Sollte der CSU-Chef Kanzler werden...

Bayerische M-Frage: Wer kommt als möglicher Söder-Erbe infrage? Zwei Namen besonders im Fokus

  • Andreas Schmid
    vonAndreas Schmid
    schließen

Wann wird die K-Frage der Union beantwortet? Sollte sich Markus Söder als Kanzlerkandidat durchsetzen, muss sich Bayern womöglich die M-Frage stellen. Wer beerbt den CSU-Chef dann als Ministerpräsident?

München - Armin Laschet oder Markus Söder? Wer führt die Union als Kanzlerkandidat in die anstehende Bundestagswahl? Die Beantwortung dieser Frage hat sich längst zum politischen Showdown entwickelt. Die Ministerpräsidenten der zwei bevölkerungsreichsten deutschen Bundesländer stehen sich in einem sich zuspitzenden Machtkampf gegenüber. Unabhängig des Ausgangs, sowie auch der Folgen dieses unionsinternen Kräftemessens, bleibt die Frage, wer einen möglichen Kanzler Laschet oder Söder als Regierungschef in Nordrhein-Westfalen beziehungsweise Bayern beerben würde. Wie sieht die Lage im Freistaat aus?

Bayern: Nächste Landtagswahl im Jahr 2023 - Söder-Frage fällt inmitten der Legislaturperiode

Auch wenn die M-Frage gewiss erst in einigen Monaten geklärt werden müsste, wird sich im bayerischen Landtag bereits mit dem möglichen Söder-Erbe beschäftigt. Gelingt es dem CSU-Chef, sich zum Bundeskanzler zu hieven, müsste für sein Amt als bayerischer Ministerpräsident sogleich eine Nachfolgerin oder ein Nachfolger gewählt werden. Weil erst im Jahr 2023 wieder eine bayerische Landtagswahl ansteht, fällt diese Entscheidung inmitten der Legislaturperiode.

Das letzte Wort liegt damit bei den Regierungsfraktionen, die sich mehrheitlich auf die Nachfolge einigen müssten. Als stärkste Fraktion im Landtag genießt die CSU hierbei das alleinige Vorschlagsrecht. Es ist zudem davon auszugehen, dass auch ein möglicher Kanzler Söder eine gewisse Mitsprache innehaben würde. Für den 54-Jährigen wäre es wichtig, einen stabilen Draht von Berlin nach München zu haben - auch um seine eigene Politik zu stärken.

Bayern: Söder-Nachfolge - Aigner und Füracker in der Pole-Position?

Die Frage, wer Bayern ab Herbst regiert, ist nicht neu. Im Grunde genommen wird seit Sommer über das Söder-Erbe diskutiert. Bis heute halten sich insbesondere zwei Namen recht hartnäckig: Ilse Aigner und Albert Füracker. Auch Innenminister Joachim Herrmann, Staatskanzleichef Florian Herrmann oder Bauministerin Kerstin Schreyer wurden immer mal wieder genannt, doch aktuell scheinen sich Aigner und Füracker als aussichtsreichste Anwärter herauszukristallisieren - auch wenn sich öffentlich keiner von beiden in Stellung bringen will.

Jetzt gehe es ganz alleine um die K-Frage und dann um die für die Union so schwierige Bundestagswahl im Herbst, argumentieren beide übereinstimmend. Ein offensives Instellungbringen wäre daher kontraproduktiv und ist auch nicht nach einer Unions-Entscheidung pro Söder zu erwarten. Denn dann ist immer noch nicht gesagt, dass der Franke auch Bundeskanzler wird. Die klare Devise lautet also: K-Frage klären, Bundestagswahl abwarten, M-Frage beantworten. Nichtsdestotrotz lohnt ein genauerer Blick auf Aigner und Füracker. Wer sind die beiden, von denen eine:r möglicherweise bald Kapitän des Freistaat-Schiffes wird?

Söder-Nachfolge: Wird Ilse Aigner die erste Ministerpräsidentin Bayerns?

Ilse Aigner ist seit 2018 Präsidentin des bayerischen Landtags und wird in dieser Rolle auch wegen ihres energischen Auftretens gegen die AfD geschätzt. Unter Horst Seehofer arbeitete die gebürtige Oberbayerin als Wirtschafts-, unter Markus Söder als Verkehrsministerin. Zudem war sie von 2013 bis 2018 stellvertretende bayerische Ministerpräsidentin, nachdem sie zuvor in Berlin als Bundeslandwirtschaftsministerin aktiv war. Außerdem ist Aigner Vorsitzende der Oberbayern-CSU, dem größten Bezirksverband, was ihr zusätzliches Gehör verschafft. Sie wurde bereits als Seehofer-Erbin als CSU-Chefin gehandelt - musste sich dann allerdings Söder geschlagen geben.

Neben ihrer politischen Erfahrung in diversen Ämtern kann Aigner auch mit Zustimmungswerten punkten. Die 56-Jährige kommt in Umfragen auf die zweitbesten Zustimmungswerte in Bayern - hinter Markus Söder und vor Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler). Dass Umfragen eine entscheidende Rolle bei der Entscheidungsfindung spielen können, wird in der K-Frage gerade eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Für die frühere Landtagspräsidentin spricht außerdem eine Ankündigung Söders, die CSU weiblicher gestalten zu wollen. Aigner wäre die erste Frau an der Regierungsspitze Bayerns. Ein Novum, dass sie sich offenbar vorstellen kann: „Nach 16 Jahren wird ins Kanzleramt wahrscheinlich wieder ein Mann einziehen. Vielleicht ist dann in der Staatskanzlei, egal ob in Düsseldorf oder in München, Platz für eine Frau.“

Die Vize und der Chef: Ilse Aigner war unter Horst Seehofer und auch teils Markus Söder stellvertretende bayerische Ministerpräsidentin. Ist sie schon bald Regierungschefin?

Söder-Erbe: Gegen den Trend - vertrauter Füracker als smarte Lösung?

Weniger populär ist Albert Füracker. Der gelernte Landwirt aus der oberpfälzischen Provinz besitzt bei weitem nicht die Strahlkraft anderer Parteikollegen, was insbesondere auch daran liegt, dass er sich selten öffentlich zu Wort meldet. Füracker ist seit 2018 Finanzminister - wie Söder bevor er zum Ministerpräsidenten gekrönt wurde. Der gebürtige Parsberger ist wie Aigner Vorsitzender eines großen CSU-Bezirksverbands, nämlich in der Oberpfalz.

Für ihn spricht nach Einschätzung von Landtagskollegen, dass er ein strategisch-politischer Kopf ist, der im zunehmend schwieriger gewordenen Finanzressort seit Jahren eine sehr gute Arbeit mache. Als Finanzminister hat der 53-Jährige naturgemäß Einblick in alle Ressorts und Fachbereiche - auch deshalb läge ein Wechsel in die Staatskanzlei nicht fern. Und hinzu kommt: Füracker gilt als enger Vertrauter Söders und wird vom CSU-Chef immer wieder für seine Arbeit gelobt.

Ein Gesicht, das vielen in Bayern noch nicht so geläufig ist - aber das kann sich ja ändern. Albert Füracker ist seit 2018 Finanzminister im Söder-Kabinett-

Bayern: M-Frage bleibt aufgeschoben - Söder hat seine Zukunft in der Hand

Nichtsdestotrotz scheint Ilse Aigner die etwas größeren Ambitionen zu haben - und wohl auch die aussichtsreicheren Chancen. Entschieden ist in diesen Tagen der personellen Debattenkultur freilich noch nichts. Die mögliche Beantwortung der M-Frage ist eng an den Ausgang des Kanzlerkandidatenduells gekoppelt. Sollte Markus Söder die Union in die Bundestagswahl führen, dann allerdings verlieren, ist es übrigens nicht ausgeschlossen, dass er dem Freistaat erhalten bleibt.

Auch Edmund Stoiber, der 2002 gegen den späteren Kanzler Gerhard Schröder (SPD) verloren hatte, kehrte nach der Bundestagswahl nach Bayern zurück. Und das am Ende doch relativ unbeschadet. Bei der Landtagswahl 2003 holten er und die CSU die absolute Mehrheit sowie das nach Sitzverteilung beste Ergebnis, das je bei einer Landtagswahl in der Bundesrepublik erzielt wurde. Söder würde nach einer möglichen bundesweiten Wahlniederlage wohl ebenfalls in München bleiben. Denn „mein Platz ist in Bayern“, wie der CSU-Chef gebetsmühlenartig betont. Wer im Herbst auf dem Chefsessel der Staatskanzlei Platz nimmt, bleibt dennoch offen. (as)

Rubriklistenbild: © Sammy Minkoff/imago-images

Auch interessant

Kommentare