Auf Söders Spuren in die CSU-Kantine: Markus Blume vor einem Pressestatement
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Auf Söders Spuren in die CSU-Kantine: Markus Blume vor einem Pressestatement im Sommer 2020.

„Wenn sich Toni Hofreiter die Haare schneidet... “

Blumes Antwort zu Söders Kanzlerplan lässt aufhorchen - CSU-General lobt „urkonservative Frauenquote“

  • Florian Naumann
    vonFlorian Naumann
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Markus Blume verteidigt in einem Interview Markus Söders Kurs auf bemerkenswerte Weise. Auch eine Äußerung zur Kanzlerfrage lässt Interpretationsspielraum.

München/Zürich - Die CSU hat unter ihrem Chef Markus Söder eine spürbare Wandlung durchlaufen. Das betont auch Söder selbst gerne einmal. Markus Blume, als Generalsekretär eigentlich zuständig für die Abteilung Attacke, hat nun in einem Interview einige besonders überraschende Wendungen nicht nur verteidigt - sondern auch als „urkonservativ“ gelobt.

Söders CSU und die Frauenquote: Blume findet‘s auf einmal „urkonservativ“

In einem Gespräch mit der Neuen Zürcher Zeitung stellte sich Blume unter anderem hinter die Unterstützung der CSU für eine Frauenquote in Firmenvorständen. Manche Fragen seien im 21. Jahrhundert „keine Fragen mehr von konservativ oder liberal, sondern von selbstverständlich“, erklärte der CSU-General. „Die Gleichberechtigung von Mann und Frau ist eine urkonservative Position, genauso wie übrigens die Bewahrung der Schöpfung.“

Teile der CDU sehen das allerdings durchaus anders: Der Wirtschaftsflügel der Unionsfraktion im Bundestag etwa möchte die Regel verhindern. Eine Arbeitsgruppe der GroKo hatte sich am Freitag auf einen Kompromiss geeinigt - künftig müssen Vorstände in börsennotierten und paritätisch mitbestimmten Unternehmen mit mehr als drei Mitgliedern mindestens eine Frau bestellen. Die SPD beklagte, von CDU und CSU sei bei dem Thema lange gebremst worden. Söder hatte sich Mitte November für die Quote ausgesprochen - und dafür Zuspruch von ungewohnter Seite erhalten.

CSU-Generalsekretär attackiert Grüne - und spottet über Hofreiter: „Verpackungskünstler der Nation“

Wenige Fragen später attackierte Blume die Grünen als „Verpackungskünstler der Nation“. „Ich warte jeden Tag darauf, dass sich Anton Hofreiter die Haare schneidet, dann wäre die bürgerliche Fassade perfekt“, scherzte er. Als Beispiel nannte er ein Streitthema des zurückliegenden Parteitags der Grünen. „Da heißt es plötzlich nicht mehr bedingungsloses Grundeinkommen, sondern Garantiesicherung.“

Allerdings räumte Söders General auch ein, man nehme die Grünen in der Münchner CSU-Zentrale „natürlich ernst“. „Sie sind unser zentraler Wettbewerber, keine Frage, vor allem in den Städten. Das heißt aber nicht, dass wir ihnen nachfolgen“, sagte Blume dem konservativen Schweizer Blatt. Man wolle Deutschland zeigen, dass ökologische Erneuerung auch ohne die Öko-Partei funktioniere - und zwar besser, weil „wir nicht gleichzeitig die Axt an unseren Wohlstand und Millionen Arbeitsplätze legen“. Um genau die geht es allerdings auch in einem aktuellen Corona-Streit der Konservativen.

Kanzler Söder? Blume weicht aus - und gibt dann doch vieldeutige Antwort

Bemerkenswert fiel auch Blumes Antwort auf die Frage aus, ob Markus Söder auf einen schwachen CDU-Parteichef hoffe - und in der Folge auf einen Ruf nach Berlin bei schlechten Umfragewerten der Union im Frühjahr. „Bei der Frage, wer das Rennen machen soll, halten wir uns zurück“, beschied Blume zunächst. Und fügte hinzu, die Kanzlerkandidatur werde gemeinschaftlich entschieden: „Da gibt es auch keinen Zeitdruck, März oder April reichen völlig aus.“ (fn)

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