Corona-Talk bei Markus Lanz
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Corona-Talk bei Markus Lanz

Talkrunde im ZDF

AstraZeneca-Stopp als „impfpolitischer Supergau”: Blume und Kretschmann zeigen bei Markus Lanz bittere Folgen

In der „Markus Lanz”-Talkrunde spielen die Landtagswahlen vom Wochenende kaum eine Rolle. Stattdessen beherrscht der Astra-Zeneca-Impfstopp das Geschehen.

Hamburg - „Markus Lanz” widmet sich am Dienstagabend dem Thema der Aussetzung des Covid-Impfstoffs von Astra Zeneca. Zum Einstieg referiert daher Prof. Dr. Thorsten Lehr, Professor für klinische Pharmazie an der Saaruniversität, über das, was bisher bekannt ist. Sieben Fälle von Sinusthrombosen gebe es, bei insgesamt 1,6 Millionen in Deutschland verabreichten Impfdosen. Er verstehe zwar die Maßnahme, hätte aber das Impfen mit Astra Zeneca deswegen nicht ausgesetzt. Es handle sich bei der Maßnahme um die „größtmögliche Vorsicht”. Seine Sorge: „Die Impfkampagne wird darunter leiden.” CSU-Generalsekretär Markus Blume formuliert es drastischer und spricht von einem „impfpolitischen Supergau”.

Winfried Kretschmann bei „Markus Lanz”: „Wir müssen weiter auf Sicht fahren”

Der per Video zugeschaltete baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Bündnis 90/Die Grünen) zeigt sich konsterniert und hilflos über die Entscheidung des zuständigen Paul-Ehrlich-Instituts: „Das trifft uns sehr hart. Wir haben ja genug Stress mit dem Impfen, weil wir nicht genug Impfstoff haben. Jetzt wäre der Hochlauf gekommen und wir hätten doppelt so viel impfen können wie jetzt. Das wirft natürlich unsere ganzen Pläne durcheinander.” Einfach weiter impfen hätte Kretschmann aber nicht wollen, der 72-Jährige vertraut weiterhin der Wissenschaft: „In einer solchen prekären medizinischen Frage muss man sich auf den Rat der Wissenschaft verlassen. Ich kann jetzt nicht einfach daherplaudern, was mir selber in den Sinn kommt.”

Cihan Celik bei „Markus Lanz”: „Das mediale Echo bei Astra Zeneca ist größer”

Auch Dr. Cihan Celik, Oberarzt einer Corona-Station im Klinikum Darmstadt, der selbst bereits eine Corona-Infektion hinter sich hat, versteht das Handeln des Paul-Ehrlich-Instituts. Schuld sei vor allem die derzeit ungesicherte Faktenlage. Einzig das geschlossene Krankheitsbild der Sinusthrombosen gilt als gesichert: „Wir wissen nicht genau, was die Hintergründe sind. Ob es Prädispositionen gibt, die einen anfällig für diese Krankheit machen. Das ist auch der Grund dafür, warum eine verhältnismäßig geringe Prävalenz, also nur sechs von 1,6 Millionen schon ausreichen kann, dass das Paul-Ehrlich-Institut sagt: Moment, das müssen wir überprüfen.” Professor Lehr schließt sich seinem Kollegen an: „Wo kommt die her? Wie wird die ausgelöst?”, fragt er und stellt die Möglichkeit einer verunreinigten Charge in den Raum, schließlich seien in England bei zehn Millionen verabreichten Dosen nur drei Fälle von Sinusthrombosen bekannt.

„Markus Lanz“ - das waren seine Gäste am 16. März:

  • Winfried Kretschmann (Grüne) - Ministerpräsident von Baden-Württemberg
  • Markus Blume (CSU) - Generalsekretär der CSU
  • Shakuntala Banerjee – Stellvertretende Leiterin des ZDF-Hauptstadtstudios
  • Prof. Dr. Thorsten Lehr – Professor für klinische Pharmazie
  • Dr. Cihan Celik – Oberarzt einer Corona-Station im Klinikum Darmstadt

Die stellvertretende Leiterin des ZDF-Hauptstadtstudios, Shakuntala Banerjee, fragt sich wegen dieser Sachlage, warum der Weg der Öffnung überhaupt gegangen wird, „wenn man sieht, dass die beiden wichtigsten Säulen Impfen und Testen wackeln. Warum gehen die Länder jetzt diesen Schritt?” Winfried Kretschmann erklärt der Journalistin, das liege am „gewaltigen” Druck aus der Bevölkerung: „Wir können Verbote und Gebote machen, aber die Menschen müssen sich daran halten.” Schließlich genüge es bereits, wenn sich zehn Prozent der Gesellschaft nicht an die Vorschriften halten, um die Bemühungen der Mehrheit zu manipulieren und das Virus zu verbreiten.

Shakuntala Banerjee bei „Markus Lanz”: „Das wäre doch die Aufgabe von Politik”

Dass CSU-Generalsekretär Markus Blume sagt, man sei auf die jetzige Situation nicht vorbereitet, kann Banerjee nicht nachvollziehen: „Es war klar, dass wir es mit Impfstoffen zu haben, die mit einem Rekordtempo entwickelt worden sind, wo es Restrisiken gibt, die man nicht kennt. Wie kann es da sein, dass Sie sich hinstellen und sagen: Darauf waren wir nicht vorbereitet? Das wäre doch die Aufgabe von Politik und Regierung, genau darauf vorbereitet zu sein.” Winfried Kretschmann springt dem CSU-Politiker von der Leinwand aus zur Seite: „Wie soll man sich denn darauf vorbereiten?”

Markus Blume bei „Markus Lanz”: „Wir müssen die Hausärzte ans Netz bringen”

Allerdings gibt Blume zu, dass die Entscheidung auch für ihn schwer zu verdauen war: „Wir laufen eh schon hinterher, zu langsam, zu wenig. Wir wissen: Impfen ist die Brücke zur Normalität.” Dass die Verabreichung von Astra-Zeneca-Impfstoffen ausgesetzt ist, bezeichnet er als „impfpolitischen Supergau” und hofft auf eine “rasche Klärung” sowie eine eindeutige Ansage: „Entweder es geht oder es geht nicht.” Außerdem spricht Blume sich für ein Aufbohren der Impfpriorisierung aus und fordert: „Weg mit dieser Impfbürokratie.” Einig ist sich die Talkrunde darin, dass die Hausärzte deutschlandweit möglichst schnell in das Prozedere eingebunden werden sollten. Auch hier bezieht Blume Stellung: „Wir haben die Hausärzte, wir haben eine super Struktur in Deutschland. Die müssen wir jetzt ans Netz bringen.”

„Markus Lanz“ - das Fazit

Dass der Impfstoff von Astra Zeneca in Deutschland vorerst nicht weiter verabreicht werden darf, ist das Thema des Tages, was dazu führt, dass für eine Zustandsanalyse der CDU/CSU kaum Zeit bleibt. Zwar greift „Markus Lanz” das Thema im letzten Drittel der Sendung auf, allerdings sagt CSU-Generalsekretär Blume nichts, was nicht schon Unionskollegen im Lauf der letzten Woche beteuert hätten: dass man sich von den fraglichen Personen distanziere und die Vorgänge um die Abgeordneten Nüßlein und Löbel auf das schärfste kritisiere, außerdem habe man die Parlamentarier dazu aufgefordert, ihre Mandate niederzulegen. Beinahe ganz unter den Tisch fällt der Wahlerfolg der Grünen am Wochenende in Baden-Württemberg, wo Winfried Kretschmann zum zweiten Mal seit 2011 im Amt bestätigt wurde. Zu seinen Sondierungsgesprächen kann Talkmaster Lanz ebenso wenig aus dem Ministerpräsident herauskitzeln wie aus Markus Blume zum Thema einer möglichen Kanzlerkandidatur Markus Söders.

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