CSU-Boss und CDU-Kanzlerkandidat: Markus Söder (li.) und Armin Laschet.
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CSU-Boss und CDU-Kanzlerkandidat: Markus Söder (li.) und Armin Laschet.

Wissen sie, was der andere tut?

Söder und Laschet senden verwirrende Wahl-Botschaften: Unions-Durcheinander in vier Akten

  • Patrick Mayer
    VonPatrick Mayer
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CSU-Boss Markus Söder macht Feuer auf die SPD, CDU-Chef Armin Laschet schließt mit Blick auf eine mögliche GroKo plötzlich nichts mehr aus. Episoden eines Zick-Zack-Kurses - die Analyse.

München/Berlin - Kurt Schumacher, Willy Brandt oder Helmut Schmidt - CSU-Chef Markus Söder wirft in diesen angeblichen „Trendwende“-Tagen für die Union und CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet nur so mit großen Namen um sich. Wenn es darum geht, gegen die Sozialdemokraten und deren Kanzlerkandidaten Olaf Scholz auszuteilen, werden auch mal die größten SPD-Kanzler und -Oppositionsführer der Vergangenheit bemüht.

Und nicht nur die. Zuletzt waren auch Konrad Adenauer und Franz Josef Strauß an der Reihe. Der Rheinländer Adenauer, der nach dem Krieg der erste CDU-Kanzler (1949 - 1963) der damals noch jungen Bundesrepublik war. Der Münchner Strauß, der der erste Bundeskanzler der bayerischen Schwesterpartei CSU werden wollte - doch 1980 an eben jenem Schmidt scheiterte.

Mögliche GroKo aus SPD und CDU/CSU nach der Bundestagswahl? Markus Söder teilt aus

„Fakt ist: Ob Westbindung, Eintritt in die Nato und die Gründung der Bundeswehr unter Konrad Adenauer und Franz Josef Strauß war die SPD dagegen“, sagte Söder in einem am Dienstag veröffentlichten Interview der Augsburger Allgemeinen: „Auch bei der Deutschen Einheit lag Oskar Lafontaine völlig daneben.“ Attacken aus der bayerischen Staatskanzlei in München gegen den (Noch-) Koalitionspartner im Bund, der in den Umfragen zur Bundestagswahl 2021 klar vorne liegt - je nach Umfrage sogar mit bis zu 5,5 Prozent Vorsprung. Das ist viel.

Passt auf, wir fangen euch noch ab.

CSU-Chef Markus Söder in Richtung SPD

Und die Unions-Spitzen? Wissen sie derweil nicht, was der jeweils andere macht? Die letzten Tage glichen zumindest einem Zick-Zack-Kurs. Fragen über Fragen. Vor allem in einem Punkt: Können sich CDU und CSU eine weitere Koalition an der Seite der Sozialdemokratie vorstellen? Und wenn ja, unter welchen Bedingungen?

Bundestagswahl 2021: Koalitions-Zick-Zack-Kurs von CDU und CSU mit Blick auf die SPD

Episode eins: Der jüngste CSU-Parteitag in Nürnberg, Freitag, der 10. September: Bayerns Ministerpräsident ging in seiner Rede regelrecht auf die SPD los. „Wir wollen keinen Linksrutsch in Deutschland. Und für alle Journalisten zum Mitschreiben: Wir wollen Armin Laschet als Bundeskanzler, und nicht Olaf Scholz oder Annalena Baerbock, liebe Freunde“, rief der 54-jährige Franke ins Plenum: „Olaf Scholz wird der erste deutsche Schuldenkanzler, und das haben wir nicht verdient in unserem Land. Warum stellt Scholz seine Kandidatinnen und Kandidaten vor? Schämt er sich für sie? Das ist kein Schattenkabinett, sondern ein Gruselkabinett.“ Vorsorglich ließ der bekannt selbstbewusste Markus Söder sämtliche Linksliberalen im Land wissen: „Passt auf, wir fangen euch noch auf den letzten Metern ab“.

Siegessicher? SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz.

Episode zwei: Derselbe CSU-Parteitag in Nürnberg, Samstag, der 11. September: CDU-Mann Armin Laschet tat das, was bei der CSU immer ankommt - der Rheinländer zitierte Strauß: „Irren ist menschlich, immer irren ist sozialdemokratisch. Und er hat es auf den Punkt gebracht: In all den Entscheidungen der Nachkriegsgeschichte standen Sozialdemokraten immer auf der falschen Seite.“ Harter Tobak! Zumal nichts besagte Sozialdemokraten so sehr zusammenschweißt wie ihre Geschichte.

CDU und CSU: Kein klarer Kurs mit Blick auf die SPD erkennbar - GroKo-Frage bleibt offen

Episode drei: Wieder besagter CSU-Parteitag, wieder besagter Samstag, der 11. September: Söder, der Laschet eingeladen hatte, attackierte plötzlich nicht mehr die SPD. Sondern er brachte ein mögliches Regierungsbündnis zwischen Schwarz-Rot ins Spiel. Aber eben nur in dieser Reihenfolge. „Es kann ja auch noch einmal eine große Koalition wiederkommen mit der SPD, wenn sie schwächer wird“, sagte der CSU-Boss dem Sender Phoenix: „Das Entscheidende ist, dass wir stärker sind als die SPD, denn davon leitet sich auch der Führungsanspruch in der Bundesregierung ab.“

Im Video: Bundestagswahl 2021 - Kommt es erneut zu einer GroKo?

Episode vier: Das große Triell der Kanzlerkandidaten in der ARD und im ZDF, Sonntag, der 12. September: Ob Laschet noch wirklich an diesen Führungsanspruch glaubt? Im TV-Triell mit Scholz und Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock wurde der 60-Jährige gleich mehrmals gefragt, ob er sich vorstellen könne, als kleinerer Koalitionspartner erneut mit der SPD zu regieren. „Wir sind nicht bei Regierungsbildungen, sondern wir sind bei der Werbung um den richtigen Weg für unser Land. Und ich finde, wir haben nach der Wahl noch so viel Zeit zu sehen, wer mit wem wie koaliert“, erklärte der gebürtige Aachener. Und erklärte damit - nichts. Vor der Bundestagswahl 2021 legte er sich einmal mehr nicht fest. Ebenso wie die Kontrahenten Scholz und Baerbock bei der Frage nach Rot-Grün-Rot. Auf wiederholte Nachfrage von ARD-Chefredakteur Oliver Köhr schloss Laschet eine GroKo mit einer „kleineren“ Union jedenfalls nicht aus.. (pm)

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