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Martin Schulz spielt nach seiner Rede in Schweinfurt im Foyer kurz Fußball.

Auftritt bei Landesparteitag

Martin Schulz bei der Bayern-SPD: Rhetorisch mitreißend, inhaltlich vage

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Martin Schulz’ Auftritt beim bayerischen Landesparteitag in Schweinfurt ist zwar rhetorisch mitreißend, bleibt aber inhaltlich im Vagen.

Schweinfurt – Zwischen den zwei Welten des Martin Schulz liegen wenige Schritte. Draußen, vor der Halle, stürzen die Kamerateams auf ihn zu, es hagelt Fragen nach den miesen Umfragewerten. Er antwortet schmallippig. Drinnen, in der Halle, schallt ihm frenetischer Jubel entgegen, kaum enden wollende und unaufgeforderte „Martin, Martin“-Chöre, wehende rote Fahnen. Schulz hält eine flammende Rede. Nein, irgendwie passen diese beiden Welten nicht recht zusammen.

Bei seinem Auftritt beim bayerischen Landesparteitag in Schweinfurt bekommt der SPD-Kanzlerkandidat die volle Wärme seiner Partei zu spüren. „Einer für alle, alle für einen“, ruft ihm Landeschefin Natascha Kohnen entgegen. Ob das die Stimmung im Land drehen wird, ist aber fraglich. Denn Schulz’ Auftritt ist zwar rhetorisch mitreißend, bleibt aber inhaltlich im Vagen. Es ist eine Art Motivations-Rede, aber nicht der von Beobachtern erwartete inhaltliche Aufbruch in einen argumentativen Wahlkampf.

„Jetzt haben wir eine Durststrecke und harte Tage hinter uns“, ruft Schulz gleich eingangs in den Saal, mehr über die Wahlniederlagen in NRW, Saarland und Schleswig-Holstein oder die Umfragewerte mag er nicht sagen, sondern betont unverdrossen seinen Machtanspruch: Er trete an, um Bundeskanzler zu werden und um die SPD zur stärksten Partei zu machen.

Er streift den jüngst vorgelegten Wahlprogramm-Entwurf der Partei ein paar Mal, vertieft ihn aber nicht. Kern seines Auftritts ist der Ruf nach einem Investitionsprogramm im Bund. „Wenn es morgen noch gerecht zugehen soll, dann müssen wir heute investieren.“ Für ländliche Räume genauso wie die Städte. Für Wohnungsbau und schnelles Internet, aber auch Bildung, Kindertagesstätten und Verkehrsachsen. Also: eigentlich für alle. Die deutschen Inlandsinvestitionen könnten dann auch die Importe ankurbeln und damit ganz Europa helfen.

Konkreteste Festlegung ist ein Nein: zu den Steuersenkungsplänen der Union. Den Spielraum im Haushalt hält Schulz für ein Phantom, bedingt durch temporär niedrige Zinsen für die Staatsschulden. Ganz gegen Senkungen ist Schulz aber auch wieder nicht. „Ja, wir sind für Entlastungen, wenn wir sie bezahlen können“, sagt er.

Die klareren Botschaften richtet er in seine Partei hinein. Er verlangt Geschlossenheit. In der SPD herrsche nun „eine Zeit, in der man zusammenstehen muss, weil man weiß, es geht um eine grundsätzliche Richtungsentscheidung“. Schulz ermahnt die Genossen indirekt auch, über den eigenen Tellerrand hinaus nach Unterstützern zu suchen. Die SPD als Partei der „hart arbeitenden Menschen“ solle auch die Interessen der Selbstständigen im Land vertreten. Er erinnert an seine Vita, die Zeit als Buchhändler in Würselen, als er in seinem kleinen Betrieb manchmal nur durch das Ausschöpfen des Dispo-Kredits überleben konnte.

Den 300 Bayern-Delegierten ist Schulz’ Ansage klar genug. „Wenn noch jemand sagt, Schulz sei nicht konkret, muss er die Rede verpasst haben“, verbreitet Landtagsfraktionschef Markus Rinderspacher. Kohnen, die Schulz schon beim Einmarsch in die Halle kokett die Hand auf die Schulter gelegt hatte, verspricht ihm vollen Einsatz im Wahlkampf. „Wir werden nicht von deiner Seite weichen, wir werden laufen, von morgens bis abends. Lieber Martin, wenn du uns brauchst, wir sind da und wir kämpfen.“

cd

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