K-Frage der Union

CSU-Wahlkampfauftakt: Söder will nicht mehr Kanzler werden – nie mehr

  • Jonas Raab
    VonJonas Raab
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Markus Söder weist alle Kanzler-Ambitionen von sich. Beim Auftakt des CSU-Wahlkampfauftakt versucht er Laschet den Rücken zu stärken, im Rahmen seiner Möglichkeiten.

Unterschleißheim/Berlin - Die Konservativen stecken im Rekord-Umfragetief, als Markus Söder* am Dienstag, 24. August um 18 Uhr in Unterschleißheim auf die Bühne tritt und mit seiner CSU in die heiße Phase des Bundestagswahlkampfs startet. Erstmals seit 15 Jahren hat die SPD die Union in den Umfragewerten überholt*. Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet ist angezählt, Söders Konfrontationskurs daran nicht ganz unschuldig. Am Dienstagabend stellte der bayerische Ministerpräsident zwei Dinge klar – eins ganz offensiv, das andere eher halbherzig.

Ding Nummer eins, das halbherzige. Es geht um Armin Laschet*: Auch wenn Söder zu Beginn seiner Rede beim offiziellen Wahlkampfauftakt der CSU* im umfunktionierten Hans-Bayer-Stadion des Fußball-Amateurklubs SV Lohhof bildmalerisch von „Gleichstand“ und der „heißen Phase“ des Spiels sprach, wirkt die Union derzeit weit vom Siegtreffer entfernt. Laschet hatte ihn im Wahlkampf früh auf dem Fuß. Und verschossen.

CSU-Wahlkampfauftakt: Söder spart in Rede den Namen Laschet aus, wo es geht

Um 19.06 Uhr war es dann es soweit: Mehr als eine Stunde nach dem Auftakt des CSU-Bundestagswahlkampf fiel im Stadion von Unterschleißheim erstmals der Name Armin Laschet. „Wer einen pragmatischen Kanzler will, kann nicht an Olaf Scholz* denken“, sagte CSU-Chef Markus Söder*. Er wolle lieber einen Pragmatiker wie Laschet, der wisse, wo den Menschen der Schuh drücke.

In seiner rund 47-minütigen Rede erwähnte Söder den Unions-Kanzlerkandidaten am Ende exakt fünf Mal. Einmal, um über das besondere Verhältnis der beiden Parteichefs zu berichten; ein anders Mal, weil die Union mit Laschet an der Regierung bleibe. Erst fast am Ende seiner Rede wird er leidenschaftlicher: „Nur mit vielen Stimmen aus dem Süden kann Armin Laschet Kanzler werden“, ruft Söder.

CSU-Wahlkampf: Söder hat mit dem Kanzleramt abgeschlossen – für immer

Auch wenn sich Markus Söder beim CSU-Wahlkampfauftakt versöhnlich und loyal gibt, der heftige Machtkampf um die Kanzlerkandidatur hallt nach – auch außerhalb Bayerns. „Mit Söder an der Spitze hätten wir die Probleme jetzt nicht“, sagen viele Christsoziale. Denn anders als im Stadion in Unterschleißheim ist Laschets Name in diesen Tagen in der CSU omnipräsent. Fast immer, wenn in der Partei nach Erklärungen für die desaströse Lage von CDU und CSU im Umfragen gefragt wird, hört man seinen Namen. Nicht wenige Unionswähler und -mitglieder hätten lieber Markus Söder an Laschets Stelle gesehen.

Den Diskussionen um die Kanzlerkandidatur der Union schob Söder heute einen Riegel vor. Der CSU-Chef Markus Söder wies alle weiteren Ambitionen auf eine Kanzlerkandidatur von sich – für dieses Jahr* wie für die Wahl in vier Jahren. „Ich habe einmal ein Angebot gemacht, ein zweites Mal bringt überhaupt nix“, sagte der bayerische Ministerpräsident am Dienstag dem Sender münchen.tv. Er konzentriere sich jetzt voll und ganz auf Bayern.

K-Frage in der Union: Markus Söder, Armin Laschet und ein „Hirngespinst“

Söder wies erneut den Vorwurf zurück, Laschet durch gezielte Sticheleien bewusst schwächen zu wollen. „Ich will, dass wir als CSU erfolgreich sind und Armin Laschet zum Kanzler machen können.“ Sobald er auch nur einen „Hauch“ von eigenständigen CSU-Positionen äußere, werde er zum Kritiker gemacht. Die jüngste Debatte um einen Wechsel des Unionskanzlerkandidaten sei nur ein Hirngespinst.

Unionskanzlerkandidat Laschet komme zudem in der öffentlichen Debatte zu Unrecht sehr schlecht weg. „Ich glaube, dass er deutlich unterbewertet wird“, sagte Söder dem Sender. „Diese ganzen kleinen Dinge“, die jetzt in der Debatte eine Rolle spielten, würden seine Qualitäten in den Hintergrund drängen, die er auch als Regierungschef in Nordrhein-Westfalen schon unter Beweis gestellt habe. „Er ist schon ein sehr, sehr guter Politiker.“ (jo/dpa) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © IMAGO / Sven Simon

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