Markus SOEDER (Ministerpraesident Bayern und CSU Vorsitzender)
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Markus Söder bekommt immer mehr kritische Stimmen zu hören (Archivbild).

Kritik aus Union

Wahl-Klatsche: CDU geht auf Söder los - und die Bürger stimmen überwiegend zu

Markus Söder stichelte während des Wahlkampfs gegen Armin Laschet. Kollegen aus der Union machen den CSU-Chef nun mitverantwortlich für das schlechte Abschneiden bei den Bundestagswahlen.

Berlin - Die Union ist darum bemüht, das schlechteste Ergebnis in ihrer Geschichte bei Bundestagswahlen aufzuarbeiten. Wirtschaftsminister Altmaier und Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer verzichteten auf ihr Mandat, Laschet gibt die Parteispitze frei. Die Frage nach der Verantwortung zieht nun Kreise bis nach Bayern: Der bayerische Ministerpräsident und CSU-Chef Markus Söder trage eine Mitverantwortung finden zahlreiche Unionskollegen. Die gespaltene Union will nun zu mehr Einigkeit finden, es mehren sich die Stimmen für eine Mitgliederbefragung.

Kritik an Markus Söder wird lauter: „Der CSU hat es an Teamgeist gefehlt“

Niedersachsens CDU-Chef Bernd Althusmann hält die CSU-Führungsspitze für mitverantwortlich für das schlechte Wahlergebnis der Union. So manche Grenze sei im Wahlkampf überschritten worden, sagte Althusmann dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. „Der CSU hat es an Teamgeist in der schwierigsten Phase der Union gefehlt“, so der Politiker aus Niedersachsen. Besonders die K-Frage innerhalb der Union habe ihr Übriges getan und sei eine schwere Last im Wahlkampf gewesen. „Die CDU war aus meiner Sicht seit den knappen innerparteilichen Entscheidungen tief gespalten“, so Althusmann weiter.

Auch Friedrich Merz teilt gegen den CSU-Chef aus, auch wenn er Markus Söder nicht namentlich erwähnt. Nachdem Armin Laschet und nicht Söder Kanzlerkandidat wurde, hatten das mehrere CSU-Politiker kritisiert. Auch Söder selbst hatte während des Wahlkampfs häufig gegen Laschet gestichelt. Mit diesem Verhalten rechnete Merz jetzt ab: So wie in den Wochen vor der Wahl gehe man einfach nicht miteinander um, das sei „stillos, respektlos und streckenweise rüpelhaft“ gewesen. Weitere Parteikollegen sehen das ähnlich. Peter Neumann sagte gegenüber der Augsburger Allgemeinen Markus Söder habe Laschet „jeden zweiten Tag unterminiert“ . Ole von Beust (CDU) kommentierte: „In der Schlussphase konnte [Armin Laschet] machen was er wollte, es war immer falsch.“

Politik und Bevölkerung sind sich in diesem Punkt anscheinend einig: Rund die Hälfte der Bürger hält das Verhalten von Markus Söder gegenüber Armin Laschet für „unfair“. Das ergab eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey.

Stimmen für Mitgliederbefragung mehren sich: „Brauchen CDU-Chef mit breiter Unterstützung“

So gespalten die Union im Wahlkampf war, so sehr drängt sie nun auf Einigkeit. Um diese zumindest beim Parteivorsitz herzustellen, werden immer mehr Stimmen für eine Mitgliederbefragung laut. So etwa von CSU-Fraktionschef im Bayerischen Landtag, Thomas Kreuzer. Dieser rät der CDU zu einem Parteivorsitzenden, „der von einer breiten Mehrheit der Partei unterstützt wird“. Eine 51-49 Abstimmung wäre nicht hilfreich. Die personelle Neuaufstellung solle aus seiner Sicht sowohl in der Partei, als auch in der Bevölkerung eine große Akzeptanz haben. Er wolle eine „starke Beteiligung der Basis an allen inhaltlichen und personellen Entscheidungen“. Auch Christian Hirte, der Chef der Thüringer CDU glaubt, die Parteispitze müsse „zeitnah mit der Basis ins Gespräch kommen“, wie die Deutsche Presseagentur am Montag berichtete.

Althusmann erwartet einen konkreten Zeitplan „für einen personellen Neuanfang“ nach den Gesprächen der CDU-Spitzengremien am Montag. Auch er gab ein klares Signal, die Mitglieder stärker einbeziehen zu wollen. Laschet hatte im Vorfeld den Wunsch geäußert, seinen Bundesvorsitz zu „moderieren“. Althusmann sieht dies skeptisch: „Deswegen glaube ich, dass es eine Wettbewerbsentscheidung geben wird, dass dann darüber entschieden werden muss.“ Der Bundesparteitag müsse sich dann aufgerufen fühlen, den Mitgliedern zu folgen, sagte er im ARD-Morgenmagazin am Montag.

Mögliche Bewerber für die Parteispitze sind Ex-Fraktionschef Friedrich Merz, Gesundheitsminister Jens Spahn, Außenpolitiker Norbert Röttgen, Wirtschaftspolitiker Carsten Linnemann oder Fraktionschef Ralph Brinkhaus. Bis Anfang kommenden Jahres will die CDU ihre Spitze neu bestimmen. Ein Sonderparteitag solle dann den kompletten Bundesvorstand der Partei neu wählen, sagte Generalsekretär Paul Ziemiak nach Sitzungen des CDU-Präsidiums und des Bundesvorstands am Montag. (dpa/bm)

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