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Markus Lanz, Dirk Roßmann und Martin Kind (von links).

ZDF-Talk

Strache-Affäre bei Lanz: Enthüllungs-Journalist wundert sich - und schweigt über Namen

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Die Ibiza-Affäre beschäftigte auch Markus Lanz im ZDF. Dabei wunderte sich ein österreichischer Journalist über ein Detail. Auch Kevin Kühnert wurde Thema.

Mainz - „Es ist wie in einem Theater, wo es eine Vorder- und eine Hinterbühne gibt. Plötzlich hebt sich der Vorhang und die Zuschauer sehen die Hinterbühne.“ So beschrieb Florian Klenk, Chefredakteur des österreichischen Wochenblatts „Falter“, bei Markus Lanz im ZDF seinen Eindruck der Ibiza-Affäre der FPÖ.

Der Journalist hatte in der Talkshow noch mehr zu sagen, zum Beispiel, dass Karl-Heinz Strache, Hauptprotagonist der Ibiza-Affäre, „in Jugendzeiten ein Neonazi war“, was man im deutschen Fernsehen ja sagen dürfe, „weil es Fakt ist“. Im ORF war diese Aussage von ihm wohl noch gepiept worden. Er beschrieb den Ex-Vizekanzler außerdem als jemanden, der sich zu einem „sich als Familienvater inszenierenden Staatsmann hochgearbeitet hat“. 

Klenk bei Markus Lanz (ZDF): „Irgendwann ist dem Land Österreich langweilig geworden“

Doch wie konnte es zu einer solchen Affäre überhaupt kommen? Darauf von Moderator Lanz angesprochen, holte Klenk etwas weiter aus. „Irgendwann ist dem Land Österreich langweilig geworden. Dann kam dieser Sebastian Kurz, der gesagt hat ‚Wir brauchen einen neuen Stil‘. Besagter Kurz ist Bundeskanzler und war bislang mit seiner Partei ÖVP Regierungspartner der FPÖ, der Strache angehört.“

Mit dem Video aus der Villa in Ibiza, zu der sich ein österreichisches Portal ein witziges Gewinnspiel überlegt hat,  hat das zunächst wenig zu tun, sondern erläutert lediglich die Entstehung von Straches Machtposition, über deren Ausnutzung er auf Ibiza laut nachgedacht hat. Vor einem Jahr habe er erste Gerüchte gehört, dass solches Material von Strache existiere, so Klenk. „Wissen sie, wer‘s gemacht hat?“, fragt Markus Lanz beim Journalisten nach. „Darüber schweigt ein Enthüllungsjournalist“, lächelt Klenk zurück und will auch auf Nachfrage keine Namen nennen.

Markus Lanz (ZDF): Strache machten Fußnägel bei Ibiza-Affäre stutzig

Die Talkrunde bei Markus Lanz am Mittwoch.

Ein Detail des Videos, zu dem mancher am Mittwoch eine weitere Enthüllung von Jan Böhmermann erwartete, macht Klenk aber stutzig, weil er es bezeichnend und absurd zugleich findet. Strache soll im Video zu seinem Vertrauten Johann Gudenus, der ebenfalls in dem Video zu sehen ist, gesagt haben, dass er glaube, die vermeintliche Oligarchennichte sei ein Fake. Das habe Gudenus verneint. Strache habe daraufhin erwidert, dass sie „für eine Russin in der Liga sehr ungepflegte Fußnägel“ habe.

Doch das ist der einzige Punkt, der Klenk wundert. „Er (Strache) hat sie nicht einmal gegooglet“, vermutet der Journalist. Die unter den Namen Alina Makarow aufgetretene Frau sei im Internet nicht zu finden: Was laut Klenk nur zwei Gründe haben kann. „Entweder sie will nicht gefunden werden oder es gibt sie nicht“. Bei der Dame war Letzteres der Fall.

Klenk bei Markus Lanz (ZDF): Strache vertraute Gudenus - und sendete einen Beweis für die Oligarchin

Letztendlich habe Strache trotz Misstrauen auf „seinen Vertrauten Johann Gudenus vertraut“, so Klenk. Doch die mutmaßliche Oligarchin zeigte sich noch nicht von Straches Absichten überzeugt und wollte ein Zeichen vom FPÖ-Mann sehen. Diese sendete die FPÖ schließlich in einer Presseaussendung über das Unternehmen Strabag, dessen Aufträge man letztendlich an eine von der Oligarchin geleitete Baufirma verkaufen wollte.

Auch die Unschuldsbeteuerungen von Strache, der sich jetzt auf den von ihm in Ibiza konsumierten Alkohol beruft, sind für Klenk damit hinfällig. „Das war überhaupt keine besoffene Geschichte.“ Straches Absicht, das Wasser Österreichs und die Kronen-Zeitung aus politischem Interesse an die Oligarchin zu verkaufen, bezeichnete er sogar als „Hochverrat. Er hat die Interessen der Österreicher, für die er öffentlich immer wieder eintritt, verkauft.“ 

Markus Lanz (ZDF): Klenk lächelt Frage nach Drahtziehern des Strache-Videos weg

Als er aber erneut gefragt wird, wer denn das Video in Auftrag gegeben habe, lächelt Klenk die Frage wieder weg. „Ich berufe mich auf das Reaktionsgeheimnis“ sagt er süffisant und meint, dass ihn die Inhalte deutlich mehr interessieren würde, als die Drahtzieher - anders als dies etwa Hans-Georg Maaßen demonstrativ zu Protokoll gab. Ob Klenk die Drahtzieher kennt, blieb bei „Lanz“ offen.

Auch die anderen Gäste von Markus Lanz haben eine Meinung zur Ibiza-Affäre. „Da wird einem übel“, meint Martin Kind, Hörgeräte-Unternehmer und Macher von Hannover 96, und blickt voraus. „Spannend wird es im September, wenn es Neuwahlen geben wird.“ Dirk Roßmann, Gründer der Drogeriekette Rossmann, stellt zur Theorie, dass das Video eine Falle gewesen sei, die Frage, „ob das eine Art Notwehr war.“

Roßmann bei Markus Lanz (ZDF) über Kurz: Nicht auf jeder Basis Kompromisse eingehen

Auch zu Sebastian Kurz, der mit Strache und der FPÖ koalierte, hat der Unternehmer eine Meinung. „Es gibt eine Basis, da kann man keine Kompromisse eingehen“, sagt Roßmann und meint damit die Koalition aus ÖVP und FPÖ. Das Publikum klatscht frenetisch.

Verwicklungen zwischen Politikern und Unternehmern gibt es jedoch nicht nur in Österreich, sondern auch in Deutschland. Lanz zeigt Kind und Rossmann auf einem Bild mit Altkanzler Schröder. „Er ist ja Bundeskanzler a.D.“, meint Kind, aber Lanz bohrt nach. „Wie war das früher?“ „Früher haben wir darüber nicht gesprochen“, sagt Kind. Roßmann springt ihm bei, indem er auf Spielregeln verweist, an die sich jeder zu halten habe. 

Markus Lanz (ZDF): Kind und Roßmann nennen Spielregeln für Politiker-Unternehmer-Beziehungen

Der österreichische Journalist Florian Klenk war zu Gast bei Markus Lanz.

Welche Spielregeln das seien, will Lanz wissen. „Dass, solange ein Politiker im Amt ist, man ihn auf bestimmte Dinge nicht anspricht“, antwortet Kind. Auch die Schnittstellen seien nicht da, meint Roßmann und sagt, dass Leute wie Kind und er, die „Hörgeräte und Zahncreme verkaufen, ja gar keinen Politiker brauchen.“ Lanz verweist auf den Mindestlohn, aber Roßmann wiegelt ab und sagt, dass er bei Treffen mit Politikern wie Gerhard Schröder und Christian Wulff so gut wie nie über Politik rede. Nicht einmal Skat würden sie um Geld spielen.

Kind bricht danach sogar eine Lanze für Politiker und sagt, dass „sie wieder einen höheren Wert in unserer Gesellschaft haben sollten“. Einen nimmt er davon aber aus: Juso-Chef Kevin Kühnert. Dieser hatte Enteignungen gefordert - für Kind eine plakative Forderung. Kühnert habe „kein Studium zu Ende gebracht und noch nie gearbeitet.“ Seine Forderung habe deshalb auch kein Gewicht.

Julie Zeh bei Markus Lanz (ZDF) zu Strache: Grundgesetz ist eine tolle Sache

Eigentum verpflichtet - das steht auch im Grundgesetz, das 2019 seinen 70. Geburtstag feiert. Juli Zeh, frischgebackene Verfassungsrichterin aus Brandenburg, stimmt dieser These zu und lobt die Verfassung. „Es steht nicht drin, das Eigentum hat immer recht, oder der Arbeitnehmer hat immer recht.“ Das Grundgesetz sei „eine riesige Anleitung zur Findung von gesellschaftlichen Kompromissen.“

Das Grundgesetz habe „große philosophisch gestützte, humanistische Prinzipien verbunden mit einer Staatsorganisation.“ Das sei aus ihrer Sicht gelungen, sagt Zeh, und belegt das am Beispiel von Artikel 1: Die Würde des Menschen ist unantastbar. „Würde man die Menschen fragen, was das konkret bedeutet, würde man 83 Millionen Antworten bekommen.“ Das sei aus ihrer Sicht das Tolle am Grundgesetz.

Sebastian Kurz‘ Nachfolge als Kanzler Österreichs ist geklärt. Die Alpenrepublik bekommt erstmals eine Frau an der Spitze der Regierung.

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