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„Maybrit Illner“-Talkrunde zum Thema Erdogan

Provokante These

„Maybrit Illner“: Treibt die CDU junge Deutsch-Türken zu Erdogan?

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Berlin - Auch bei „Maybrit Illner“ ist Erdogan Thema. Spannung brachte ein Wissenschaftler ins Gespräch: Er erklärte den scheinbar großen Zuspruch für Erdogan unter Deutsch-Türken.

Viele Vorwürfe sind in den vergangenen Wochen gegen die Politik des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan vorgebracht worden. Eines muss sich der zunehmend autoritär und provokant auftretende Staatschef aber nicht nachsagen lassen: Zu langweilen scheint sein Gebaren niemanden. Sogar dann nicht, wenn sich das deutsche Talk-TV am x-ten Aufguss einer Erdogan-Diskussion versucht. So wie Maybrit Illners Sendung am Donnerstag.

Die bemerkenswerten Momente des Talks - Thema: „Türken in Deutschland - spaltet Erdoğan das Land?“ - lieferte dabei aber nicht etwa Grünen-Chef Cem Özdemir als prominentester Diskutant. Sondern zum einen der in Deutschland geborene AKP-Abgeordnete Mustafa Yeneroglu, der Erdogans Standpunkte in die Runde trug. Vor allem aber der Dortmunder Erziehungswissenschaftler Ahmet Toprak. Er sorgte ganz ohne Polemik für Spannungsmomente - indem er Fernsehdeutschland die Gefühlslage und Mehrheitsverhältnisse in der Community der Deutsch-Türken erklärte. Schließlich war zuletzt von starken Spannungen in dieser Gruppe zu hören.

Nur 300.000 von drei Millionen Türkischstämmigen wählten Erdogan

Topraks erste Botschaft: Bei weitem nicht alle Deutsch-Türken seien Erdogan-freundlich eingestellt. Insgesamt gebe es drei Millionen „Türkeistämmige“ - von denen mehr als die Hälfte nicht mehr in der Türkei wahlberechtigt und in Deutschland gut integriert sei. Von den 1,4 Millionen verbleibenden Wahlberechtigten hätten 2014 nur 300.000 Erdogan gewählt.

Dafür, dass es nichtsdestotrotz eine gut sichtbare Unterstützerschaft für Erdogan in Deutschland gebe, nannte Toprak mehrere Gründe. „Migranten sind in der Diaspora eigentlich immer konservativer“, erklärte Toprak zum einen. Zudem stammten viele der Türken, die einst in erster Generation nach Deutschland kamen, aus ländlich-frommen Gebieten - und seien insofern traditionell konservativ-religiös geprägt.

Die CDU sei keine Alternative

Gerade diese Klientel finde aber keine Heimat bei der konservativen Partei im deutschen Spektrum, sagte der Professor etwas provozierend. Die CDU sei auch für junge Türken keine Alternative: „Die betreibt keine ausländerfreundliche Politik, und da wenden sich viele lieber der AKP als politischer Heimat zu.“ 

Insgesamt gehe es den deutschen Erdogan-Sympathisanten selten um greifbare politische Inhalte, so Topraks Urteil: „Es geht nicht um Erdogans Politik, sondern um Protest. Alle sind gegen Erdogan, die Deutschen sowieso.“ Auf diese Weise baue der Staatspräsident eine Art „Wir gegen sie“-Gefühl auf.

Merkel in der Pflicht?

Ein Verdikt, das zuvor auch der AKP-Vertreter in der Runde trefflich unter Beweis gestellt hatte. Erdogan werde seit Jahren als „Diktator“ dargestellt, beklagte Yeneroglu und monierte in der - überwiegend sachlich geführten - Diskussion „Halbwahrheiten“ und „Beleidigungen“ der Mitdiskutanten. Einer Überprüfung würdiger schienen seine Vorwürfe, es gebe im Land „No-Go-Areas“ für Ausländer und „Racial Profiling“.

Eine an Topraks Darstellung anschließende greifbare Forderung stellte dann aber schließlich doch Özdemir als politisches Schwergewicht der Runde. Mit Blick auf die türkischstämmigen Deutschen forderte der Grüne: „Merkel muss sagen ,Ich bin eure Kanzlerin‘“. Nur so ließe sich Erdogan zumindest in Deutschland der Wind aus den Segeln nehmen.

fn

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