+
Neuer Anlauf: Horst Seehofer (l.) und Markus Söder reden wieder.

Vertrauliches Treffen am Freitag

Schulterschluss beim Eisbecher: So wollen Seehofer und Söder die CSU wieder auf Kurs bringen

  • schließen
  • Mike Schier
    Mike Schier
    schließen

Bei einem vertraulichen Treffen geloben Horst Seehofer und Markus Söder ein besseres Teamwork. Beide wollen nun mehr Einigkeit zeigen und ein gemeinsamer Auftritt ist geplant.

München – Die sehr frostige Freundschaft wurde zu später Stunde sogar mit einem Eisbecher besiegelt. Zweieinhalb Stunden haben Markus Söder und Horst Seehofer weitgehend einträchtig, jedenfalls ohne lautstarken Streit, an einem Tisch verbracht. Der Ministerpräsident und der Parteivorsitzende, einander seit ewig eher in Eiseskälte als in Herzenswärme verbunden, wollen einen neuen Anlauf starten, die nächsten Wochen besser zusammenzuarbeiten.

Nach Informationen unserer Zeitung haben sich Söder und Seehofer am Freitagabend in einer vertraulichen Sechser-Runde mit Alexander Dobrindt (Bundestag), Thomas Kreuzer (Landtag), Markus Blume und Daniela Ludwig (Generalsekretäre) getroffen, um einen Weg aus dem verheerenden Umfragetief zu suchen. Man habe in „recht gespannter Stimmung“ begonnen, aber einen konstruktiven Abend verbracht, berichten Teilnehmer.

„Der Horst war da sehr konstruktiv“

Die Differenzen Söder/Seehofer waren seit Tagen lauter geworden. Söder betonte, er sehe die Schuld für das 38-Prozent-Tief in der Bundespolitik. Seehofer konterte kühl mit der extrem ambitionierten Zielvorgabe für seinen Nachfolger, die absolute Mehrheit sei noch erreichbar. Das Treffen in der Parteizentrale sollte den bisher über Interviews geführten Streit zumindest etwas entschärfen – für Söder und Seehofer, zwischen denen mitunter wochenlang Funkstille herrschte, ist eine so lange persönliche Aussprache selten. Beide wollen nun mehr Einigkeit zeigen. Seehofer bot einen gemeinsam unterzeichneten Brief an die Basis an sowie Doppelauftritte. Der erste soll noch vor dem nächsten Parteitag (Mitte September, München) stattfinden. „Der Horst war da sehr konstruktiv“, heißt es in der Runde.

Plakataktion gegen Demo fanden nicht alle glücklich

Intern sieht man die 38-Prozent-Umfrage zwar schlechter als den tatsächlichen Wert. Dennoch beschrieb Söder die Lage als sehr schwierig, berichtete von Gesprächen an der verunsicherten Basis. Auch Vorstandsmitglieder hatten im Vorfeld der Anti-CSU-Demonstration am Sonntag registriert, wie nervös die Partei auf die Proteste reagierte. Die Plakataktion gegen die Demo fanden nicht alle glücklich.

Beim Treffen am Freitag merkte Seehofer an, schwierig sei die Lage für die CSU schon oft gewesen. In Wahrheit stehe das Land glänzend da, man müsse bei Strategie und Kampagne nachjustieren. Er schilderte in der Runde erneut, dass er eine Kampagne gegen die CSU sehe, und beklagte sich, sein Satz über die 69 abgeschobenen Afghanen werde seit Tagen vorsätzlich aus dem Zusammenhang gerissen und instrumentalisiert. Konsens: Söder soll in den nächsten Wochen verstärkt versuchen, Fragen der Landespolitik in den Vordergrund zu stellen, und sich aus der Bundes-Asyl-Debatte fernhalten.

Lesen Sie auch: Seehofer stellt Verfassungschutzbericht vor - Zahl islamistischer Gefährder erschreckend hoch

Passend dazu veröffentlicht die CSU in diesen Tagen das 37-seitige „Regierungsprogramm“. Bunt, mit vielen Bildern. Es basiert auf Söders im Landtag vorgestellten Konzepten, verdichtet auf zehn Leitfragen. Im September will Söder in einer Regierungserklärung im Landtag seine weiteren Pläne präsentieren.

Lesen Sie auch: CSU-Politiker über “Ausgehetzt“-Demo: „Übelste Hetze ohne jeglichen Anstand“ - Demonstranten droht Nachspiel

Lesen Sie auch: Nach Özil-Rücktritt: Zentral der Muslime fordert Grindels Aus

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Machtwechsel an der CSU-Spitze: Sanfte Töne aus kratziger Kehle
Machtwechsel in der CSU: Markus Söder übernimmt den Vorsitz von Horst Seehofer. Er verspricht, was man mit ihm bisher selten verband.
Machtwechsel an der CSU-Spitze: Sanfte Töne aus kratziger Kehle
Kommentar zum Ende Horst Seehofers als CSU-Chef: Abschied vom Untoten
Für Horst Seehofer steht der Abschied als Chef der CSU an. Die unverhohlene Erleichterung, die darüber vorherrscht, wird Seehofers Leistung nicht gerecht, meint Mike …
Kommentar zum Ende Horst Seehofers als CSU-Chef: Abschied vom Untoten
Trump will sich Ende Februar mit Kim Jong Un treffen
Der US-Präsident will erneut mit dem nordkoreanischen Machthaber zusammenkommen. Wo der Gipfel Ende Februar steigen soll, war zunächst nicht bekannt. In die zuletzt eher …
Trump will sich Ende Februar mit Kim Jong Un treffen
Schwere Vorwürfe gegen Trump: US-Präsident hat IS neu belebt
Schwerwiegende Vorwürfe gegen US-Präsident Trump: Laut einem „Buzzfeed“-Bericht brachte er seinen Ex-Anwalt Michael Cohen zum Lügen - vor dem Kongress. Jetzt wird sogar …
Schwere Vorwürfe gegen Trump: US-Präsident hat IS neu belebt

Kommentare