Olaf Scholz bei Markus Lanz
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Olaf Scholz bei Markus Lanz

Nach Corona-Gipfel-Streit mit Söder

Vizekanzler Olaf Scholz spricht bei „Markus Lanz” Klartext – „Das mit den Schlümpfen gefällt mir!”

Klare Worte bei „Markus Lanz”. Vizekanzler Olaf Scholz spricht über den Streit mit Bayerns Ministerpräsident Markus Söder und seine Ambitionen als Kanzler.

Im ZDF ging es bei „Markus Lanz” ging es am Donnerstagabend in erster Linie um die Ergebnisse der Ministerpräsidentenkonferenz (MPK) vom 3. März. Doch Talkmaster Lanz wollte mit seinen Gästen nicht nur über die umstrittenen Beschlüsse von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), sondern auch über den Streit zwischen Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) sprechen.

Der Bundesfinanzminister nahm in der Sendung Stellung und äußerte sich zuversichtlich über den Corona-Gipfel, die Impf- und Teststrategie sowie die Ausrichtung seiner Partei im Superwahljahr 2021. Das gefiel nicht allen Gästen – und auch Markus Lanz erlaubte sich ein paar Spitzen, als er zu Beginn anmerkte: „Sie kriegen sich mit Markus Söder in die Haare – bei Ihrer Frisur schwierig, aber sie haben es trotzdem geschafft.”

„Markus Lanz“ – das waren seine Gäste am 4. März:

  • Olaf Scholz – Bundesfinanzminister (SPD) und Vizekanzler
  • Kristina Dunz – Hauptstadt-Redakteurin vom „RedaktionsNetzwerk Deutschland“ (RND)
  • Claus Ruhe Madsen – Oberbürgermeister von Rostock
  • Kai Kupferschmidt – Molekularbiologe

Markus Lanz über den Vizekanzler und SPD-Kanzlerkandidat: „Er ist in der Lage, seine Mimik so einzustellen, dass sein Gegenüber nicht weiß, was er denkt.” Genau dies sei ihm jedoch am Mittwoch nicht gelungen, nachdem Markus Söder zu ihm gesagt haben soll: „Sie sind ja nicht der Kanzler!” Auf Nachfrage von Lanz versuchte Scholz, schwammig zu erklären, worum es in dem Streit ging, in dem Söder ihm unter anderem ein „schlumpfiges Gegrinse” unterstellte. „Es ging einfach darum, dass ich als verantwortlicher Minister, als jemand, der für die Führung dieses Landes Verantwortung trägt, aufpassen muss, dass das Geld zusammenbleibt. Man muss dann mal sagen, wie es ist. Wir brauchen eine Kooperation zwischen Bund und Ländern, die funktioniert.”

Olaf Scholz über den Zwischenfall mit Söder: „Wir sind nicht zufällig in unterschiedlichen Parteien gelandet”

Worüber Söder sich so aufgeregt hat? Scholz winkte mit einem Lächeln ab: „Weiß ich‘s?” Einen Groll gegen seinen politischen Kontrahenten hege er nicht. Der Vizekanzler fügte hinzu: „Das mit den Schlümpfen gefällt mir! Die sind klein, listig und gewinnen immer.” Ob er Söder als Gargamel beschreiben würde, wollte Lanz wissen. Auch darüber verlor Scholz kein Wort und grinste stattdessen. Eines ist sicher: Eine Freundschaft zwischen Scholz und Söder wird es so schnell nicht geben. „Wir sind nicht zufällig in unterschiedlichen Parteien gelandet”, so der Vizekanzler.

Olaf Scholz spricht bei „Markus Lanz” (ZDF) über seine Kanzlerkandidatur: „Ich bin ziemlich zuversichtlich”

Im Gespräch über seine Kanzlerkandidatur wirkte Olaf Scholz durchaus selbstbewusst. Erst stellte er klar, dass er sich tagtäglich um „große, große Themen” kümmern müsse. Dann stichelte er gegen seine möglichen Gegner: „Ich bin ganz sicher, dass ich eine sehr gute Aussicht habe. Ich bin ziemlich, ziemlich zuversichtlich.” Ob ihm dieses Selbstbewusstsein schaden könnte? Scholz wiegelte ab: „Das spricht für eine gut gemachte Kampagne und für Kampfeswillen.”

Auf den Boden der Tatsachen wurde Scholz von Molekularbiologe Kai Kupferschmidt geholt. Der Wissenschaftsjournalist skizzierte mit drastischen Worten, warum er die beschlossenen Lockerungen bei den Anti-Corona-Maßnahmen kritisch sieht: „Ich bin ehrlicherweise etwas ratlos und enttäuscht. Ich kann total verstehen, dass wir gesellschaftlich in einer schwierigen Situation sind in Deutschland. Wir haben eine Corona-Variante, die sich weiter ausbreitet und die sich weiter ausbreiten wird. Alle Prognosen sind, dass die Zahlen steigen. In diese Situation hinein zu lockern kommt zu früh.”

Claus Ruhe Madsen, der Oberbürgermeister von Rostock, stimmte zu. Er hat für seine Stadt ein Öffnungskonzept entwickelt, mit dem er die Infektionszahlen niedrig halten will. Er äußerte in Richtung Scholz scharfe Kritik: „Wenn von der Kommandobrücke in den Maschinenraum gesagt wird: ‘Das ist der Kurs’ – dann setzen wir das natürlich um. Mein Problem ist, dass ich die Menschen vor Ort jedes Mal aufs Neue dafür begeistern muss.” Er erklärte weiter: „Ich arbeite seit einem Jahr hart daran, einen Weg zu finden, um den Menschen etwas zu ermöglichen. Ich möchte, dass Rostock gegen Halle im Frühjahr vor 3.000 Menschen spielen kann.” Einen erneuten Lockdown wäre für Madsen fatal: „Wenn noch ein Knockout kommt, dann sind wir weg.”

Molekularbiologe Kai Kupferschmidt warnt bei Lanz vor dem „Prinzip Hoffnung”

Kupferschmidt ergänzte im Gespräch mit Markus Lanz: „Wir dürfen nicht vergessen, dass jeder Mensch ein subjektives Risikoempfinden hat. Was die jetzt denken, ist: ‘Okay, ich kann mir ein bisschen mehr erlauben.’” Die Enttäuschung am Horizont sei für ihn bereits sichtbar: „Anstatt zu sagen, dass es hart wird, versprechen wir etwas, das wir nicht unbedingt halten können. Wir fahren auf Sicht. Wir haben in Deutschland die Chance verpasst, einen strukturierten, langsamen Ausstieg zu schaffen.”

Das Frühlingserwachen, von dem Olaf Scholz in der Sendung träumte? Zerschmettert! Bürgermeister Madsen legte nach: „Es scheint mir, als hätten wir keine Lernkurve.” Auch RND-Redakteurin Kristina Dunz stimmte mit ein: „Die Bürokratie in diesem Land macht einen wahnsinnig. Es geht nichts spontan. Dieses Land wird gelähmt, weil es zu viele Ebenen gibt und man nicht durchgreifen kann.” Daraufhin räumte der Vizekanzler Fehler ein, gab zu: „Ein paar Dinge hätten anders laufen können. Bezüglich der Beschaffung der Impfstoffe sind falsche Entscheidungen getroffen worden.”

Fazit der Sendung

Bei „Markus Lanz” wurde am Donnerstagabend ein selbstbewusster Olaf Scholz auf den Boden der Tatsachen geholt, nachdem er bei der Ministerpräsidentenkonferenz mit Bayerns Markus Söder aneinandergeraten war. Eine klare Linie, was die Beschlüsse des Corona-Gipfels anging, konnte er jedoch nicht liefern. Stattdessen wurde er von den anderen Gästen der Runde scharf kritisiert.

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