Die Runde bei Markus Lanz lauscht den Ausführungen des Schweinfurter OB Sebastian Remelé (re.).
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Die Runde bei Markus Lanz lauscht den Ausführungen des Schweinfurter OB Sebastian Remelé (re.).

Kurz nach der Merkel-PK

Markus Lanz: OB aus Bayern erklärt „Rezept“ seines Corona-Erfolgs - „Machen wir seit Monaten”

In der „Markus Lanz“-Runde provoziert Ökonom Daniel Stelter mit einer steilen These. An dieser arbeitet sich die Runde ab, die Gipfel-Beschlüsse bleiben auf der Strecke.

„Markus Lanz” startet am Mittwochabend mit rund einer halben Stunde Verspätung, weil Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) fast bis Mitternacht die Ergebnisse der Ministerpräsidentenkonferenz (MPK) mitteilte. „Was das alles bedeutet”, darüber wollte Lanz mit seinen Gästen sprechen. Allein, es bleibt beim Vorhaben.

Zwar spricht Lanz eingangs mit dem Welt-Journalisten Robin Alexander, über den Gipfel und zeigt auf, dass die Nerven bei der politischen Führung derzeit blank zu liegen scheinen. Vor allem den Streit zwischen Vize-Kanzler Olaf Scholz (SPD) und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) skizzieren die beiden nach. Eine inhaltliche Auseinandersetzung mit den Beschlüssen von Mittwoch? Fehlanzeige.

„Markus Lanz“ - das waren seine Gäste am 3. März:

  • Robin Alexander – Stellvertretender Chefredakteur „Die Welt”
  • Dr. Jana Schroeder – Fachärztin für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie
  • Sebastian Remelé (CSU) – Oberbürgermeister von Schweinfurt
  • Dr. Daniel Stelter – Ökonom, Autor, Blogger

Das liegt auch daran, dass sich Ökonom Daniel Stelter gleich zu Beginn energisch einschaltet und das große Wort „Staatsversagen” bemüht. Seine Meinung: „Sie haben alle gemeinsam ihre Aufgabe nicht erfüllt und für die viertgrößte Wirtschaftsnation der Welt ist es eine Blamage.” Markus Lanz, Robin Alexander und Schweinfurts Oberbürgermeister Sebastian Remelé (CSU) geben dem Autor und Blogger Kontra – nicht das letzte Mal an diesem Abend. Die einzige Frau in der Runde, die Medizinerin Jana Schroeder, hält sich bei diesen Auseinandersetzungen zurück: „Ich bin ja hier nicht die Politikerin.”

Robin Alexander bei Lanz: „Das ernsthafte Bemühen ist da, es sind aber schwere Fehler gemacht worden”

Weil die Gipfel-Runde bis spät in den Abend tagte, war der ursprünglich vom ZDF angekündigte Gast Michael Müller (SPD) nicht bei „Markus Lanz”. Der MPK-Vorsitzende und Regierende Bürgermeister von Berlin äußerte sich mit Kanzlerin Angela Merkel stattdessen auf der zeitgleich stattfindenden Pressekonferenz im Kanzleramt. Zusammengefasst: Bleiben die Inzidenzen 14 Tage lang konstant niedrig, wird immer weiter geöffnet. Steigt die Inzidenz drei Tage lang auf über 100, greift eine „Notbremse” und es kommt erneut zu regionalen Lockdowns.

Alexander konstatiert, es handele sich um einen Strategiewechsel, „den Frau Merkel so nicht gewollt hat“. Die Kanzlerin habe sich zu sehr „darauf fixiert, diesen Lockdown zu machen“. Markus Lanz fasst resigniert zusammen: „Der Kaugummikurs geht weiter.” Weil der Journalist das nächste plakative Statement von Stelter bereits ahnt, richtet er sich präventiv an ihn und wirft ihm vor: „Diese Vokabel Staatsversagen, das ist wie eine verbale Handgranate und danach wächst da nichts mehr. So viele Leute in Deutschland, auch in den Behörden, arbeiten wirklich gut. In anderen Ländern wären sie froh, wenn sie das hätten.”

Bei Markus Lanz war wieder Corona das Thema

Stelter holt wenig später dennoch aus: „Der Lockdown ist die primitivste Form der Pandemiebekämpfung. Das ist ja fast wie zu Pestzeiten. Das ist doch kein Fortschritt.” Die Medizinerin der Runde, Schroeder, springt ihm bei. Der Lockdown sei dazu geeignet, um in eine frühere Phase der Pandemie zu gelangen. Während des ersten Lockdowns habe man sich auf ein Worst-Case-Szenario vorbereiten müssen. Immerhin kommen die Diskutanten auf einen Konsens: testen, testen, testen.

Markus Lanz (ZDF): Sind Corona-Tests der Schlüssel zum Sieg über das Virus?

Zuvor hatte auch die Kanzlerin das Testen als wichtiges Instrumentarium bezeichnet, das es noch vor einem halben Jahr im heutigen Ausmaß nicht gegeben habe. Auch Schweinfurts Oberbürgermeister Sebastian Remelé (CSU) führt die Erfolge seiner Gemeinde, auf das breit angelegte Testen zurück: „Wir testen seit Monaten.” Schroeder mahnt, dass es bei etwaigen Lockerungen eine „adäquate Teststrategie” geben müsse. „Ohne das wird es nicht gehen.”

Remelé dachte in der Runde auch eine Impfpflicht an. Eine Quote von 50 bis 60 Prozent sei zu erreichen, danach werde es ohne Impfpflicht schwierig. „Nur über das Freiwilligkeitsprinzip werden wir es nicht schaffen“, sagte der CSU-Politiker.

Dazu kommt zunehmend die Möglichkeit des Impfens. Dass Deutschland hier immer noch nicht richtig Fahrt aufnimmt, nimmt Stelter zum Anlass für ein Feuerwerk der Konjunktive. Bereits im Herbst hätte man die Testkapazitäten ausweiten müssen, der weitere Lockdown hätte sich so verhindern lassen. Robin Alexander hält dagegen: „Wenn Sie den Leuten an den Bildschirmen erzählen: Hätten wir getestet und geimpft, dann wären wir um den zweiten Lockdown herumgekommen. Dann ist das leider nicht wahr.” Pragmatisch in die Zukunft blickt dagegen Ärztin Schroeder: „Jeder Impfstoff, der in einem Arm landet, bringt uns näher zum Ende der Pandemie.”

Fazit der Sendung

Bei „Markus Lanz” wollte am Mittwochabend kein echter roter Faden zu erkennen sein. Bundeskanzlerin Angela Merkel äußerte sich erst wenige Minuten vor der Sendung zu den Gipfel-Beschlüssen - weshalb sich die Talkrunde weitgehend mit Mutmaßungen, Spekulationen und Polemik zufriedengeben musste. Immerhin: Für den nächsten Abend kündigt Markus Lanz Olaf Scholz als Gast seiner Sendung an. Bleibt zu hoffen, dass der Vizekanzler eine klarere Linie findet und sich Lanz nicht nur an dessen Streit mit Markus Söder abarbeitet.

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