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Ein unterernährtes Kind mit seiner Mutter in einem Krankenhaus in Süd-West Somalia. 

Verheerende Dürre

Massensterben in Somalia? Weltgemeinschaft will Hungerkrise lindern

In Ostafrika hungern Millionen Menschen. In Somalia droht sogar eine Hungersnot. Eine internationale Konferenz in London will das Schlimmste verhindern.

Mogadischu/London - Es ist fast ein Déjà-vu. Wieder sind in Somalia Millionen Menschen von einer Dürre betroffen, Hundertausende sind auf der Suche nach Wasser und Essbarem aus ihren Heimatdörfern geflohen. Wieder steht der Krisenstaat am Horn von Afrika kurz vor einer Hungersnot. Erst 2011 verloren mehr als 250.000 Menschen bei einer Hungersnot in Somalia ihr Leben, vor allem Kinder. „Die Geschichte droht sich nun tragischerweise zu wiederholen“, warnt die Denkfabrik International Crisis Group (ICG).

Um das zu verhindern, treffen sich Vertreter der internationalen Gemeinschaft am Donnerstag in London, darunter die britische Premierministerin Theresa May, UN-Generalsekretär António Guterres, Bundesaußenminister Sigmar Gabriel und natürlich der somalische Präsident Mohamed Abdullahi Farmajo. Sie wollen die Unterstützung für Somalia ausbauen und helfen, das Land langfristig zu stabilisieren.

„Die Dürre ist verheerend - viel schlimmer als 2011“, sagt der Leiter der britischen Hilfsorganisation Oxfam in Ostafrika, Nigel Tricks. Seit 2015 ist der Regen weitgehend ausgeblieben. Ernten sind ausgefallen, Nutztiere wie Schafe, Kühe und sogar widerstandsfähige Ziegen sind verendet. „Inzwischen sind auch die Kamele betroffen“, sagt Tricks. Anders als vor sechs Jahren herrscht die Notlage nicht nur in Teilen des Landes, sondern fast überall.

Zumindest hätte die internationale Gemeinschaft aus der letzten Hungersnot gelernt, meint Tricks. „Dieses Mal ist die Dürre schlimmer, aber die Reaktion besser.“ Demnach kam die Hilfe bei dieser Krise viel früher in die Gänge, auch weil die Regierung in Mogadischu früher die Alarmglocken geläutet hat.

Trotzdem steht das Land Experten zufolge am Rande einer Hungersnot. Rund 6,7 Millionen Somalier - etwa die Hälfte der Bevölkerung - brauchen nach UN-Angaben Hilfe, etwa 2,9 Millionen Menschen sind auf die Verteilung von Nahrungsmitteln angewiesen. Für Kinder, deren Immunsystem schwächer ist, sind die Auswirkungen besonders verheerend. Das UN-Kinderhilfswerk rechnet in diesem Jahr mit 1,4 Millionen akut mangelernährten Kindern.

Doch eine Dürre allein macht noch keine Hungerkatastrophe. Somalia gilt als „failed state“, als gescheiterter Staat. Seit mehr als 25 Jahren ist das Land von Gewalt und politischer Instabilität gebeutelt, bereits 1992 und 2011 gab es zwei verheerende Hungersnöte. Die international anerkannte Regierung hat außerhalb von Mogadischu wenig Kontrolle, die islamistische Terrororganisation Al-Shabaab treibt in weiten Teile des Landes ihr Unwesen. Zudem kommt es immer wieder zu Spannungen zwischen unterschiedlichen Klans und Milizen. Trotz einer zum Großteil von der EU finanzierten und rund 20 000 Mann starken Friedenstruppe der Afrikanischen Union sind Frieden und Stabilität nicht in Sicht.

Der Konflikt befeuert die Hungerkrise. „Das größte Problem für Hilfsorganisationen ist, dass der Konflikt und die Instabilität den Zugang zu den bedürftigen Menschen erschwert“, sagt Tricks. Al-Shabaab ist ICG zufolge vor allem im Süden militärisch aktiv. Immer wieder halte die Terrormiliz die Menschen als Geiseln, indem sie zum Beispiel Transport und Verteilung von Hilfsgütern blockiere.

Bislang konnten Helfer eine Hungersnot noch verhindern. Nun hänge alles davon ab, dass das Geld weiter fließe, so Tricks. Die humanitäre Hilfe müsse mindestens bis Ende des Jahres sichergestellt werden. Das wird auch ein wichtiges Thema der Konferenz in London sein. Doch allen Beteiligten ist eines klar: Die Krise in Somalia kann nur nachhaltig gelöst werden, wenn die Regierung für Frieden und Stabilität sorgen kann.

Die Konferenz in London hat sich daher auch zum Ziel gesetzt, politische Reformen zu unterstützen, Sicherheitsstrukturen zu stärken und die Wirtschaft zu fördern. Es ist keine leichte Agenda. Aber nur eine stärkere Regierung könne Naturkatastrophen oder Klimaschocks aus eigener Kraft bewältigen, meint Tricks. Denn: „Dürren, da bin ich mir sicher, werden immer wieder kommen.“

dpa

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