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Markus Söder (CSU), Ministerpräsident von Bayern, gibt während seiner Dienstreise nach Äthiopien in die Zone "A" des Flüchtlingslagers "Nguenyyiel Refugee Camp" den Journalisten Interviews.

Auslandsreise 

Markus Söder zeigt Herz für Afrika und jettet mit Freistaat-Spende und Ex-Bayern-Star nach Äthiopien  

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Die Äthiopien-Reise des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder soll ein neues Kapitel der Afrikapolitik begründen. Zum Auftakt gibt es eine großzügige Spende vom Freistaat und bayerischen Fußball-Glanz. 

Addis Abeba – Markus Söder ist sichtlich beeindruckt, aber auch schockiert. Bei seiner ersten großen Auslandsreise als bayerischer Ministerpräsident besucht er eines der größten Flüchtlingslager Afrikas, das Camp Nguenyyiel im Südwesten Äthiopiens. An die 84 000 Menschen leben hier dicht gedrängt. So weit das Auge reicht, stehen inmitten der Savanne Lehmhütten mit Strohdächern, dazwischen wenige Steinhäuser. Auf einem Bolzplatz kicken Jugendliche mit alten Bällen, die aussehen, als seien sie selbst gemacht aus Lumpen und Klebeband. Und überall Kinder in dreckiger Kleidung. 

Markus Söder will eine neue Afrikapolitik 

Söder steht in einem völlig überfüllten Klassenzimmer, die Kinder singen laut und fröhlich. „Es ist einerseits ein beklemmendes Gefühl, wenn man diese Unterkünfte anschaut, in denen die Menschen hier leben“, sagt der Ministerpräsident anschließend. „Andererseits bleibt ein kleiner Rest Optimismus, wenn man sieht, mit welcher Lebensfreude Kinder und Jugendliche einem begegnen. Darauf müssen wir aufbauen. Wenn wir hier helfen, leisten wir zwar nur kleine Schritte. Aber kleine Schritte sind für den einzelnen von großer Bedeutung. Wir können dazu beitragen, jungen Menschen Hoffnung für eine bessere Zukunft zu geben.“ 

Markus Söder (2.v.r., CSU), Ministerpräsident von Bayern, und Giovane Elber (r), ehemaliger Fussballspieler des FC Bayern München, überreichen am ersten Tag von Söders erster großer Auslandsreise nach Äthiopien Trikots an Kinder der "German Church School".

Söder will mit dieser Reise ein neues Kapitel für die Afrikapolitik aufschlagen. „Peter Struck hat einmal gesagt: Deutschland wird am Hindukusch verteidigt. Ich glaube: Europas Schicksal wird mit in Afrika entschieden.“ Deswegen mache sich die EU, Deutschland und Bayern auf zu einer neuen Afrikapolitik. 

Äthiopien auf dem Weg zum Vorbild 

Verärgert ist der CSU-Chef über die Kritik des Grünen-Landtagsfraktionschefs Ludwig Hartmann, der seine Teilnahme an der viertägigen Äthiopienreise abgesagt hatte, weil der Fokus zu sehr auf Wirtschaftsförderung liege. „Das ist eine altmodische und rückständige Einstellung zur Entwicklungspolitik“, so Söder. „Alle Experten sind da deutlich weiter als die Grünen. Nur mit Investitionen und wirtschaftlicher Entwicklung lässt sich dauerhaft eine stabile Zivilgesellschaft aufbauen.“ Das sollte die EU unterstützen, zumal Äthiopien zum Vorbild für andere afrikanische Länder werden könnte: „Es ist eine Modellregion, in der sich ein ehemals autoritärer Staat auf den Weg zu einer modernen Demokratie begibt.“ 

Äthiopiens vor einem Jahr gewählter Ministerpräsident Abiy Ahmed ist derzeit wohl die schillerndste Persönlichkeit auf dem afrikanischen Kontinent: Er schloss Frieden mit Eritrea; der Krieg zwischen den beiden Staaten hatte Ende der 90er-Jahre rund 80 000 Todesopfer gefordert. Abiy ließ Tausende von politischen Gefangenen frei. Und er privatisierte große Staatsbetriebe. Der ostafrikanische Staat mit 100 Millionen Einwohnern weist eine der höchsten Wirtschaftswachstumsraten der Welt auf. 

Gute Flüchtlingspolitik schafft Perspektiven

Äthiopien ist aber auch eines der wichtigsten Transitländer für die Flüchtlingsströme Afrikas. „Die Mehrzahl der Menschen hier, so wurde mir vom UNHCR berichtet, will nicht nach Europa, sondern zurück in ihre Heimat“, sagt Söder nach dem Besuch bei den Flüchtlingen. Wenn den Afrikanern eine Perspektive geboten werde, sei das die beste Flüchtlingspolitik, findet Söder. 

Konkret bringt der Ministerpräsident eine Spende des Freistaats über 100 000 Euro mit, mit denen die Hilfsorganisation Plan International eine Schulbibliothek sowie 16 Klassenzimmer an vier Schulen in der Umgebung des Camps ausstatten will. 

Kinder begeistert von FC-Bayern-Trikots

Plan International betreibt in dem Lager eine Grundschule mit rund 5000 Schülern. Die Kinder in Äthiopien interessieren sich aber weit mehr für die FC-Bayern-Trikots, die Ex-Bayern-Star Giovane Elber als Teil von Söders Delegation verteilt, als für den großgewachsenen Unbekannten im beigen Anzug. „Fußball ist unser bester Botschafter in der Welt“, weiß Söder. 

Den zweiten großen Kulturbotschafter präsentiert Söder dann den Äthiopiern beim bayerischen Abend in Addis Abeba mit Blasmusik, Weißwürsten, fränkischen Rostbratwürsten und Bier.

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