich verstehe Ihr Bemühen, Frau Strack-Zimmermann, dass sie jetzt gerne diese Legende, diese Geschichte weitererzählen wollen: Die FDP wollte immer nur mit der Union und ist jetzt aufgrund dieser blöden Umstände innerhalb der Union quasi von uns in eine Ampel gedrängt worden. Ich verstehe, warum Sie diese Geschichte erzählen, weil natürlich Sie in der Folge Ihren Anhängern das eine oder andere zu erklären haben, das ist ja völlig legitim.“

„Aber die Wahrheit ist halt schon eine Spur anders“, sagt Blume, was Strack-Zimmermann zu einem höhnischen „Da bin ich jetzt aber mal gespannt“ veranlasst, dem sich auch der Moderator anschließt. Blume fährt fort: „Herr Lanz, wir hatten uns vor der Wahl, ich durfte ja ein paar Mal bei Ihnen zu Gast sein, hier ausgetauscht über einen Wahlkampf der Nebensächlichkeiten. Und im Grunde hat sich das nach der Wahl fortgesetzt. Da ging es erneut um Nebensächlichkeiten und es ging nicht um die Frage: Was war da jetzt eigentlich und was ist jetzt möglich und was kommt?“ Grüne und FDP hätten sich parallelen Jamaika-Gesprächen verweigert und sich stattdessen auf eine Ampel-Koalition festgelegt. „Wenn wir die Geschwister Grimm sind“, wehrt sich Moderator Lanz, „dann sind Sie jetzt Christian Anders.“

Marie-Agnes Strack-Zimmermann wütend auf die CSU: „Sie haben Herrn Laschet in den Staub getreten“

„Wer hätte denn die Runde der CDU/CSU geführt, Herr Blume?“, erkundigt sich Strack-Zimmermann nach der praktischen Umsetzung paralleler Gespräche: „Sie brauchen ja eine Spitze, die die Gespräche führt. Das ist Herr Scholz auf der einen Seite, bei uns Herr Lindner – wer hätte bei Ihnen geführt? Sie haben Herrn Laschet in den Staub getreten. Ich sage das deswegen, weil ich Herrn Laschet schätze, ihn kenne. Er ist ein fairer Partner. Er hat schon den ganzen Wahlkampf Ihren heißen Atem im Nacken gehabt und an dem Abend hat er den Rest bekommen.“ „Sie sollten sich jetzt nicht zur Expertin für die Union aufschwingen“, unterbricht sie Blume und sagt: „Ich kann Ihnen sagen, für die Union sprechen Markus Söder und Armin Laschet.“

Als Blume versucht, am Beispiel der Unionsgespräche mit den Grünen zu erklären, dass CDU und CSU „maximal abgestimmt“ gewesen seien, platzt Moderator Lanz beinahe der Kragen: „Das überstrapaziert mich jetzt. Ich habe doch gesehen, was öffentlich stattgefunden hat. Da tritt Armin Laschet vor die Kameras und sagt: Jamaika ist immer noch möglich, wir stehen bereit. Und wenig später tritt Ihr Chef, Markus Söder, vor die Kameras und sagt: Jamaika ist beerdigt. Wenn das ‚maximal abgestimmt‘ ist, dann will ich gar nicht wissen, wie ‚nicht abgestimmt‘ ist.“

Der CSU-Politiker antwortet: „Die Situation, glaube ich, war anders. Wir haben nicht von ‚beerdigt‘ gesprochen. Wenn Sie die Aussagen korrekt zitieren, dann passt das auch zusammen. Markus Söder hat gesagt: Wir haben leider nicht gewonnen, wir sind Platz zwei und wir sind bereit. Armin Laschet hat gesagt: Wir werden versuchen und sind zu den Gesprächen bereit, Jamaika hinzubekommen.“ Man werde als Union mit der Oppositionsrolle umgehen, sagt Blume und fügt in Richtung Strack-Zimmermann hinzu: „Wir werden das kritisch-konstruktiv begleiten und das beginnt halt jetzt offensichtlich schon in dieser Sendung.“

„Markus Lanz“ - Das Fazit der Sendung

Bei „Markus Lanz“ streiten Strack-Zimmermann und Blume intensiv über die politische Lage in Deutschland - und den Zustand der Union. Die FDP-Politikerin attackiert den CSU-Generalsekretär immer wieder. Talkmaster Lanz fällt es dabei nicht schwer, sich mit der FDP-Frau zu solidarisieren. Blume hat indes einen schweren Stand und weist die Schuldzuweisungen von sich, genervt sagt er gegen Ende: „Frau Strack-Zimmermann, kümmern Sie sich doch um Ihre eigene Partei.“

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