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Fernbuslinien könnten durch die Maut unrentabel werden.

Tickets 20 Prozent teurer

Maut könnte das Aus für Fernbusse bedeuten

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München – Nach nur etwas mehr als einem Jahr droht dem Fernbusverkehr in Deutschland bereits wieder das Aus. Schuld daran könnte die Maut haben.

Bayerns Verkehrsminister Joachim Herrmann machte sich gestern erstmals für eine Maut auch für Busse auf Autobahnen stark. In dem heiß umkämpften Markt der Personenbeförderung könnte die Einführung einer Maut zum Ende der Überlandbusse führen. „Ich gehe davon aus, dass die Ticketpreise für Fernbusse um rund 20 Prozent steigen würden, wenn die Maut auch für Busse eingeführt wird“, sagte Matthias Schröter, Sprecher des Bundesverbandes deutscher Omnibusunternehmer (BDO), unserer Zeitung. Da die Firmen die Kostensteigerungen wegen des hohen Preisdrucks nicht weitergeben könnten, werde der Fernbusverkehr „unrentabel“. Gegenüber der Nachrichtenagentur dpa sagte Schröter: „Eine Maut für Busse würde den neuen Fernlinienverkehr zum Erliegen bringe.“

Herrmann argumentiert, es gebe keine Gründe, warum man Busse anders behandeln sollte als Lastwagen. „Busse wiegen so viel wie Lkw. Deshalb gibt es keinen Grund, Busse von der Maut auszunehmen“, sagte er am Rande der Verkehrsministerkonferenz. „Wir freuen uns, dass im Koalitionsvertrag fünf Milliarden Euro mehr für den Verkehr vorgesehen sind, aber das reicht nicht aus.“

Verbandssprecher Schröter sieht das natürlich anders. „Busse decken schon jetzt durch das Steueraufkommen zu über 300 Prozent die von ihnen verursachten Kosten im Straßenverkehr“, sagte er. „Es gibt daher keinen Grund, eine Maut auch für Busse einzuführen.“

Die Verkehrsminister der Länder und des Bundes tagen heute noch in Leipzig. Erst nach Ende der Konferenz will sich auch Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt heute zur Mautfrage für Busse äußern. Da Dobrindt und Herrmann beide der CSU angehören, ist es wahrscheinlich, dass der bayerische Vorstoß abgesprochen ist. In der Vergangenheit hatte Dobrindt die Liberalisierung des Fernbusverkehrs allerdings als „Erfolgsgeschichte und einen gewaltigen Fortschritt für Reisende“ gepriesen.

Der Verkehrsminister könnte aber durchaus auch ein Interesse daran haben, die Fernbusse nicht weiter durch eine Befreiung von der Maut zu unterstützen. Schließlich erschweren die inzwischen vor allem der Deutschen Bahn das Geschäft – und die gehört vollständig dem Staat. Die Bahn rechnete damit, dass sie die erst Anfang 2013 eingeführten Fernbusse im ersten Jahr rund 40 Millionen Euro kosten.

Widerspruch gegen die Mautpläne für Busse kam umgehend von den Freien Wählern im Landtag. „Wir brauchen nicht mehr Geld für den Verkehr. Stattdessen müssen Bundes- und Staatsregierung endlich dafür sorgen, dass die Einnahmen aus Maut, Kfz- und Mineralölsteuer zu einem größeren Teil für den Erhalt der Straßen verwendet werden“, sagte Verkehrsexperte Thorsten Glauber.

pv/mik/dpa

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