1. Startseite
  2. Politik

Zoff mit Lauterbach im ZDF - Lanz sieht in Kekulé sogar den neuen „Reiter der Apokalypse”

Erstellt:

Kommentare

Corona war das Thema bei „Markus Lanz“ (ZDF)
Corona war das Thema bei „Markus Lanz“ (ZDF) © Screenshot: ZDF/Markus Lanz

Sie liefern sich ein Wortgefecht: Trotz der Wiederaufnahme von AstraZeneca können Karl Lauterbach und Alexander Kekulé bei „Markus Lanz” keine Einigung finden.

Hamburg - Bei „Markus Lanz” geht es am Donnerstagabend um die Wiederzulassung des umstrittenen Impfstoffs AstraZeneca durch der EU-Arzneimittelagentur EMA. Das Vakzin war in die Kritik geraten, nachdem mehrere Fälle seltener Blutgerinnsel im Gehirn festgestellt worden waren. In Amsterdam sagte EMA-Chefin Emer Cooke jetzt selbstsicher: „Dieses Vakzin ist sicher und wirksam.”

Derselben Meinung ist auch SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach. Er betont bei Markus Lanz sogar nochmal, er selbst hätte die Verabreichung des Impfstoffs niemals gestoppt – trotz der riskanten Nebenwirkungen. Virologe Alexander Kekulé macht dagegen deutlich, dass er von AstraZeneca nicht sonderlich viel hält. Eine Meinung, die er schon vor wenigen Wochen vertrat, als er das Vakzin als „Impfstoff zweiter Klasse” betitelte.

„Markus Lanz“ – das waren seine Gäste am 18. März:

Kekulé stellt zu Beginn der Sendung klar: „Ich mag nicht, wie die Wissenschaft gerade von der Politik getrieben wird.” Lauterbach, der per Video zugeschaltet ist, steuert dagegen in die völlig andere Richtung - und versichert, dass er sich persönlich mit AstraZeneca impfen lassen würde. Über die Entscheidung der EMA sagt er: „Ich bin damit sehr zufrieden – habe es auch so erwartet. Der Astra-Impfstoff ist sicher und hat einen hohen Nutzen.” Die Nebenwirkungen sieht Karl Lauterbach hingegen als geringfügig an. „Man muss bei den Nebenwirkungen zwei große Gruppen unterscheiden – allgemeine Thrombosen und sehr seltene, spezifische Thrombosen”, so der Epidemiologe. Die aktuell festgestellten Blutgerinnsel im Gehirn sollen seiner Ansicht nach zur letzteren und äußerst seltenen Gruppe gehören.

Corona bei „Lanz“: Kekulé über seine Kritik an AstraZeneca - „Die Geschichte hat mir Recht gegeben”

Mittlerweile wurden jedoch in Deutschland bereits 18 dieser Thrombose-Fälle bekannt. Eine Zahl, die weiter steigen kann. Kekulé stellt mit ernstem Blick fest: „Das Ziel muss ja letztlich sein, das Vertrauen in die Impfungen insgesamt zu erhalten. Das wäre der größte Schaden überhaupt, wenn die Leute nicht mehr an die Impfung glauben!” Seine Aussage bezüglich des AstraZeneca-Impfstoffs nimmt der Virologe dennoch nicht zurück. Auf Nachfrage Lanz‘ entgegnet er: „Ich glaube, gewissermaßen hat mir die Geschichte Recht gegeben.”

Gleichzeitig kritisiert Kekulé die Entscheidung der Wiederaufnahme des Impfungen: „Die EMA hat eine politische Entscheidung getroffen, was nachvollziehbar ist. Sie sagt, wir können dieses Fragezeichen bezüglich der Nebenwirkungen auf die Schnelle nicht klären. Sie sagt: Was auch immer da aufgetreten ist, es ist so selten, dass wir trotzdem die Impfung weiter empfehlen.” Genau diese Meinung vertritt auch Karl Lauterbach, der bei Markus Lanz erklärt: „Ich hätte den Impfstopp nicht gemacht. Ich hätte die heutige Bewertung abgewartet, weil das Ergebnis aus meiner Sicht erwartbar war. Auf der anderen Seite kann man Gesundheitsminister Spahn hier keinen Vorwurf machen.” Der SPD-Gesundheitspolitiker verspricht: „Wir werden das Vertrauen in den Impfstoff wieder herstellen können. Der Nutzen überwiegt.”

Karl Lauterbach versichert bei „Markus Lanz” (ZDF): „Alle Impfstoffe, die wir verwenden, sind Impfstoffe erster Klasse”

Lauterbach betont sogar, dass er bis zur EMA-Entscheidung weiter geimpft hätte – trotz Häufung der Thrombose-Fälle: „Wenn es tatsächlich so gekommen wäre, dass die Europäische Zulassungsbehörde die Impfung gestoppt hätte, dann ist das natürlich etwas, für das man die politische Verantwortung übernehmen muss.” Er fügt hinzu: „Alle Impfstoffe, die wir derzeit verwenden, sind Impfstoffe erster Klasse!” Journalistin Cerstin Gammelin stimmt dem Epidemiologen zu und kritisiert damit gleichzeitig Kekulé: „Ich halte es für ziemlich schwierig, von einem Impfstoff zweiter Klasse zu sprechen.”

Tilman Kuban (CDU) lobt derweil Parteifreund Jens Spahn und sagt: „Es war der richtige Schritt von Jens Spahn, auf die Wissenschaftler zu hören.” Da widerspricht Kekulé vehement: „Die wissen auch nicht mehr.” Moderator Markus Lanz lacht beherzt: „Herr Kekulé, Sie sind heute der Reiter der Apokalypse hier, merke ich gerade.” Ob Deutschland sich aufgrund der dritten Welle einem erneuten harten Lockdown nähert? Kekulé bleibt schwammig und erklärt: „Ich glaube, wir haben die Chance verpasst, uns richtig vorzubereiten auf das Ende des Lockdowns. Wir haben die Entkopplung nicht geschafft. Wir haben nicht genug geimpft und haben keine Konzepte mit Schnelltests. Deshalb würde ich sagen, wir sollten zumindest den Lockdown weitermachen.”

Fazit der Sendung

Bei „Markus Lanz” liefern sich am Donnerstagabend die beiden Top-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach und Alexander Kekulé ein hitziges Wortgefecht, nachdem die EMA die Wiederaufnahme des AstraZeneca-Impfstoffs verkündet hat. Obwohl beide Seiten meinungsstark vertreten sind, kam für besorgte Bürgerinnen und Bürger keine Erkenntnis, ob und wie sicher das umstrittene Vakzin wirklich ist.

Auch interessant

Kommentare