Nach verbaler Attacke im TV

Karl Lauterbach bekommt im Corona-Streit bei „Lanz“ zu viel - „Das ist falsch, lassen Sie das”

Wie viel Grund zur Hoffnung gibt es? Rund um den verlängerten Corona-Lockdown liefern sich Karl Lauterbach und Heribert Prantl ein Wortgefecht bei „Markus Lanz”.

Hamburg - Bei „Markus Lanz” geht es am Mittwochabend um den offenbar schwindenden Optimismus in Deutschland – angesichts der steigenden Corona-Neuinfektionen sowie des verlängerten Lockdowns. Besonders zwei Gäste des ZDF-Moderators sind sich bei der Frage nach Hoffnung in der Pandemie-Krise sehr uneinig: SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach und Autor Heribert Prantl.

Die beiden waren bereits vor rund einem Monat in Markus Lanz‘ Runde aneinandergeraten. Während Lauterbach sich damals selbstbewusst für eine Verlängerung des Lockdowns aussprach, platzte Prantl in der Diskussion der Kragen. Der SZ-Kolumnist und Autor des Buches „Not und Gebot: Grundrechte in Quarantäne” rief dem Politiker erbost zu: „Sie nehmen uns jeden Optimismus!”

„Markus Lanz“ – das sind seine Gäste am 24. März:

  • Karl Lauterbach – SPD-Gesundheitsexperte
  • Dr. Lisa Federle – Ärztin und Tübingens Pandemie-Beauftragte
  • Heribert Prantl – Kolumnist und Autor
  • Prof. Alena Buyx – Medizinethikerin und Vorsitzende des Deutschen Ethikrats

Auch in der Sendung vom 24. März liefern sich Lauterbach und Prantl ein hitziges Wortgefecht. Lanz hatte in der ZDF-Sendung gefragt: „Wie tief ist dieser Konflikt, der während der Pandemie zu Tage tritt?” Lauterbach, der per Video zugeschaltet ist, beteuert voller Leidenschaft, alle getroffenen Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie seien vollkommen legitim. Prantl merkt dagegen an, dass es an der Sinnhaftigkeit mangele, wenn Gottesdienste virtuell abgehalten werden sollen, während Fußballspiele ganz real stattfinden dürfen.

Heribert Prantl über die Corona-Maßnahmen: „Wir haben eine ganz große Fähigkeit: Grundrechte einzuschränken”

„Es ist kein roter Faden drin in dieser Geschichte! Und das bringt die Leute auf und das bringt sie zurecht auf”, so der Autor. Professor Alena Buyx, die Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, stimmt da zu. Gleichzeitig bemerkt sie aber auch im Gespräch mit Markus Lanz: „Es ist nicht so, dass die Leute jetzt generell ablehnen, dass etwas gegen die dritte Welle gemacht wird.”

Prantl kontert daraufhin schnell: „Ich glaube nicht, dass die Beschlüsse so richtig sind. Ich fühle mich zurückversetzt in die Zeit vor einem Jahr. Was hat man denn gelernt seitdem? Wir haben wieder einen Lockdown, wir haben noch einen Lockdown – der Lockdown ist verlängert worden.” Der Autor legt nach: „Wir haben eine ganz große Fähigkeit: Grundrechte einzuschränken. Und das finde ich nicht gut!”

Karl Lauterbach warnt bei „Markus Lanz” (ZDF): „Das ist eine neue Pandemie!”

Gleichzeitig stichelt Prantl bei „Markus Lanz” gegen Karl Lauterbach und sagt: „Wir haben unendlich viel Hoffnung, Herr Lauterbach. Ich bin jemand, der gerne über Hoffnung schreibt und der den Leuten Hoffnung geben will – im Gegensatz zu ihnen.” Der SPD-Gesundheitsexperte entgegnet entrüstet: „Das ist falsch. Lassen Sie das mal.” Der Politiker erklärt weiter: „Das ist nicht komplex genug. Es ist ein ganz anderer Lockdown als der vor einem Jahr. Weil wir jetzt ein ganz anderes Virus haben, müssen wir einen anderen Lockdown machen. Das Virus ist einfach so viel ansteckender. Das ist eine neue Pandemie! Viele Leute verstehen das falsch. Wenn wir jetzt nichts Drastisches unternehmen, dann haben wir vor Ende April Fallzahlen, die wir nicht beherrschen können. 30.000 bis 40.000 Fälle am Tag sind durchaus denkbar, wenn wir das nicht stoppen.”

Lauterbach ergänzt in nachdenklicherem Tonfall: „Natürlich wäre es besser, wenn wir so viel Impfstoff hätten wie Amerika oder Israel. Aber ich muss ja jetzt Entscheidungen treffen! Da hilft es mir nichts, zu sagen, die Europäische Union hat falsch eingekauft.” In Richtung Prantl fragt er daraufhin: „Was hätten sie gemacht? Was wäre die Alternative zum Lockdown gewesen?”

Der Autor antwortet fast schon kleinlaut: „Also erstens hätte ich den Shutdown so nicht gemacht. Ich hätte ihn differenziert. Ich will keine bundesweiten, sondern lokalisierte Regelungen haben. Ich finde die pauschalisierten Lockdowns grundfalsch. Die waren damals falsch und die sind jetzt falsch.”

Fazit der Sendung

Bei „Markus Lanz” liefern sich am Mittwochabend Gesundheitsexperte Karl Lauterbach und Autor Heribert Prantl ein hitziges Wortgefecht über die Strenge der Corona-Maßnahmen. Von Optimismus ist jedoch auf beiden Seiten nur wenig zu spüren. Lauterbach beteuert abschließend beispielsweise wenig überzeugend: „Das, was wir machen, ist nicht kopflos.” Medizinethikerin Buyx bringt es da schon besser auf den Punkt: „Wir müssen die Hoffnung bewahren, aber es wird eine knacke-harte Zeit.”

Rubriklistenbild: © Screenshot: ZDF/Markus Lanz

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