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Ministerpräsident Söder will einen Gipfel über Werte, Kultur und Identität. Auch das Kreuz soll Thema sein. 

Kruzifix-Streit hält Freistaat in Atem

Söder und Kirchen liegen über Kreuz: Versöhnungsversuch stößt auf wenig Gegenliebe

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Die CSU und die großen christlichen Kirchen: Das war einmal ein harmonisches Verhältnis. Seit der Flüchtlingsdebatte hängt der Haussegen schief.

München – Der Heilige Geist scheint drei Tage vor dem Pfingstfest in anderen Regionen der Welt im Einsatz zu sein. In Bayern regnet es zwar in Strömen, doch das sind keine himmlischen Eingebungen, sondern nur ordinäre Frühsommer-Schauer. Dabei wäre ein kluger Geist derzeit wünschenswert im Freistaat, um im gestörten Verhältnis zwischen den christlichen Kirchen und der CSU-Staatsregierung zu vermitteln.

Seit dem Kabinettsbeschluss von Ministerpräsident Markus Söder vom 24. April, in allen Behörden im Eingangsbereich Kreuze aufhängen zu lassen, gibt es heftige atmosphärische Störungen. Jetzt will Söder mit einem Runden Tisch für Versöhnung sorgen. Eigentlich eine gute Idee, nachdem Politiker und Kirchenvertreter mit- und untereinander über Kreuz liegen. Doch die Eingebung des evangelischen CSU-Politikers stößt bei den christlichen Kirchen gelinde gesagt auf Zurückhaltung. Der Grund: Wieder einmal prescht Söder vor, stellt die Kirchen vor vollendete Tatsachen. Der Friedensgipfel ist in keiner Weise mit ihnen abgesprochen. „Wir wissen davon nur aus den Medien. Solange keine offizielle Einladung vorliegt, äußern wir uns nicht dazu“, sagte Michael Mädler, der Sprecher des Evangelisch-Lutherischen Landeskirchenamtes.

Söder: „Gesprächsangebot an Kritiker“

Um 5.15 Uhr hatte gestern Morgen die Deutsche Presseagentur (dpa) verbreitet, dass Söder einen Runden Tisch zu Werten, Kultur und Identität plant. Eingeladen werden, so der Ministerpräsident, Vertreter der beiden großen Kirchen, aber auch Vertreter anderer Religionsgemeinschaften, aus der Wissenschaft, von Brauchtum und Kultur. „Ausdrücklich soll es ein Gesprächsangebot an Kritiker sein“, so Söder.

Einer der schärfsten Kritiker am Kreuz-Erlass ist der Münchner Kardinal Reinhard Marx. Er hatte in einem ersten Affekt Söder vorgeworfen, mit dem Beschluss „Spaltung, Unruhe, Gegeneinander“ ausgelöst zu haben. Zwar hat der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz seither mehrfach versöhnliche Signale gesendet und betont, dass er alle Initiativen für Kreuze im öffentlichen Raum begrüße. Doch die Kritik, dass der Ministerpräsident das wichtigste Symbol der Christen für Wahlkampfzwecke benutzt, bleibt.

Verstimmung im Erzbistum

Eine Woche nach dem „Friedens“-Katholikentag in Münster herrscht im Münchner Erzbistum eher Verstimmung. Marx selbst will sich nicht äußern. Pressesprecher Bernhard Kellner ringt sich ein „Es ist gut, wenn man ins Gespräch kommt“ ab, und schiebt vielsagend hinterher: „am besten immer so früh wie möglich“. Der Kardinal habe ja schon gesagt, dass die katholische Kirche Gespräche wünsche. Nun bleibe abzuwarten, wer in der Runde dabei sein werde.

Offiziell gibt es natürlich keine Kritik an Söders Vorgehen, an den potenziellen Gesprächspartnern vorbei öffentlich zum Gipfel zu laden. Ein katholischer Kircheninsider befürchtet aber, dass die Aussichten auf eine erfolgreiche Aussöhnung durch die nicht gerade stilvolle „Einladung“ nicht die besten sind. Er sieht Söder getrieben durch die Umfragewerte der AfD, die gleichbleibend stabil bei 13 Prozent sind. Aus der evangelischen Kirche hört man Stimmen, die den Fauxpas auf das rasante Tempo zurückführen, dass der Ministerpräsident im Wahlkampf an den Tag lege.

Lesen Sie auch: Kruzifix-Streit: CSU-Querdenker Gauweiler lobt Söder

Kirchenbilder prallen aufeinander

Die Dissonanzen zwischen Söder und der katholischen Kirche währen schon länger. Unvergessen seine Aussage als Finanzminister aus dem November 2015, die Kirchen sollten Unterkünfte für Flüchtlinge kostenlos zur Verfügung zu stellen. „Barmherzigkeit braucht keine Miete“, hatte er süffisant erklärt. Immer wieder hat er den Kirchen geraten, sich aus der Politik herauszuhalten: „Der Staat soll sich um seine Angelegenheiten kümmern, die Kirche um ihre.“ Da prallen völlig unterschiedliche Kirchenbilder aufeinander.

Doch nun der Versöhnungsversuch: „Jetzt reichen wir die Hand zu einem Gespräch, bei dem man einander zuhört, um einander besser zu verstehen“, sagt Söder unserer Zeitung, „miteinander reden, nicht übereinander.“ Klar sei aber, „dass wir unsere Haltung haben“. Nach den Pfingstferien, im Juni, soll der Runde Tisch stattfinden. Als Angebot einer Diskussion über Selbstvergewisserung. „Was bringt ein Land zusammen“, will Söder erfahren. Die Kirchen können ihm dazu einiges erzählen.

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