Empörender Vergleich?

Söder ein „Mini-Trump“? SPD schießt im Corona-Streit scharf - CSU-General wird beim Konter persönlich

  • Andreas Schmid
    vonAndreas Schmid
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Markus Söder als „Mini-Trump“? Die SPD erzürnt die CSU, im Corona-Streit liegen die Nerven blank - auch der Konter aus München hat es mächtig in sich.

  • Es kracht zwischen CSU* und SPD*.
  • Die Generalsekretäre der beiden Parteien schossen mit Giftpfeilen um sich.
  • Ausgangspunkt war ein Vergleich von Markus Söder und Donald Trump.

Berlin - Es knistert einmal mehr im politischen Berlin. Ein Jahr vor der Bundestagswahl wird der Ton in der großen Koalition rauer. SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil hat nun überraschend deutlich gegen CSU-Chef Markus Söder geschossen - und zog dabei einen weniger als Kompliment denn als Affront gemeinten Trump-Vergleich. Ausgangspunkt der Differenzen war, wie so oft in diesen Zeiten, Corona*.

CSU/SPD: Klingbeil wird deutlich - Söder macht den „Mini-Trump“ und spaltet des Land

In Berlin waren die Infektionszahlen zuletzt rasant in die Höhe geschnellt. Laut aktuellem Lagebericht des Robert-Koch-Instituts* überschreiten gleich vier Bezirke den kritischen Inzidenzwert von 50*. Söder nahm die Hauptstadt daraufhin in die Pflicht und warnte im ZDF, die Situation sei „am Rande der Nicht-mehr-Kontrollierbarkeit“. Das „seltsame System“ von Bezirksregierungen erschwere eine einheitliche Corona-Strategie. Die Kritik stieß nicht überall auf offene Ohren.

Klingbeil reagierte auf Twitter und wies die Aussagen des bayerischen Ministerpräsidenten zurück: „Was Söder motiviert, den Mini-Trump zu machen und das Land zu spalten, ist mir unbegreiflich.“ Das sei „einfach unanständig“. Der frühere Bundesvize der Jusos spielte damit offensichtlich auf die Corona-Politik Donald Trumps* an. Der US-Präsident nutzt die Pandemie seit Monaten zu Wahlkampfzwecken und schürt Verunsicherung in der Bevölkerung. Greift Söder zu ähnlichen Mitteln? Nach Klingbeils Ansicht bricht der CSU-Chef jedenfalls eine Art Tabu - denn bislang habe niemand „die hohen Infektionszahlen in Bayern und NRW instrumentalisiert.“

CSU/SPD: Blume kritisiert Klingbeil - „das ist Gift für die politische Kultur“

Der Angriff auf ihr Aushängeschild gefällt der CSU natürlich nicht. Generalsekretär Markus Blume warf seinem SPD-Kollegen vor, mit anhaltenden Attacken auf den Koalitionspartner das Klima in der Groko zu vergiften. „Der SPD-Generalsekretär kündigt einseitig das gute Miteinander in der Groko auf“, sagte Blume der dpa „Dem Land wäre sehr geholfen, wenn Klingbeil seine Energie in eine kluge Corona-Politik investieren würde statt in persönliche Angriffe auf den Koalitionspartner. Das ist Gift für die politische Kultur.“

Darüber hinaus schade Klingbeil „mit den ständigen persönlichen Attacken vor allem sich selbst und der SPD“, meinte der CSU-Politiker und fügte hinzu: „Wir werden diesen Stil jedenfalls nicht pflegen, sondern weiterhin alles für den Erfolg der Regierung in diesen herausfordernden Zeiten tun.“ Eine vergleichsweise diplomatische Antwort - die nur geringen Wert hat?

Sprang seinem Chef zur Seite und schoss ebenso mit Giftpfeilen um sich: CSU-Generalsekretär Markus Blume

CSU: „Lars Klingbeil steht für historisch schlechte Wahlergebnisse und eine SPD, die im Umfrageloch verharrt“

Letztlich ließ sich Blume nämlich doch zu zu einer Attacke auf Klingbeil hinreisen: „Es ist der untaugliche Versuch davon abzulenken, dass er einer der erfolglosesten Generalsekretäre der SPD-Geschichte ist. Lars Klingbeil steht für historisch schlechte Wahlergebnisse und eine SPD, die im Umfrageloch verharrt.“

Es kracht also zwischen CSU und SPD. Markus Söder selbst nahm die Kritik bislang allerdings kommentarlos zur Kenntnis. Der bayerische Ministerpräsident hat ohnehin Wichtigeres zu tun. Am Freitagnachmittag trifft er sich in Bad Reichenhall mit Österreichs Kanzler Sebastian Kurz zum Corona-Krisengespräch*. (as) *Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

Rubriklistenbild: © Sven Hoppe(dpa) / Brendan Smialowski(AFP) (Montage)

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