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Corona-Streit bei „Illner“: Liefers und Virologe Stöhr bestürmen Lauterbach

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Karl Lauterbach (SPD) zu Gast bei Maybrit Illner (ZDF)
Karl Lauterbach (SPD) zu Gast bei Maybrit Illner (ZDF) © ZDF/Maybrit Illner (Screenshot)

Die vollständige Rückkehr zur Normalität nach Corona steht weiter aus. Maybrit Illner fragte nach Erklärungen - Karl Lauterbach gerät dabei unter Druck. 

Maybrit Illner widmet sich in ihrem ZDF-Talk wieder dem alten Dauerbrenner Corona. „Geimpft, getestet, genervt – mehr Freiheit wagen?“ stellt die Moderatorin die Frage mit kreativer 3G-Interpretation in den Raum. Zivilisierter Umgang erwünscht: „Ein Blick nach vorn und zurück ohne Zorn!“, reimte Illner ihr Credo in der Anmoderation herbei.

Die Vertreter der Standpunkte sind optisch klar abgegrenzt, die Moderatorin hat die Lager je zu ihrer Rechten und Linken an den runden Tisch gesetzt. Am Ende der Sendung stellt Schauspieler Jan Josef Liefers die große Frage: „Wie wollen wir eigentlich generell leben?“ Und: „Welche Art von Risiko-Management wollen wir in Zukunft haben? 100 Prozent Safety? Zero, gar nichts mehr?“.

Doch zunächst geht Illner das Thema pragmatisch-journalistisch an und erkundigt sich, wie fünf Prozent Geimpfte - „immerhin drei Millionen Menschen“ - unter den Radar des Robert Koch-Instituts (RKI) rutschen konnten.

Lauterbach kritisiert die Corona-Kommunikation beim Impfen

Das erklärt Karl Lauterbach: „Wir haben in den Impfzentren zu viel dokumentiert und bei den nieder­gelassenen Ärzten viel zu wenig“, sagt der Mediziner, der auch selbst Corona-Vakzine verabreicht hatte.

Zudem hätte man bereits seit Monaten gewusst, dass die Zahlen nicht präzise sein können. Illner ist erstaunt: „Wieso wurde das dann nicht kommuniziert?“ Lauterbach sagt ernst: „Ich halte es für einen Fehler, weil es Verschwörungs­theorien nährt. Daher hätte man es früher kommunizieren müssen.“ Und lässt offen, wen er mit „man“ meint…

Virologe Klaus Stöhr sieht den Fehler woanders: „In Deutschland existiert eine Datenwüste!“ Der Ex-WHO-Mann macht seine Struktur-Kritik bildlich: „Ich kann zu jeder Zeit an jeder Tankstelle ablesen, wie hoch der Spritpreis ist. Aber ich kann nicht herausfinden, wie viele Leute tatsächlich geimpft werden“. Was fehle, sei ein Impfkataster, den andere Länder in Skandinavien oder Israel hätten. Warum es einen solchen in Deutschland nicht gibt, bleibt leider auch offen.

„Maybrit Illner“ - diese Gäste diskutierten mit:

Liefers ist bemüht, der Sachlage Positives abzugewinnen: „Ich sehe, dass 85 Prozent der deutschen Erwachsenen sich einen Impfstoff verabreichen lassen“, freut er sich über die um fünf Prozent nach oben korrigierte Zahl, „und das, obwohl im Internet irre Storys kursieren!“

Karl Lauterbach - der Liefers nicht gewogen ist, ihn öffentlich mehrfach kritisierte - bremst zunächst einmal die Begeisterung des „Tatort“-Stars aus. Eine Ende von 3G- und Maskenpflicht stünden noch lange nicht zur Debatte: „Wir sind noch immer nicht da, wo es möglich wäre zu sagen, jetzt nehmen wir die Masken runter in den Geschäften und kontrollieren kein 3G mehr.“

Corona Thema bei „Illner“: „Jeder Kranke ist einer zu viel“? Liefers findet‘s „verrückt“

Ute Teichert unterstützt den SPD-Politiker. Als Ärztin, so Teichert, sei es grundsätzlich ihre Aufgabe, ihr Möglichstes zu tun, die Menschen vor Krankheit zu schützen. Sie ruft aufgeregt: „Jeder, der erkrankt ist und behandelt werden muss, ist eine Person zu viel!“ Liefers reagiert verwundert: „Wenn wir jetzt sagen: Jeder Kranke ist einer zu viel … dann: Wow!“ Leute würden immer an Krankheiten sterben, aber wenn jeder Tod als „einer Zuviel“ gewertet würde, „dann wird’s verrückt!“, so Liefers und bringt mit seiner Ansage sogar Lauterbach zum Schmunzeln.

Maybrit Illner möchte es konkreter: Wenn alles so gut läuft, warum dann kein „Freedom-Day“? Wieso weiter 3G? Lauterbach fragt sie direkt: „Warum gibt es keine Impfpflicht?“ Der SPD-Abgeordnete holt weit aus und nutzt die Frage dazu, den „Schwarzen Peter“ der AfD zuschieben. Die Impfpflicht würde von dieser Partei und „anderen rechten Gruppen“ populistisch genutzt werden, um „mobil zu machen“, so Lauterbach. Er warnt: „Wir wollen doch mit der Impfpflicht diesen Gruppen nicht auch noch zuarbeiten!“

Jetzt ist es Virologe Stöhr, der von Lauterbach wissen will: „Wie kommen wir denn in die Normalität zurück? Wo ist denn der Grenzpunkt?“ Liefers bestärkt ihn: „Irgendeine Art von Exit-Strategie brauchen wir jetzt!“. Doch die Antwort bleibt Lauterbach schuldig. Stattdessen entbrennt ein Streit über Long-Covid bei Kindern.

Liefers fordert mehr Geld für Pflegekräfte - Ärztin Teichert bestätigt: „Die sind ausgelaugt“

Lauterbach malt den Teufel an die Wand: „In dem Moment, wo wir öffnen, haben wir damit zu rechnen, dass wir eine Durchseuchung bei unseren Kindern zu sehen bekommen.“ Stör wirft der Politik vor, sie hätte statt Klarheit zu schaffen, immer wieder Angst geschürt. Lauterbach lässt aber nicht locker. „Ich kenne keinen Wissenschaftler, der garantieren würde, dass die Kinder, die Covid gehabt haben, nicht in fünf Jahren noch Beschwerden haben.“ Stöhr bellt zurück: „Es kann niemand sagen, wenn wir hier rausgehen, dass uns nicht ein Ziegelstein auf den Kopf fällt.“

Liefers bricht am Ende nochmal die Lanze für das Pflegepersonal und fordert mehr Wertschätzung. „Nicht nur mit Applaus, sondern auch mit Geld!“, so der Schauspieler. Teichert bestätigt: „Die Leute sind ausgelaugt!“.

Fazit des „Maybrit Illner“-Talks

Die wichtigen Fragen nach einer Exit-Strategie und dem Ende der Maskenpflicht blieben bei „Maybrit Illner“ leider unbeantwortet. Und auch die Überlegungen dazu, welcher Grad an Sicherheit geboten und inwiefern Angst als Mittel zur Durchsetzung von politischen Zielen genutzt werden darf, blieben als Impulsfragen im Raum stehen. 

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