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Söder versucht Charme-Offensive in Oberbayern - und warnt vor „zu vielen Windrädern“

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Von: Christian Deutschländer

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Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder hieß auf Instagram die Teilnehmer des G7-Gipfels willkommen.
Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder. © Peter Kneffel/dpa

Die Stimmung gegenüber Markus Söder ist eher schlecht. Der CSU-Chef ist deshalb aktuell viel in Oberbayern unterwegs. Nun warnt er vor „zu vielen Windrädern“.

Ingolstadt – Markus Söder ist zurzeit viel in Oberbayern unterwegs. Ihm ist nichts zu groß, nichts zu klein. Er empfing den US-Präsidenten am Flughafen, besuchte den G7-Grillabend in Elmau. Er inspizierte halbleere Gasspeicher in Oberpframmern, streichelte Kühe auf einem Hof in Grub, fuhr in ein Kinderhaus in Dorfen. Und redete beim Feuerwehrfest in Taching, Gemeindeteil Tengling.

Die (unvollständige) Terminauswahl der letzten Tage zeigt: Der Ministerpräsident und CSU-Chef betreibt eine Charme-Offensive nicht nur, aber besonders in Oberbayern. Im einstigen Kernland der CSU sind Verunsicherung und Groll aus den Corona-Jahren stärker als in allen anderen Landesteilen, vor allem südlich von München. Mit Blick auf die Landtagswahl in 14 Monaten weiß Söder: Er gewinnt oder verliert in diesem Regierungsbezirk, wo die meisten Wähler leben.

Schlechte Stimmung gegenüber Söder bei Bezirksparteitag

Am Wochenende folgt der nächste Zwischenschritt: Die CSU Oberbayern trifft sich zum Bezirksparteitag, Söder ist Hauptredner. Eigentlich ist der Samstag im Ingolstädter Stadttheater unspektakulär, keine Neuwahlen, kaum Zoff. Es geht um Atmosphärisches: Söder will um den größten Verband werben, Irritationen ausräumen. Zuletzt hatte CSU-Chef Söder unterdessen der Ampel Planlosigkeit und Geldverschwendung vorgeworfen - und erklärt, was seiner Meinung nach helfen würde.

Die Stimmung sei sehr schlecht gewesen, „gerade ihm gegenüber“, sagen mehrere führende Politiker aus Oberbayern. Stichworte: Umgang mit Laschet, je nach Sichtweise zu harte oder zu schnell gelockerte Corona-Regeln, Ergrünung. All das in einem Regierungsbezirk, der schon lange nicht mehr tiefschwarz wählt – 2018 holte Söders CSU in Oberbayern nur 33,7 Prozent, ein Minus von 13,4 Punkten; München ist hier eingerechnet.

Markus Söder will sich wieder mehr um Agrar-Themen kümmern

Aber: „Es wird langsam besser“, sagen CSUler über die Stimmung Söder gegenüber. Sein Fleiß werde respektiert, die nun wieder klare Kante gegenüber den Grünen und der Kurswechsel, sich wieder mehr um Agrar-Themen zu kümmern; zuletzt auch die harten Töne in der Inntal-Transit-Debatte. Jedenfalls geben die gestiegenen Umfragen Zeit zum Durchatmen. Das dürfte ungefähr das sein, was Söder auch im direkten Bürgerkontakt erlebt. Meistens wird er freundlich aufgenommen (sieht man von zwei fliegenden Eiern auf Söder beim Feuerwehrfest Taching ab), aber selten frenetisch bejubelt.

Das nicht einfache Verhältnis zur Bezirksvorsitzenden Ilse Aigner ist derzeit entspannter. Die Zusammenarbeit habe in der letzten Zeit „gut geklappt“, sagt die Landtagspräsidentin, „wir stimmen uns bei allen wichtigen Themen eng ab“. Was bei Corona noch nicht so war.

Heikle Themen gibt es dennoch. Die Oberbayern-CSU will einen elf Seiten langen Leitantrag beschließen, in dem viel Banales bis Selbstverständliches drinsteht – aber auch die Warnung vor zu viel Windrädern. „Abstandsregeln sind im dicht besiedelten Ballungsraum, angesichts der Größe der Rotoren, im Interesse der Bevölkerung“, heißt es darin. „Oberbayern ist Sonnenland und weniger Windland.“ (cd)

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