Kommentar zum Bayern-Lockdown

Harter Hund mit ernüchternden Corona-Zahlen: Jetzt müssen bitte alle mitmachen - zur Not trotz Söder

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Niemand sagt dem Coronavirus so energisch den Kampf an wie der Bayer Markus Söder. Trotzdem gibt es im Freistaat mehr Infektionen als anderswo. Ein Kommentar von Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis.

„Söders Knallhart-Lockdown“, der seit Sonntag in aller Munde ist, ist zum Glück nicht so drakonisch, wie es die Etiketten behaupten: Die Umstellung der höheren Schulklassen auf Fernunterricht war längst überfällig, weil sich so endlich die Kontakte in den Schulen und auf dem Weg dorthin, in vollen Bussen, U- und S-Bahnen, wirkungsvoll reduzieren lassen. Dasselbe gilt für den jetzt beschlossenen besseren Schutz der Heime.

Man fragt sich, warum sich die Politik, auch die bayerische, mit beidem so lange Zeit gelassen hat. Und die nächtlichen Ausgangssperren in Hotspots? Symbolik. Wer treibt sich im Winter bei Eiseskälte schon freiwillig nachts draußen rum?

Söders neuer Corona-Lockdown: Schließung von Restaurants und Hotels ohne positiven Effekt

Dennoch ist es Zeit, nach fünf Wochen „Wellenbrecher-Lockdown“ kritisch Bilanz zu ziehen. Die Schließung der Gastronomie, der Hotels und vieler Sporteinrichtungen hat die Infektionsdynamik nicht nachhaltig brechen können. Die Zahlen steigen sogar wieder. Gleichzeitig weisen die Daten des RKI darauf hin, dass die nachvollziehbaren Ansteckungen sich meist im häuslichen Umfeld ereignet haben.

Könnte das damit zu tun haben, dass geschützte Räume wie Hotels und Restaurants mit funktionierenden Hygienekonzepten schließen mussten und sich Menschen noch häufiger privat treffen? Beweisen lässt sich das nicht - aber der gesunde Menschenverstand lässt es befürchten.

Georg Anastasiadis, Chefredakteur des Münchner Merkur.

Söders neuer Corona-Lockdown: CSU-Chef lässt weitere Drohungen folgen

Auffällig ist, dass das Infektionsgeschehen in Bayern, wo Söder sich von niemandem in Deutschland als härtester Corona-Hund übertreffen lässt, keineswegs besser ist als anderswo im Land. Auch am Montag drohte er seinen Bürgern unverhohlen mit Ladenschließungen und Kontaktsperren, falls auch die soeben erst verkündeten Maßnahmen wieder versagen. Mit seinem atemlosen Stakkato schafft es der CSU-Chef nicht, die Menschen zu seinen Verbündeten zu machen, sie zum freiwilligen Mitmachen zu animieren.

Stattdessen macht er mit seiner Alarm- und Drohrhetorik leider zu viele Mitbürger, die beim ersten Lockdown noch brav mitzogen, zu Corona-Rebellen wider Willen, die es aus Protest gegen die Bevormundung mit den Regeln nicht mehr so genau nehmen - mit oft tödlichen Folgen. Wichtig aber ist, dass alle mitmachen. Zur Not auch trotz Söder.

Rubriklistenbild: © dpa/Sven Hoppe/Schlaf/mmtz

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