Massaker im Bibel-Verlag

Menschenverachtende Tat: - Istanbul - Es war ein brutaler Überfall, und mit ihm hat die Gewalt gegen Christen in der Türkei einen neuen Höhepunkt erreicht: Im osttürkischen Malatya sind drei Mitarbeiter eines kleinen Bibel-Verlags getötet worden, unter ihnen auch ein Deutscher. Nach Angaben des Provinzgouverneurs wurde ein weiterer Verlagsmitarbeiter lebensgefährlich verletzt. Die deutsche Botschaft bestätigte den Tod des Deutschen.<br> Deutscher bei Überfall getötet

Den Angaben des Gouverneurs zufolge wurde drei Mitarbeitern die Kehle durchgeschnitten. Zwei starben noch am Tatort, der dritte später im Krankenhaus. Mit dem Tod kämpfte noch ein vierter Mann, der aus einem Fenster im dritten Stock des Verlagshauses sprang, um sich zu retten. Die Polizei nahm vier Personen fest.

Der menschenrechtspolitische Sprecher der Bündnisgrünen, Volker Beck, verurteilte den Anschlag in Berlin als menschenverachtend. Er sei erschreckend und von beispielloser Brutalität. Die stellvertretende Europapolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion und Berichterstatterin für die Türkei, Lale Akgün, äußerte sich bestürzt. In einem demokratischen Rechtsstaat müsse das friedliche Zusammenleben der Religionen eine Selbstverständlichkeit sein.

Ziel des Angriffs war ein christliches Verlagshaus namens "Zirve", das nach Angaben des Besitzers Hamza Özant in der Vergangenheit mehrfach von Nationalisten bedroht worden war. Diese warfen dem Verlag demnach vor, Bibeln zu verteilen. Das wird in der Türkei oft als Beweis für angebliche missionarische Tätigkeit und damit als Versuch zur Unterwanderung der Einheit der Türkei bewertet.

 Deutscher bei Überfall getötet

Ein früherer Mitarbeiter des Verlagshauses, Martin de Lange, hatte sich vor zwei Jahren öffentlich darüber beklagt, dass Behörden und Lokalpolitiker die Bevölkerung gegen den Verlag aufhetzen würden. Der türkische Menschenrechtsverein IHD erklärte, der Anschlag gehe auf denselben Ungeist des Nationalismus zurück wie der Mord an dem armenischen Journalisten Hrant Dink im Januar. Christen stellen unter den rund 72 Millionen Einwohnern der Türkei eine kleine Minderheit dar. Im vergangenen Jahr kam es wiederholt zu Übergriffen auf katholische Geistliche.

Beck forderte Muslime, Christen und Juden auf, Anschläge auf die Religionsfreiheit gemeinsam zu verurteilen. Die islamische Geistlichkeit müsse dabei auch deutlich machen, dass Glaubenswechsel und Missionierung als Teil der Glaubensfreiheit für alle Glaubensgemeinschaften gleichermaßen unveräußerlicher Teil der Menschenrechte seien.

Akgün betonte, das Recht auf Religionsfreiheit dürfe nicht nur verfassungsmäßig garantiert, sondern müsse auch gefahrlos lebbar sein. Dazu gehöre auch das Recht zu Missionieren und zu Konvertieren. Wenn sich der politische Hintergrund der Tat bestätigen sollte, müsse die türkische Regierung dies sehr ernst nehmen.

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