Kommentar zum Polit-Zoff

Laschet zeigt Deutschland Corona-Perspektive: Söder ist in die „No-Covid“-Falle getappt

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Die Politik dürfe nicht ständig neue Grenzwerte „erfinden“. Ein Rumms, mit dem Armin Laschet seinen Anspruch auf die Kanzlerkandidatur deutlich macht, analysiert Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis.

München - Seit über vier Wochen ist Armin Laschet jetzt CDU-Vorsitzender, und genauso lange wartet seine Partei ungeduldig auf eine erste Positionsbestimmung ihres neuen Chefs. Jetzt ist sie da, und zwar mit einem Rumms: Man dürfe, sagt Laschet, „nicht immer neue Grenzwerte erfinden, um zu verhindern, dass Leben wieder stattfindet“. Und man dürfe nicht die „Bürger behandeln wie unmündige Kinder“. Fehlten nur noch die Grüße ans Kanzleramt und die Münchner Staatskanzlei.

Laschet gilt als programmatisch blass, er ist das Gegenteil eines Charismatikers. Aber er ist nah bei den Menschen. Er hat, empathischer als Merkel und Söder, die Erschöpfung vieler Bürger nach fast vier Monaten Lockdown gespürt. Und er hat den Umstand registriert, dass sich sein Münchner Rivale im Ringen um die Kanzlerkandidatur auf gefährliches Terrain begab, als er zuletzt noch Sympathien für die strenge „No-Covid“-Strategie erkennen ließ (wohl auch, um sich von Laschet abzuheben). Doch mit diesem Streifzug ist der bayerische Löwe in die Falle getappt.

Kommentar zu Laschet: Frühling könnte Zeit des CDU-Chefs werden

Die jahreszeitliche Logik spricht für den NRW-Landeschef. Der Winter mit den sehr präsenten Corona-Gefahren war Söders Zeit. Doch nun steht der Frühling vor der Tür, dann kommt der Sommer mit den (hoffentlich) sinkenden Inzidenzwerten, die verletzlichen Alten sind bald durchgeimpft. Bleibt die viel beschworene Mutantenwelle aus, dann wird es gewiss keine Welle der Dankbarkeit für die Lockdown-Politik sein, die als nächstes durchs Land rollt. Sondern es wird, ob berechtigt oder nicht, angesichts der immensen Kollateralschäden die Frage im Raum stehen, ob es denn wirklich so harter Maßnahmen bedurft hätte.

Nach einem Jahr Pandemie suchen viele verzweifelte Menschen keinen Warner (mehr). Sondern Politiker, die Perspektiven aufzeigen. Der oft unterschätzte Menschenfänger aus Aachen hat das erkannt und seine Chance genutzt. Ihn im K-Rennen noch abzufangen dürfte schwierig werden.

Rubriklistenbild: © Marcel Kusch/dpa/Marcus Schlaf

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