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Alleine auf der Regierungsbank. Aber nicht lange. Ministerpräsident Markus Söder hat gestern seine neue Mannschaft ernannt.

Jünger, weiblicher und katholisch

Ein Tag zwischen Sturz und Stolz – Söder stellt neues Kabinett vor 

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Der Chef schüttelt sein Team durch. Markus Söder trennt sich von mehreren altgedienten Ministern und stellt ein jüngeres Kabinett zusammen. Die Neuen erfahren es erst in letzter Minute.

München – Wer wissen will, wie man in Würde seinen Job verliert, sollte an diesem Tag auf Marcel Huber achten. Aufrecht sitzt er zwischen seinen Parteifreunden, von denen viele vor Glück strahlen. Angeschlagen wirkt er, aber gefasst. Als der Name seines Nachfolgers vorgelesen wird, zucken seine Kiefermuskeln kurz, dann hebt er die Hände und stimmt ein in den Beifall. Eine frisch gekürte Ministerin trippelt vorbei, er steht auf, lächelt sie tapfer an und gratuliert.

Für das neue Kabinett von Minister Söder müssen einige Platz machen

An diesem Montagmittag ist Huber, 60, zum Ex-Umweltminister geworden. Ministerpräsident Markus Söder stellt sein neues Kabinett zusammen und verzichtet auf den Oberbayern. Man sah es kommen, wegen Regionalproporz und Frauenquote. Es fühlt sich dennoch hart an. „Ganz, ganz bitter für die Kollegen, die eine gute Leistung gebracht haben“, sagt Ilse Aigner, die mit Huber jahrelang im Kabinett saß.

Am Tag der Regierungsbildung liefert Söder mehrere der härtesten Entscheidungen seiner Amtszeit. Neben Huber opfert er den untadeligen Justizminister Winfried Bausback, der für seine professoralen Referate etwas gefürchtet war, aber Ruhe in die Justiz gebracht hatte. Auch die Minister Franz Pschierer (Wirtschaft) und Marion Kiechle (Kunst) müssen gehen. Sie machen Platz für drei Freie-Wähler-Minister – und für eine Verjüngung.

Lesen Sie hier: Den News-Ticker aus dem Landtag

So verjüngt Söder sein neues Kabinett

Tatsächlich stellt Söder die jüngste Regierungsmannschaft Bayerns auf, 47,6 Jahre im Schnitt. Zwei Kniffe nutzt er: Macht die 33 Jahre junge Unterfränkin Judith Gerlach aus dem Nichts zur „Digitalministerin“. Und lässt JU-Chef Hans Reichhart, 36, im Kabinett, jetzt sogar als Bauminister, obwohl der Schwabe kein Landtagsmandat bekam. Beide erfahren ihre Berufung am Vormittag ganz kurz vor einer Sitzung der CSU-Fraktion. Mit den Betroffenen erst in allerletzter Minute zu reden, ist Teil der Söder-Strategie, seine Kabinettsliste bis zum Schluss geheim zu halten. Das sei jetzt schon „relativ kurzfristig, wirklich kurzfristig, ich musste mich erst mal sortieren“, murmelt Gerlach in die ersten fünf Fernsehkameras.

Die wenigen engen Parteikollegen, deren Meinung Söder einholte, berichten von „harten Verhandlungen“, gerade um Huber. Offenbar ging Söder in letzter Minute noch Kompromisse ein. Dass Gerhard Eck im Kabinett verbleibt, ein unauffälliger Innenstaatssekretär, war wohl ein Schwenk. Aus Gründen: Eck führt die CSU Unterfranken, und Söder braucht auf dem nächsten Parteitag auch von dort Unterstützung.

Murren aus der Partei, von regionalem Groll abgesehen, bleibt vorerst aus. Der Landtag stimmt dem Kabinett ebenso brav zu; eine Formalie und einer der wenigen Fälle, wo Söder eine vorgefertigte Rede ablesen muss.

Zwischentöne gibt es trotzdem, auch in der neuen Koalition. Söder weist gar nicht mal so dezent darauf hin, dass er mit den CSU-Posten teilweise ausgleicht, dass der Koalitionspartner Freie Wähler vier seiner fünf Positionen mit Männern besetzt. Er äußert das giftige Lob, dass die Freien Wähler immerhin eine Staatssekretärin nominiert hätten – im Landtag ist da leises Hohngelächter zu hören. Insgesamt sitzen nun auf sechs der 18 Regierungspositionen Frauen. Man lerne noch dazu, sagt FW-Chef Hubert Aiwanger.

Die Opposition stimmt wie üblich gegen das Kabinett. Auffällig aber: Der Ton an diesem Tag ist mild. Für die Grünen würdigt Fraktionschef Ludwig Hartmann einzelne Projekte des Koalitionsvertrags als „Schritt in die richtige Richtung“, etwa die Rücknahme der Eingriffe in den Alpenplan. Nur dem neuen Umweltminister Thorsten Glauber gibt er einen Seitenhieb mit. Die Freien Wähler hätten bisher Themen immer dann aufgegriffen, wenn Betroffene laut gerufen hätten. „Tiere und Pflanzen, die vom Aussterben bedroht sind, rufen und schreien nicht“, warnt Hartmann.

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