Maybrit Illner im Austausch mit ihren Gästen
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Maybrit Illner im Austausch mit ihren Gästen

ZDF-Talk

„Maybrit Illner“: Claus Kleber erklärt schlimmeres Szenario als Trumps Wiederwahl - Gabriel sagt das „N“-Wort

Das Thema bei „Maybrit Illner“ war die hasserfüllte TV-Debatte zur US-Präsidentschaftswahl. Es sei eine „Schlammschlacht“ gewesen, „blutiges Desaster“ drohe.

  • Claus Kleber befürchtet bei unklarem Wahlergebnis gesellschaftliche Unruhen in den USA und „ein blutiges Desaster“.
  • Sigmar Gabriel sagt im Live-Fernsehen das N-Wort.
  • Dr. Jana Puglierin warnt, eine Wiederwahl Trumps könne die EU destabilisieren.

„Maybrit Illner“-Talk: „Wahl, Wut, Verschwörung – was, wenn Trump bliebe?“

Die Welt schaut derzeit auf die USA. Am 3. November wird dort Joe Biden ins Amt gewählt - oder Donald Trump* bestätigt. Was würde eine zweite Amtszeit des Republikaners Trump für die USA bedeuten? Von den Gästen wurden vor allem Angst-Szenarien entworfen – aber auch Biden nicht als Heilsbringer gefeiert.

  • Sigmar Gabriel (SPD) - Ex-Außenminister, Vizekanzler und SPD-Vorsitzender. Seit 2019 Vorsitzender „Atlantik Brücke e.V.“
  • Dr. Claus Kleber - ehemaliger USA-Korrespondent, seit 2003 Moderator des ZDF „Heute Journal“
  • Marina Weisband (Bündnis 90/Grüne) - Publizistin und Diplompsychologin
  • Dr. Jana Puglierin - Leiterin des Berliner Büro der Denkfabrik „European Council on Foreign Relations“
  • Peter Rough - deutschstämmiger US-Politikwissenschaftler, ehemaliger Mitarbeiter unter Präsident George Bush Jr. im Weißen Haus. Er wurde aus Washington D.C. zugeschaltet

Die Runde war fast homogen - unverhohlen wurden die Antisympathien für Donald Trump offen ausgesprochen. Lediglich der für die US-Republikaner zugeschaltete Politikwissenschaftler Peter Rough zeigte sich besonnen in Bezug auf die anstehende Wahl.

„Maybrit Illner“-Talk im ZDF: Debatte mit Trump und Biden war eine „Messerschlacht“ 

Über die TV-Debatte zeigte sich jedoch auch Rough besorgt: „Ich würde es nicht als Schlamm-, sondern als Messerschlacht bezeichnen. Ausgeblutet ist die politische Kultur. Es war ein beschämendes Bild.“ Die Wähler hätten nichts über die Mission der nächsten Jahre erfahren.

SPD-Urgestein Sigmar Gabriel gab sich fatalistisch und befand: „Egal, wer gewinnt, es gibt kein Zurück in die guten alten Zeiten.“ Er glaube, dass das Duell keinerlei Auswirkungen auf die Wahl habe. Trump habe es allerdings wieder einmal geschafft, die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.

„Maybrit Illner“-Talk: Claus Kleber hat Angst vor „blutigen“ Auseinandersetzungen

Illners ZDF-Kollege Claus Kleber warnte, dass eine Wiederwahl Trumps bei Weitem nicht das schlimmste Szenario sei, das uns drohe. Er sieht die Gefahr, dass bei einem knappen Wahlergebnis ein Zusammenbruch des amerikanischen gesellschaftlichen Systems drohen können. „Dieses Mal wird es in den Städten und auf dem Land nicht mehr friedlich zugehen“, so Kleber. Er befürchte ein „blutiges Desaster“.

Die Gefahr, dass Trump bei einer Abwahl weiterhin im Amt bliebe, teile er nicht, betonte Rough und protestierte: „Die USA sind nicht Mali“ - in Anspielung auf die durch einen Putsch gescheiterte Demokratie im westafrikanischen Staat. Trump könne sich nach einer Wahl ja nicht „einbunkern“ und einfach weiter regieren. Eine juristische Auseinandersetzung stehe aber jedem Kandidaten zu und sei auch schon von Demokraten genutzt worden.

„Maybrit Illner“-Talk: Rassismus und Armut spalten die USA

Marina Weisband wies auf den grassierenden Antisemitismus und Rassismus in den USA hin, den sich Trump unverhohlen zu Nutze mache. Auch Biden sehe sie kritisch. Die Menschen fühlten auf beiden Seiten des politischen Spektrums, dass der Status quo nicht mehr adäquat sei. Keiner der Kandidaten gebe Antworten auf die drängenden Fragen des 21. Jahrhunderts.“

Dem stimmte Sigmar Gabriel zu: Trump sei nicht Ursache, sondern Symptom der Spaltung Amerikas. Die Demokraten hätten in den vergangenen Jahren versagt: Sie dürften sich nicht vor den Problemen des Landes wegducken. Und natürlich habe „Wladimir Putin an der Wahl herumgefummelt und er wird es auch wieder tun!“.

Trump gegen Biden: Die EU muss sich zusammenraufen

Zuletzt forderte Maybrit Illner von ihren Gästen einen Ausblick: Wie geht es nach der Wahl weiter?

Politikwissenschaftlerin Dr. Jana Puglierin sieht die Lage skeptisch: Eine Spaltung der EU stünde im Raum, wenn Trump Sicherheits-Abhängigkeiten von EU-Staaten gegen uns ausspiele. Sigmar Gabriel: „Egal, wer der Präsident ist: Wir als Europäer müssen uns zusammenraufen.“ Amerika werde weniger transatlantisch und mehr pazifisch werden.

Flop bei „Maybrit Illner“: Das N-Wort

Sigmar Gabriel gab eine Anekdote aus dem Obama-Wahlkampf zum Besten und erzählte, wie für eine Dokumentation weiße „Redneck“-Wähler interviewt wurden. „Da rief die Hausfrau ins Wohnzimmer: Wen wollen wir wählen, Joe?“ Und Joe habe gerufen: „Den Nigger natürlich!“ Gabriel wollte so aufzeigen, dass Rassismus in den USA auch einer Protesthaltung entspringt.

Fazit zum Trump-Talk bei „Maybrit Illner“: Große Angst, viele Vermutungen

Die Angst war ein steter Begleiter der Runde. Einzig der zugeschaltete Wissenschaftler Rough schaffte es, Ruhe zu bewahren und ließ nicht ab, in die USA zu vertrauen. Alle anderen Gäste malten in vielen dunklen Farben diverse Teufel an die Wand: blutige Aufstände, zerstörte Demokratien, das Ende der Republik, gespaltene Gesellschaft, das Aus des transatlantischen Paktes, die Spaltung der EU. Mehr als Vermutungen konnte aber am Ende keiner der Beteiligten bieten.

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