Maybrit Illner führt durch die Sendung.
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Maybrit Illner führt durch die Sendung.

„Viele Fehleinschätzungen“

„Maybrit Illner“: Söder bemängelt Unwissen über Interna der Impfstoffbestellung und stichelt gegen die EU

Geht Deutschland planlos in den Frühling? Mit dieser Frage beschäftigten sich die Gäste bei „Maybrit Illner“. In der Rückschau zerreißt Söder die Impfstrategie der EU.

  • Das Thema des aktuellen Talks bei „maybrit illner“: „Keine Impfung, keine Lockerung – planlos in den Frühling?“
  • Söder unterstützt den russischen Impfstoff und kann sich vorstellen „Sputnik V“ zu impfen.
  • Peter Tschentscher sieht keine Möglichkeit zur Öffnung der Schulen und Kitas in den kommenden Wochen.

„maybrit illner“ - diese Gäste diskutierten mit:

  • Markus Söder (CSU) - Ministerpräsident Bayern, zugeschaltet
  • Peter Tschentscher (SPD) - Erster Bürgermeister Hamburg
  • Dr. med. Jana Schroeder - Virologin und Chefärztin des Instituts für Krankenhaushygiene und Mikrobiologie der Stiftung Mathias-Spital, zugeschaltet
  • Stephan Pusch - Landrat Kreis Heinsberg
  • Kristina Schröder (CDU) - ehemalige Familienministerin, Welt-Autorin

Berlin - Der Zuschauer ist in Bezug auf den Polit-Talk seit Monaten im Déjà-Vu-Modus. Auch dieses Mal lud Maybrit Illner im ZDF zur aktuellen Coronavirus-Debatte. Zum Einstieg durfte aktuell die Einkaufsstrategie der EU zerrissen werden und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder stellte sich bereitwillig zur Verfügung: „Das Verfahren und die Anwendung ist von vielen Fehleinschätzungen begleitet“, verkündet Söder zu Beginn der Sendung. Und bemerkt süffisant, es sei wohl übersehen worden, „dass man da in einem internationalen Wettbewerb“ stünde. Das Verfahren werde sicher vom Europäischen Rechnungshof als „hervorragend beschrieben“ werden, stichelt Söder weiter, „aber das entspricht natürlich nicht dieser außerordentlichen Notsituation.“

In der Runde regt sich kein Widerspruch. Maybrit Illner will der Fairness halber wissen, ob die EU-Einkaufsstrategie denn bereits während des Prozesses kritisiert worden sei. Söder erklärt rasch, man sei über die Interna nicht informiert worden, er wisse nicht, was zwischen EU und Bundesregierung kommuniziert wurde.

Bei „maybrit illlner“ wird der russische Impfstoff „Sputnik V“ debattiert

Vom kritischen Rückblick zur lösungsorientierten Vorausschau. Impfstoff fehle ja nun, so Maybrit Illner. Ob Söder denn bereit sei, die russische Vakzine „Sputnik V“ zu verimpfen, will sie wissen - das Angebot gebe es. Es braucht drei Anläufe, bis Söder antwortet: „Wenn die europäische Medizinagentur“ - gemeint ist die europäische Arzneimittel-Agentur EMA - „sagt, das ist zuverlässig, natürlich dann!“ Söder wirft ein, der Impfstoff sei vermutlich sogar besser als andere. Maybrit Iller ergänzt: Laut einer ernstzunehmenden Studie habe „Sputnik V“ eine Wirksamkeit von 91 Prozent.

Auch Landrat Pusch steht der russischen Variante positiv gegenüber. Seine Frau sei Ungarin und in ihrem Heimatland würde sowohl der russische als auch der chinesische Impfstoff bereits verimpft. Pusch: „Die Russen waren ja auch nie schlechte Wissenschaftler.“ Der Landrat von Heinsberg in NRW sieht in der Ausbreitung der Impfstoff-Lieferanten auch eine Verbesserung des politischen Verhandlungsspielraumes. Pusch: „Wir hatten vor ein paar Tagen noch die Situation, dass uns einige Hersteller auf der Nase herumgetanzt sind - AstraZeneca: Wo wollt ihr das Zeug denn herhaben, wenn nicht von uns? Diese unzähligen Debatten, die da geführt worden sind…“ Pusch befindet: „Konkurrenz belebt das Geschäft. Druck in der freien Marktwirtschaft ist gut.“

Ex-Familienministerin Schröder warnt: Die Folgen des Lockdowns führen auch zu Toten

Als nächstes stellt Moderatorin Illner die derzeit wohl schwierigste Frage in Bezug auf Corona in die Runde: Wann ist der richtige Zeitpunkt für ein Lockdown-Ende? Die Talk-Runde ist gespalten. Pusch fordert „intelligente Lösungen“ vor allem für die Situation der Kinder: Wechselunterricht an Schulen, der dann ja auch wieder zurückgenommen werden kann, falls die Zahlen wieder hoch gingen. Doch er weiß auch, dass es schwer sei, das durchzusetzen: „Wenn du dafür bist, bist du schon der Typ der die Leute umbringen will.“

Der Landrat fordert mehr Blick in die Zukunft: „Wer sagt uns dann, dass in 15 Jahren im Rückblick die Wissenschaft nicht mehr sagt, Corona war das Problem, sondern dass die Folgen des Lockdowns gravierend für die Kinder waren, weil mehrere Jahrgänge Entwicklungs- und Wahrnehmungsstörungen aufweisen?“ Auch Ex-Familienministerin und dreifach Mutter Kristina Schröder warnt vor einer Sichtweise, die impliziere, es ginge beim Lockdown darum, Leben zu retten und auf der anderen Seite stünden allein ökonomische Interessen. Schröder: „Auch der Lockdown bringt menschliches Leid mit sich und bedeutet auch Tote!“

Namens-Vetterin Jana Schroeder, die aus Münster zugeschaltete Virologin, schüttelt vehement den Kopf. Getreu dem offiziellen „No Covid“-Papier ihrer Zunft, appelliert sie auf die höchstmögliche Lockdown-Konsequenz - auch im Hinblick auf die neuen Virusmutationen, die auf dem Vormarsch seien und dazu führen könnten, dass die Impfmittel nicht mehr greifen.

Hamburgs Bürgermeister Tschentscher spricht sich bei „maybrit illner“ gegen die Öffnung von Schulen und Kitas aus

Schröder macht das sichtlich wütend. Sie fordert nun „smarte Lösungen statt Maßnahmen wie im Mittelalter“ ein, konkret heißt das für sie: Schnelltests, Luftreiniger und eine CoronaApp, die nicht „durch paranoiden Datenschutz kastriert ist“, so O-Ton Schröder. Die strikte Einteilung in rote und grüne Zonen - wie es der Virologen-Plan angeregt hatte - träge „teilweise totalitäre Züge“, lässt Schröder vom Stapel: „Soll es dann Grenzkontrollen zwischen den Landkreisen geben?“, fragt sie bissig.

Mit dieser Polemik kann sich die ehemalige Politikerin zumindest in der Studiorunde nicht durchsetzen. Hamburgs erster Bürgermeister Peter Tschentscher sieht es wie die Virologen: „Wir brauchen erstmal Klarheit!“. Und Söder ergänzt: „Wir können nicht mitten in der Therapie abbrechen.“ Tschentscher an die Familien gerichtet: „Wir sind uns einig: Wenn, dann öffnen wir zuallererst die Grundschulen und die Kitas. Aber wann, das wissen wir nicht.“

Fazit der aktuellen „maybrit illner“-Talksendung

Nach Anlaufschwierigkeiten nahm der Talk im zweiten Teil an Fahrt auf. Nicht, dass grundlegend Neues verkündet wurde, aber das Für und Wider der derzeitigen Problematik wurde nochmal gut auf den Punkt gebracht. Außerdem wurde noch einmal klar, welche gesellschaftspolitische Triebkraft das Virus besitzt: Derzeit zur europäischen Wirtschaftszusammenarbeit mit Russland im Gesundheitssektor.

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