Maybrit Illner führt durch die Sendung.
+
Maybrit Illner führt durch die Sendung.

„Großartige Nachrichten“

Lobeshymnen auf deutschen Forschungsstandort bei „Maybrit Illner“: Dreyer fordert Impfstoff für alle Bedürftigen

Freude bei „Maybrit Illner“ über den neuen Corona-Impfstoff. Aber was passiert, bis er da ist? „Große Hoffnung, knappe Mittel – Kraftakt bis zur Impfung?“, so das Thema der Sendung.

  • Der Biotech-Wirtschaftsstandort Deutschland wird in der Talk-Runde bei „Maybrit Illner“ gelobt.
  • SPD-Ministerpräsidentin Malu Dreyer warnt jedoch vor Preistreiberei mit den Corona-Impfstoffen.
  • Auch das Pflegepersonal müsse dringend besser bezahlt werden.

„Maybrit Illner“: Das waren ihre Gäste aus Forschung und Politik

  • Malu Dreyer (SPD) - Ministerpräsidentin Rheinland-Pfalz
  • Michael Kretschmer (CDU) - Ministerpräsident von Sachsen
  • Prof. Dr. Jonas Schmidt-Chanasit - Leiter der Virusdiagnostik am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg
  • Prof. Dr. Peter Gottfried Kremsner - Direktor des Instituts für Tropenmedizin am Universitätsklinikum Tübingen
  • Prof. Dr. Alena Buyx - Direktorin des Instituts für Geschichte und Ethik der Medizin der Technischen Universität München und Vorsitzende des Deutschen Ethikrats
  • Prof. Dr. Stefan Kluge - Direktor der Klinik für Intensivmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE)

Berlin - Ein Blick auf die Talkrunde macht deutlich, dass wir in Zeiten des Coronavirus leben: Nur zwei der „Maybrit Illner“-Gäste sitzen im Studio. Vier Gäste sind zugeschaltet. Doch dieser Umstand tut dem Informationsaustausch keinen Abbruch. Im Gegenteil: Die Schalten führen zu mehr Gesprächsdisziplin.

Begonnen wird mit einer guten Nachricht und die Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz, dem Bundesland, in dem der Corona-Impfstoffhersteller Biontech aus Mainz seinen Sitz hat, bekommt das Wort. Malu Dreyer (SPD): „Für mich war es ein doppelt-toller Tag.“ Freude über einen Lichtblick am Ende des Pandemie-Tunnels und Stolz auf den modernen Wirtschaftsstandort.

Wirtschafts-Lob bei „Maybrit Illner“: Tolle Leistung von Deutschland!

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) steigt in die Lobeshymne ein und betont: „Wir haben hier in Deutschland den Test hergestellt und jetzt auch den Impfstoff. Das ist eine tolle Leistung.“

Einen kleinen Dämpfer gibt es dann von Stefan Kluge vom Hamburger UKE. Noch gilt es abzuwarten, mahnt er. „Die Studie ist noch nicht beendet und nicht veröffentlicht.“ Da seien noch viele Fragen offen. Jonas Schmidt-Chanasit ergänzt, die 90 Prozent Schutzwirkung sei eine absolut positive und unerwartete Nachricht. Zum Vergleich: Der Schutz bei einer Grippeimpfung liege bei 60 Prozent. Daher müsse jetzt die Studie abgewartet und Fragen geklärt werden: Welche Altersgruppen betrifft das? Es gebe Impfungen, die schützen zum Beispiel nur Menschen bis 45 Jahren. „Wie lange anhaltend ist der Schutz, sind das Antikörper positive, Antikörper negative?“ Erst nach Auswertung dieser Ergebnisse könne man eine passende Impfstrategie entwickeln.

„Maybrit Illner“-Talk: Neuartige Methode für Corona-Impfstoff angewandt

Der neuartige Corona-Impfschutz beruht auf der RNA-Methode, so Maybrit Illner, eine neue Methode, die auch das Tübinger Unternehmen CureVac nutzt und auf Grund dieser Methode derzeit ebenfalls eine Impfung entwickelt.

Leiter Peter Gottfried Kremsner wird zugeschaltet und zeigt sich neidlos begeistert: „Großartige Nachrichten!“ Er führt die Parallele zu Biontech auf: „Wir hatten bei unseren Tests bisher keine schwerwiegenden, unerwünschten Nebenwirkungen.“ Das zeige, „dass die Impfung funktioniert, dass sie verträglich und dazu auch noch wirksam ist“. Nach der Zulassung könne ein RNA-Impfstoff bei Raumtemperatur gelagert werden.

Maybrit Illner will wissen: Wem steht eine Impfung zu und wer überwacht das?

Wer bekommt denn eigentlich eine Impfung, wenn es so weit ist, will Maybrit Illner wissen. Laut einem aktuellen Strategiepapier sollen alte Menschen in Pflegeeinrichtungen, medizinisches Personal, Polizisten und Lehrer zum Beispiel priorisiert werden.

Die Vorsitzende des Deutschen Ethikrats - der an der Ausarbeitung des Konzeptes beteiliget war - Alena Buyx fordert: „Wer ein hohes Krankheitsrisiko hat, muss zuerst geimpft werden!“ Und argumentiert, dass viele Gelder aus dem Staatshaushalt geflossen seien. Ein Impfstoff sei ein Beitrag zum „Weltgut“.

Dreyer kündigt an: „Man ist sich in der EU einig, dass man europäisch vorgeht, dass es kein Windhundrennen gibt, das jeder bedürftige Mensch den Impfstoff erhalten wird. Egal ob da Geld ist oder nicht.“

„Maybrit Illner“: Bekommen wir die steigenden Fallzahlen in den Griff?

Doch noch ist es nicht so weit, bremst Illner aus und wendet den Blick auf die steigenden Fallzahlen. Von der Situation vor Ort soll Prof. Dr. Stefan Kluge berichten und der gibt erstmal Entwarnung. Bislang bekommen auch ältere Patienten in Deutschland die volle Therapie. Aber beim Personal gebe es schon Engpässe. Da müssten Operationen verschoben, Ambulanzen vorübergehend geschlossen werden.

Das Stichwort für Dreyer, die eine bessere Bezahlung für Pflegeberufe fordert. Es gibt viel Potential, aber die Politik müsse hier mehr bieten.

Malu Dreyer fordert bei Maybrit Illner mehr Durchgreifen des Staates bei Corona-Leugnern

Zum Ende noch mal ein Blick nach Leipzig und die Groß-Demo, die Kretschmer kommentiert: „Es war furchtbar.“ Dreyer springt ihm bei und erklärt, verbieten könne man das natürlich nicht, „es ist gut, dass wir Meinungsfreiheit haben, aber sie findet halt ihre Grenzen“. Bei Verstößen muss der Staat „klare Kante zeigen!“

Fazit der „Maybrit Illner“-Sendung

Eine disziplinierte Runde mit vielen bekannten Gesichtern, die die neuesten Nachrichten gut sondierten und die wichtigsten Informationen zusammentragen konnten. Kontroversen waren nicht gefragt, dieses Mal ging es um Information.

Auch interessant

Kommentare