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Perlt Kritik spurlos an ihm ab? Fotos zeigen veränderten Markus Söder

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Von: Patrick Mayer

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CSU-Chef Markus Söder gerät in der Union immer mehr unter Druck. Bei einem Termin in München sieht der bayerische Ministerpräsident recht müde aus - und markant verändert.

München - Der Termin von Markus Söder an diesem Montag (18. Oktober) war vergleichsweise entspannt. Gemeinsam mit Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) und Vertretern des Bundes Naturschutz Bayern pflanzte der Ministerpräsident vor der Bayerischen Staatskanzlei in München einen Kirschbaum.

Aber: Fotos zeigten einen müden CSU-Chef, samt Dreitagebart, was man so vom 54-jährigen Franken nicht kennt. Ansonsten war er stets top-rasiert, selbst während der Lockdowns der Coronavirus-Pandemie. Als Söder diesmal im Freien über den Naturschutz referierte, fuhr er sich mit der Hand sogleich das eine oder andere Mal über die leicht grau melierten Stoppel. Unter den Augen hatte er markante Tränensäcke. Schlecht geschlafen? Erkältet? Erschöpft? Diese Frage blieb an diesem Montag unbeantwortet.

Dreitagebart und müder Blick: CSU-Boss Markus Söder.
Dreitagebart und müder Blick: CSU-Boss Markus Söder. © IMAGO / Sven Simon

Markus Söder von der CSU: Der bayerische Ministerpräsident wirkt müde

Bekannt ist: Zeit für den Termin an der Staatskanzlei zwischen Englischem Garten und Odeonsplatz hatte der CSU-Politiker, weil die Union nicht an den Koalitionsverhandlungen in Berlin teilnimmt. Bei diesen sondieren SPD, FDP und Grüne aktuell ein mögliches Ampel-Bündnis im Bund. Dass FDP-Chef Christian Lindner zeitgleich erklärte, dass seine Partei von den Sozialdemokraten und den Grünen inhaltlich weit entfernt sei, dürfte in München ebenfalls nicht für Jubelstürme sorgen.

Das Jahr 2021 markiert einen Tiefpunkt unserer Zusammenarbeit.

Friedrich Merz (CDU) über Markus Söder (CSU)

Schließlich kommen CDU/CSU und FDP in der Regel politisch besser miteinander klar. Aktuell kommt mancher in der Union aber offensichtlich nicht mit der außerordentlich selbstbewussten Art Söders klar. Manche bringen intern offenbar das schlechte Abschneiden bei der Bundestagswahl 2021 auch mit seinen Sticheleien in Verbindung. Allen voran CDU-Spitzenpolitiker Friedrich Merz, der kurzzeitig Teil des ebenfalls gescheiterten Zukunftsteams von Kanzlerkandidat Armin Laschet war.

Markus Söder von der CSU: Scharfe Kritik durch die CDU und Junge Union

„Das Jahr 2021 markiert einen Tiefpunkt unserer Zusammenarbeit und unseres Umgangs miteinander“, schrieb Merz jüngst in seinem Newsletter. Die Schwesterparteien müssten nicht „von jeder Entscheidung restlos überzeugt sein“, meinte Merz, aber der Umgang miteinander rund um die Bundestagswahl sei „stillos, respektlos und streckenweise rüpelhaft“ gewesen.

„Wir tragen eine Verantwortung, die über unsere Parteien und über einzelne Personen und deren persönliche Machtinteressen hinausreicht“, erklärte der ehemalige Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion weiter.

Damit nicht genug: „Es ist ein großer Wert, dass wir einen starken Ministerpräsidenten haben“, sagte CSU-Vize Manfred Weber kürzlich der Süddeutschen Zeitung: „Aber wenn ich sage, dass er die Nummer eins ist, dann gehört dazu auch, dass Markus Söder die meiste Verantwortung trägt. Nicht nur für die Entscheidungen, auch für die Wahlergebnisse der Partei. Und daraus müssen wir jetzt gemeinsam die richtigen Schlüsse ziehen.“

Markus Söder von der CSU: Schlechtestes Ergebnis bei der Bundestagswahl seit 1949

Zur Einordnung: Die CSU hatte bei der jüngsten Bundestagswahl in Bayern mit 31,7 Prozent das schlechteste Ergebnis seit 1949 und damit das zweitschlechteste Ergebnis ihrer Geschichte in der Bundesrepublik eingefahren. Bei der Landesversammlung der Jungen Union (JU) Bayerns am Samstag, 9. Oktober, im niederbayerischen Deggendorf wurde Söder für eine „One-Man-Show“ kritisiert. Aus einem prominenten Antrag wurde sogar sein Name gestrichen. Und: Bei ihrem sogenannten Deutschlandtag (Bundesversammlung) in Münster sprach die JU eine Woche später von einer „offenen oder verdeckten Demontage aus den Führungskreisen des Kandidaten - insbesondere auch aus München“. Diese habe eine „positive Imagebildung“ Laschets unmöglich gemacht.

Zur Erinnerung: Im Frühjahr hatte sich Söder einen wochenlangen Machtkampf um die Unionskanzlerkandidatur mit dem 60-jährigen Aachener geliefert. Wenige Tage vor der Bundestagswahl brachten Söder und sein Generalsekretär Markus Blume dann eine mögliche Wahlniederlage ins Spiel. Jetzt, da die Wahl verloren ist, bekommt auch Söder seine Kritik ab. Und das ordentlich. An jenem nasskalten und nebeligen 18. Oktober in München sah man ihm die Strapazen der vergangenen Monate sichtlich an. (pm)

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