Ministerpräsident selbstkritisch

Söder macht sich selbst Vorwürfe im Umgang mit Merkel - „Hat sich einfach nicht gut angefühlt“

CSU-Chef Markus Söder zeigt sich selbstkritisch. Rückblickend würde er einiges anders machen, räumt Bayerns Ministerpräsident in einem Interview ein.

München - CSU-Chef Markus Söder* zeigt sich in einem neuen Interview zu seiner Biografie selbstkritisch. Er bereut sein Verhalten gegenüber Kanzlerin Angela Merkel* (CDU) im Streit um die deutsche Asylpolitik. „Wir alle haben zur Verschärfung des Streits beigetragen - auch ich. Ich habe mich dann aber auch korrigiert“, erklärte Bayerns Ministerpräsident in einem Interview, das er den Autoren seiner neuen Biografie gegeben hat. Das nicht von Söder beauftragte Buch „Markus Söder - der Schattenkanzler“ ist am 1. Oktober im Droemer Verlag erschienen. Es wurde von den beiden Journalisten Roman Deininger und Uwe Ritzer von der „Süddeutschen Zeitung“ geschrieben.

Markus Söder (CSU) selbstkritisch: „Das war eine falsche Strategie“

Durch die erbitterte Auseinandersetzung mit Kanzlerin Merkel „entstand der Eindruck, wir stünden mehr auf der „dunklen Seite der Macht“, so Söder. „Das hat sich einfach nicht gut angefühlt.“ Es sei ein Irrglaube gewesen, man könnte Wähler von der AfD zurückholen: „Das war eine falsche Strategie. Es war eine Fehleinschätzung, die AfD nicht schon früher hart anzugreifen.“

Markus Söder, hier auf einem Foto vom 8. September 2020.

Den Wahlkampf vor der Landtagswahl 2018 in Bayern habe er als „politische Nahtoderfahrung“ wahrgenommen, räumte der Regierungschef ein. „Die Wahrscheinlichkeit war nicht gering, dass ich der Ministerpräsident mit der kürzesten Amtszeit werden könnte.“ Nach seiner ersten Wahl auf den Posten im März 2018 habe er auch Fehler gemacht.

Markus Söder (CSU) bedauert Kreuzerlass - „Manches würde ich heute anders machen“

Konkret bedauerte Söder den umstrittenen Kreuzerlass vom April 2018*: „Manches würde ich heute anders machen, gerade auch in der Form.“ Seinerzeit hatte das bayerische Kabinett auf Markus Söders Initiative beschlossen, dass im Eingangsbereich jeder Landesbehörde künftig ein Kruzifix hängen soll. Bayern sei ein „liberal-konservatives“ Land, unterstrich Söder jetzt. „Die CSU darf sich nicht auf das Konservative verengen.“

Auch zu seinem langjährigen Rivalen um die Macht in der CSU, Bundesinnenminister Horst Seehofer, fand Söder im Buch bemerkenswerte und durchaus versöhnliche Worte: „Von Horst Seehofer habe ich mehr gelernt, als ich lange zugeben wollte. Wahrscheinlich sind wir auf bestimmte Art enger verbunden, als wir beide es geglaubt haben.“ Derzeit muss Söder Bayern durch die Coronakrise führen - am Donnerstag gab es hierzu eine Pressekonferenz des Innenministers.

Markus Söder (CSU): Auch Edmund Stoiber äußert sich anlässlich der Biografie

Anlässlich der Buchveröffentlichung äußerte sich auch der 2002 selbst als Kanzlerkandidat gescheiterte CSU-Ehrenvorsitzende Edmund Stoiber Er traut Söder die Kanzlerschaft zu. „Ja, ohne Zweifel - er hat die Kraft, er hat die Kompetenz“, sagte Stoiber in einem Interview für die Biografie. Stoiber sagte, dass Söder als Kandidat gehandelt werde, sei „auch eine Anerkennung für sein starkes, besonnenes Auftreten in der Corona-Krise“.

Noch im Mai hatte Stoiber gegenüber dem „Spiegel“ Söder von einer Kanzlerkandidatur abgeraten. Stoiber gab sich nun in dem Interview für die Biografie zuversichtlich, dass es im Fall einer Kandidatur Söders kein Bayern-Handicap für den CSU-Bewerber geben würde. „Natürlich kann ein Bayer Kanzler werden - mir hat mein Bayersein 2002 nicht geschadet.“ Das Unionsergebnis sei bei der Bundestagswahl 2002 mit ihm als Kanzlerkandidat verglichen mit 1998 in fast allen Ländern gewachsen - auch in Ostdeutschland. *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks (dpa/AFP)

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