Markus Söder
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Markus Söder (l.) im Stammtisch-Gespräch

Landtagswahl in Bayern

Herr Söder, kriegen Sie die AfD klein?

  • Marc Kniepkamp
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    Klaus Rimpel
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Die tz besucht mit den Spitzenkandidaten der aktuell im Landtag vertretenen Parteien Stammtische - den Anfang macht Markus Söder von der CSU.

München - Politiker und Journalisten sind mit ihren Fragen und Antworten ein eingespieltes Team. Die tz dachte sich deshalb: Lassen wir mal normale Leut’ mit unseren Kandidaten für die Landtagswahl diskutieren! Und wo trifft man in Bayern die Leit, die über Gott und die Welt reden? Am Stammtisch! Deshalb besucht die tz* mit den Spitzen­kandidaten der jetzt im Landtag vertretenen Parteien CSU, SPD, Grüne und Freie Wähler diese ganz besonderen Orte der bayerischen Wirtshauskultur. 

Der Stammtisch „Die zwölf Apostel“ trifft sich seit rund zehn Jahren im Steirer am Viktualienmarkt – aber während der Wiesn ziehen die Apostel und ihre Anwärter (denn mehr als zwölf dürfen‘s eigentlich nicht sein) um ins kleine Festzelt Zur Bratwurst. CSU-Wahlkämpfer Markus Söder fühlt sich sichtlich wohl in dieser Atmosphäre und nimmt sich erst mal ein paar Bratwürste. Die Stammtisch-Brüder haben sich aber schon heiß geredet – und so kommt der Ministerpräsident kaum zum Essen, weil schon die ersten am Tisch loslegen:

Charly Reichenwallner, Ex-Kampfpilot: Die Landtagswahl wird eine Richtungswahl mit Auswirkungen auf den Bund. Kriegen Sie die AfD klein?

Markus Söder: Ja, indem wir uns mehr um die normalen Leut kümmern in der Politik. Was man bei aktuellen Umfragen oft vergisst: Seit vielen Jahren haben sich Bürger aus Frust aus der Politik verabschiedet und sind gar nicht mehr zur Wahl gegangen. Diese Nichtwähler kommen jetzt zurück – und überraschen uns mit ihrer Wahlentscheidung. Aber es ist nicht nur ein deutsches Phänomen, bitte nicht unterschätzen! Das geht durch ganz Europa, und die werden auch finanziell vom Ausland gespeist. Da gibt es internationale Verflechtungen und Gelder aus Quellen, die unklar sind.

Werner Wolf (77), Reitgestüt-Besitzer: Sie schimpfen immer auf die AfD – aber da sind doch auch Leute, die waren früher bei der CDU oder der CSU! Warum kann man die nicht zurückgewinnen?

Ein Prosit auf die Stammtisch-Streitkultur!

Söder: Am Anfang gab es bei denen welche, die nur aus Verärgerung über die aktuelle Politik dabei waren. Aber die AfD-Funktionäre von heute sind ganz weit Rechtsaußen. Bernd Höcke ist Ihre neue Führungsfigur. Wir müssen uns von solchen Leuten klar abgrenzen.

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Reichenwallner: Die AfD ist ein Merkel-Phänomen. Mit ihrer Flüchtlings-Entscheidung hat sie die AfD großgemacht!

Wolf: Moment! Das war schon auch der Fehler vom Seehofer, nicht hart geblieben zu sein!

Fredy Heiß (77), Meisterlöwe: Der Streit im Sommer über den Masterplan und den Schutz der Außengrenzen war schon dazu gedacht, der AfD Stimmen abzujagen, oder? Ward Ihr überrascht, dass das Gegenteil eingetreten ist?

Söder: Dass die EU-Außengrenzen stärker kontrolliert werden sollen, geht sehr stark auf Bayern zurück. Das hätten wir von Anfang an besser herausstellen müssen.

Günther Abt (51), Käsemeister: Wo will denn die FDP hin?

Söder: Die ist im Niemandsland. Ich mag Christian Lindner, aber er hat sich verzockt. Politiker werden gewählt, um Verantwortung zu übernehmen. Er hat es sich nicht zugetraut. Das ist wie ein Fußballer, der aus Angst lieber ein Spiel verliert anstatt einen Elfmeter schießen zu müssen. Das braucht es nicht in Bayern!

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Alexander Hesse (78), Wacker-Chemie: Ich darf Du zu Dir sagen, Markus, weil ich bin auch ein Filser-Bua. Die Unternehmen suchen so viele Leute – warum dürfen die Flüchtlinge da nicht schneller arbeiten?

Die „Apostel“ verteilten sich auf zwei Tische - nach einer halben Stunde wechselte Söder deshalb seinen Platz

Söder: Wir sind uns einig: Wer arbeitet, soll eine Perspektive haben, und wer randaliert, soll das Land verlassen. Andere in Deutschland streiten darüber, wir in Bayern machen etwas.

Hesse: Aber vorher weiß ich doch nicht, wer randalieren wird und wer fleißig ist!

Söder: Man sieht ja, ob sich jemand einbringt und sich um eine Lehrstelle bewirbt. Wir haben viele Unternehmen, die uns sagen: Der macht einen guten Job, den wollen wir behalten.

Reichenwallner: Und warum ist es so schwer, Kriminelle wieder los zu werden?

Söder: Wir in Bayern nutzen die Möglichkeit , selbstständig Straftäter abzuschieben – mit eigenen Flugzeugen. Dadurch wird sich die Zahl der Abschiebungen erhöhen. Im ersten Halbjahr 2018 hatten wir eine Zuwanderung von 15 000 Menschen – und 10 000 haben in diesem Zeitraum das Land wieder verlassen.

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Hesse: Wie stehen Sie zum Problem der Wohnungsnot?

Söder: Das hat man in der Landeshauptstadt München zu lang verschlafen. Jetzt müssen wir bauen, bauen, bauen. Der Staat muss selber bauen und die Kommunen bekommen von uns noch viel mehr Geld, damit auch sie noch mehr bauen können. Und wir ändern die steuerlichen Anreize, damit Geld nicht nur in die Börsen fließt, sondern besser in Bau-Investitionen.

Hesse: Aber was machen wir für den Übergang, bis endlich mehr Wohnungen da sind?

Söder: Wir müssen den Mietern, die jetzt ein Problem haben, helfen. Dafür haben wir die Sozialbindung um 15 Jahre verlängert. Das heißt: Es gibt eine Übergangszeit, in der die Mieter geschützt sind. Wir wollen zudem das Wohngeld so stärken, dass es auch für mehr Menschen greift, die sich eine Wohnung in München kaum mehr leisten können. Das größte Problem sind aber die langen Genehmigungsverfahren. Insgesamt geben wir in Bayern fast eine Milliarde für den Wohnungsbau aus! Wir werden das hinbekommen.

Wolf: Und was machen wir mit‘m Verkehr?

Söder: Ich bin gegen Fahrverbote…

Wolf: … sind wir alle!

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Söder: Der öffentliche Nahverkehr muss billiger werden – wenn man bis zu elf Euro pro Tag fürs Ticket zahlen muss ist es schon was anderes als ein Euro. Neben dem Ein-Euro-Ticket brauchen wir neue Linien und auf den vorhandenen Linien mehr Fahrzeuge.

Hesse: Fahrt‘s ihr mit der Bahn?

Joschi Lamm (76), Ex-Gastronom von der Wiener Rutsch‘n am Sendlinger Tor: Freilich, ich bin Bahn-Fan!

Söder: Eine Stunde von Nürnberg nach München – super! Mit dem Auto brauche ich Montag früh zweieinhalb Stunden.

Reichenwallner: Jetzt kommt die Mutter aller Fragen: Mit wem wollen Sie künftig regieren? Die Lieblings-Kandidaten in der Reihenfolge, bitte!

Söder: Am liebsten mit der CSU! Ich lege mich nicht fest, aber die Grünen haben ein Programm beschlossen, das in die falsche Richtung geht: Fahrverbote, Tempolimit, Drogenfreigabe, Polizeiaufgabengesetz rückgängig machen… Das ist alles denkbar weit entfernt von uns. Daher kann ich mir das nur schwer vorstellen.

Hesse: Waren Sie jetzt schon öfter auf der Wiesn?

Söder: Ja klar. Schon beim Anstich. OB Reiter war nervöser als ich dachte! Ansich ist es nicht so schwer: Im Hofbräuzelt habe ich ja schon oft angezapft. Wenn man gut anzapft, interessiert es keinen. Aber wehe, es geht schief und spritzt… Hofbräu ist ja vor allem im Ausland stark. Ich hab‘ schon bei 45 Grad in Las Vegas Bier angezapft. Bayern findet halt jeder super!

Heiß: Warum hat die CSU es verpasst, bundesweit anzutreten?

Söder: Das bringt nichts. Wir bleiben in Bayern.

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+++

Als Söder nach einer Stunde angeregter Diskussion zum nächsten Termin weiter muss, verabschiedet er sich mit den Worten: „Passen Sie auf, dass die Stammtische nicht verrutschen!“

Aufgezeichnet von Marc Kniepkamp und Klaus Rimpel

*tz.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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