Heftige Breitseite

CDU-Experte fordert Trennung von CSU – Söder „ein Champion der Heuchelei und übler Falschspieler“

  • Marcus Giebel
    VonMarcus Giebel
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Immer mehr drängt sich der Eindruck auf, zwischen CDU und CSU bestehe nur noch ein Zweckbündnis. Kohls einstiger Sprecher Friedhelm Ost sieht das Ende der politischen Ehe gekommen.

München - So ein bisschen dürfte sich Markus Söder trotz der Wahlschlappe der Union als heimlicher Gewinner der Bundestagswahl fühlen. Zumal der CSU-Chef Niederlagen wohl nur als Fans des 1. FC Nürnberg kennt, aber nicht auf politischer Ebene.

Die große Schwester CDU liegt gerade schwer angeschlagen am Boden, ihr Selbstfindungsprozess sollte einige Zeit in Anspruch nehmen. Eine Zäsur steht bevor. Wer danach die Führungspositionen bekleidet, ist noch gar nicht absehbar.

Folglich sollten Söders Chancen nicht schlecht stehen, als Fels in der Brandung künftig noch mehr Macht für sich zu beanspruchen. Auch wenn seine Partei bei der Wahl ebenfalls historisch schlecht abschnitt. Was er gut zu kaschieren versteht. Nun also könnte seine große Stunde schlagen.

CDU-Politiker empfiehlt Trennung von CSU: „Über Befreiung von Last nachdenken“

Ja, wenn denn die CDU nicht auf Friedhelm Ost hört. Der einstige Regierungssprecher von Helmut Kohl empfiehlt der Partei, angesichts der nicht mehr zu leugnenden Zwistigkeiten die Schnur zur CSU zu kappen. In einem Beitrag für das Portal „Blog der Republik“ schreibt der 79-Jährige: „Die CDU sollte jetzt über eine Befreiung von der CSU-Last ernsthaft nachdenken und sich auch in Bayern etablieren.“

Wichtig sei, sich nicht mehr von der kleinen Schwester vorführen zu lassen: „Auf jeden Fall darf es die CDU nicht mehr zulassen, dass der Schwanz mit dem Hund wackelt.“ Besonders auf den bayerischen Landesvater ist Ost nicht gut zu sprechen. Denn dass sich die Parteien zuletzt „voller Disharmonie und Hinterfotzigkeit“ präsentierten, liege vor allem in dessen Verhalten begründet: „Der Hauptverantwortliche dafür ist ohne jeden Zweifel Markus Söder.“

Hat genug von der kleinen Schwester: Friedhelm Ost (r., hier mit RP-Ministerpräsidentin Malu Dreyer) empfiehlt der CDU die Trennung von der CSU.

CDU-Politiker empfiehlt Trennung von CSU: „Söder begleitete Laschet-Flug in Kamikaze-Art“

Der stolze Franke wurde bei seiner offenbar herbeigesehnten Reise ins Kanzleramt bekanntlich vom CDU-Bundesvorstand abrupt ausgebremst. Dass Armin Laschet ihm bei der Kanzlerkandidaten-Kür vorgezogen wurde, hat er anscheinend nie überwunden.

Oder wie es Ost bildhaft umschreibt: „Söder selbst spielte sich zwar als Kopilot für Laschet auf, doch begleitete er den Flug in Richtung Kanzleramt in Kamikaze-Art. In übler Brutus-Manier betrieb er mit gewaltigen Heucheleien das politische Aus des CDU-Kandidaten.“ Weiter nennt der Journalist die „üblen Schmutzeleien im Fernsehen und in anderen Medien“ und nennt den CSU-Chef „Möchtegern-Epigone von Franz-Josef Strauß“.

Zwar könne sich Söder nicht „so wortgewaltig wie sein großes Vorbild in Szene (...) setzen. Doch er ist ebenso laut, ein Champion der Heuchelei und ein übler Falschspieler.“ So deutlich hat wohl noch niemand aus der CDU-Riege dem 1,94-Meter-Mann die Stirn geboten. Auch wenn Ost ausdrücklich das „feine Gespür“ der Jungen Union bei Söders Besuch am Wochenende hervorhob.

Muss jetzt auch einmal Nehmerqualitäten beweisen: Markus Söder kassiert vom einstigen Kohl-Sprecher Friedhelm Ost verbale Tiefschläge.

CDU-Politiker empfiehlt Trennung von CSU: „Bayerische Regionalpartei darf nicht Ton für Union vorgeben“

Ihm geht es aber eben nicht nur darum, Söders Anteil am Niedergang Laschets und der Schieflage der Union hervorzuheben, sondern die eigene Partei dazu anzuhalten, die vergangenen Monate als Hallo-wach-Erlebnis wahrzunehmen. „Diese bayerische Regionalpartei mit bundespolitischem Anspruch darf nicht weiterhin den Ton für die gesamte Union vorgeben, sich als politischer Vormund aufspielen und gegen die CDU intrigieren“, schimpft er weiter.

Dann folgt seine bittere Erkenntnis: „Die Bezeichnung Schwesterpartei trifft längst nicht mehr auf das real existierende Verhältnis zu.“ Es gebe aber auch gute Nachrichten für die CDU, vor einer Trennung müsse ihr nicht bange sein: „Ob die CSU dann in Zukunft bundesweit auf 5 % oder mehr kommen wird, mag unsicher sein. Angesichts der Erosion, die Söder und seine CSU inzwischen hinnehmen müssen, könnte die CDU in Bayern eine echte Alternative werden.“

CDU-Politiker empfiehlt Trennung von CSU: „Fass mit hässlichen Södereien mehr als übergelaufen“

Vor allem die Stärke der kleinen Schwester im Freistaat, die praktisch seit Jahrzehnten einen Freifahrtschein für die Regierungsbank besitzt, schreckte die Christdemokraten bislang wohl vor einem solch einschneidenden Schritt ab. Ob sich das nun wirklich ändern und die Reißleine gezogen wird?

Für Ost ist nach all den jüngeren Erfahrungen wichtig, dass die künftige CDU-Spitze „nicht von der Gnade der bayerischen Regionalpartei abhängig sein“ dürfe. Denn: „Das Fass mit den hässlichen Södereien ist mehr als übergelaufen.“ (mg)

Rubriklistenbild: © Armin Weigel/dpa

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