Manfred Weber im Gespräch mit Markus Söder, CSU-Chef, beim Parteitag 2019
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Manfred Weber im Gespräch mit Markus Söder, CSU-Chef, beim Parteitag 2019

„Spitze einer breiten Mannschaft“

Verantwortung für Wahl-Desaster der Union? CSU-Vize Weber zeigt auch auf Söder

  • Cindy Boden
    VonCindy Boden
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Markus Söder möchte ein neues Miteinander zwischen CDU und CSU. Doch auch in seiner Partei soll sich etwas verändern. Zur Verantwortung äußert sich Manfred Weber.

München - Die Union versucht, die Scherben aufzukehren. Mit dem Bundestagswahl-Debakel ist vieles zerbrochen. Der „Deutschlandtag“ der Jungen Union soll eine Chance bieten, aufzuarbeiten, aber auch zu zeigen, was in der Zukunft kommen kann. CDU-Chef Armin Laschet stellte sich am Samstagvormittag dem Parteinachwuchs und nahm die Verantwortung für das Ergebnis auf sich.

Dafür zollten ihm Mitglieder Respekt. Die JU, aber beispielsweise auch CDU-Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, der im Anschluss sprach, bemerkten aber auch immer wieder, wie gut es sei, dass sich Laschet der Debatte stellt und dass er in Münster anwesend ist. Das kann auch als Seitenhieb nach München verstanden werden. Denn der dort regierende CSU-Chef Markus Söder sagte kurz vorher seinen Auftritt ab - obwohl die Stimmung in der CDU gegenüber der Schwesterpartei CSU schon seit einiger Zeit brodelt. Aber Söder muss auch in seiner Partei aufräumen. Er wollte womöglich deshalb eine Basiskonferenz in Bayern besuchen.

„Schlüsse ziehen“: Weber sieht auch CSU-Chef Söder in der Pflicht

Söder gab derWelt am Sonntag aber ein Interview, in dem er für ein neues Miteinander plädierte. „In Stil und Inhalt sollten wir wieder enger zusammenrücken, anstatt öffentlich übereinander zu reden“, sagte Bayerns Ministerpräsident. Doch am Ende gehört wohl auch noch mehr dazu: das Personal.

„Es ist ein großer Wert, dass wir einen starken Ministerpräsidenten haben“, sagte nun Manfred Weber, CSU-Partei-Vize, der Süddeutschen Zeitung. „Aber wenn ich sage, dass er die Nummer eins ist, dann gehört dazu auch, dass Markus Söder die meiste Verantwortung trägt. Nicht nur für die Entscheidungen, auch für die Wahlergebnisse der Partei. Und daraus müssen wir jetzt gemeinsam die richtigen Schlüsse ziehen.“ Zuvor sagte er im Interview mit Blick auf die gesamte Union auch, dass der Kanzlerkandidat „die wesentliche Verantwortung für das Ergebnis trägt“. Doch man habe gemeinsam gekämpft, „deswegen müssen wir gemeinsam die Verantwortung übernehmen“.

CSU-Vize Weber: Partei braucht neben starker Spitze auch breite Mannschaft

Aber was heißt es nun, die richtigen Schlüsse zu ziehen? Keine „One-Man-Show“ von Söder mehr, wie sie auch schon die Junge Union in Bayern kritisierte? Neben der klaren Nummer eins brauche es auch ein Team: „Wir hatten immer starke Politiker an der Spitze: Strauß, Stoiber, Seehofer. Aber es war immer klar, dass keiner alleine die CSU ist. Sondern immer die Spitze einer breiten Mannschaft. Das muss deutlich werden“, führte Weber aus.

Bei der Bundestagswahl hatte die CSU in Bayern mit nur noch 31,7 Prozent das schlechteste Ergebnis seit Jahrzehnten eingefahren. Die Union wurde nur zweitstärkste Kraft. Die Sondierungsgespräche, möglicherweise Koalitionsgespräche, führen deshalb derzeit andere. (cibo)

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