Peter Altmaier zu Gast bei Maybrit Illner
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Peter Altmaier zu Gast bei Maybrit Illner

Hat Jamaika doch noch eine Chance? 

Maybrit Illner: Altmaier geht bei Söder-Thema an die Decke - „Bei allem Respekt ...“

Maybrit Illner sondiert mit ihren Gästen von SPD, CDU, FDP und Grünen die politische Lage nach der Bundestagswahl: Ist die Ampel tatsächlich alternativlos?

München - Maybrit Illner bringt die derzeitige Stimmung nach der Bundestagswahl auf den Punkt. Mit ihrem gemeinsamen Selfie hätten Grüne und FDP signalisiert: „Ohne uns ehemaligen Kleinen geht nichts mehr.“ Doch auch die SPD-Wähler hätten Erwartungen, so die Moderatorin in ihrem Talk im ZDF. Wo positioniert sich da ein Kanzler Olaf Scholz? Und: Was wird dann eigentlich aus Armin Laschet?

Das erste Wort erteilt Illner dem CDU-Mann Peter Altmaier, noch Bundeswirtschaftsminister, der bei der aktuellen Wahl seinen Wahlkreis verlor. Seine Einschätzung zum Abschneiden der Union hatte er in einem Statement kurz nach der Wahl mit den Worten kommentiert, es seien die „schlimmsten Alpträume“ übertroffen worden.

„Maybrit Illner“ (ZDF): Altmaier stellt sich beim Talk hinter Markus Söder

Bei Illner klingt der Minister inzwischen ziviler: „Man muss anerkennen, dass die Union die Partei ist, die am meisten Stimmen verloren hat“, führt er aus. Und macht - wie zuvor bereits der bayrische Ministerpräsident Markus Söder - noch einmal deutlich, dass die CDU keinen Regierungsanspruch für sich reklamieren dürfe: „… aber zu Gesprächen zur Verfügung stünde, denn die CDU habe sich ihrer Regierungsverantwortung noch nie entzogen!“

Video: Auch Spahn fordert neues Personal

Maybrit Illner horcht auf und will von Altmaier noch mehr Informationen, wie es momentan hinter den Kulissen der Union zuginge. Illner kreiert für ihre Frage ein neues Wort: „Wann hört Markus Söder auf zu ,södern’“ - aber Altmaier mauert. Welt-Vize-Chefredakteur Robin Alexander gibt später einen Hinweis für die überraschende Solidarität des Wirtschaftsministers und lockt ihn aus der Reserve: Laschet hätte Friedrich Merz das Wirtschaftsministerium versprochen. Alexander: „Die überraschende Parteinahme für Söder war also nicht nur altruistisch motiviert.“

„Maybrit Illner“ - diese Gäste diskutierten mit:

  • Peter Altmaier (CDU) – Bundeswirtschaftsminister
  • Hubertus Heil (SPD) – Bundesarbeitsminister
  • Katrin Göring-Eckhardt (Grüne) – Fraktionsvorsitzende
  • Johannes Vogel (FDP) – stellv. Parteivorsitzender
  • Robin Alexander – stellv. Chefredakteur Die Welt
  • Markus Feldenkirchen – Spiegel-Journalist und Autor

Das bringt Altmaier wie vermutet auf die Palme. „Bei allem Respekt …“ führt er aus und widerspricht eifrig. Alexander kann sich einen süffisanten Kommentar nicht verkneifen: „Wenn Sie jetzt noch sagen, dass sie in der Flüchtlingspolitik gut mit Söder zusammengearbeitet haben …“. Doch Altmaier winkt ab.

„Trauen Sie Armin Laschet tatsächlich zu, dass er Kanzler wird?“, lässt Illner den Minister nicht so leicht los. Altmaier seufzt hörbar tief. Er redet wieder um den heißen Brei: Das würde den Wähler gar nicht in erster Frage interessieren, unterstellt der CDU-Mann frank und frei. Jetzt ginge es in erster Linie um Klimaschutz, Wohlstandssicherung und Arbeitsplätze. „Wir brauchen in grundlegenden Fragen einen parteiübergreifenden Konsens. Egal, wer am Ende regiert und wer Opposition ist.“ Altmaier: „Die Zeiten, wo so etwas in Hinterzimmern verhandelt wird, sind vorbei!“ Und lässt offen, ob er damit auf die Großen-Koalitionsbildungen seiner Amtszeit anspielt.

Nach Bundestagswahl: FDP-Mann Vogel proklamiert bei Illner das Ende der großen Volksparteien

Illner wendet sich der FDP zu und lässt Liberalen-Urgestein Wolfgang Kubicki mit einem Einspieler zu Wort kommen: „Ich vermute mal, dass Armin Laschet diese Woche nicht überstehen wird“, mutmaßt es da vom Monitor. Doch der stellvertretende FDP-Parteivorsitzende Johannes Vogel, der in der Runde sitzt, lässt sich so leicht nicht aus der Reserve locken: „Der Wolfgang ist ja immer für eine forsche Formulierung gut“, hält er die Bälle flach. Und setzt an zum Blick nach vorn: „Die Ära Merkel endet mit einem ganz neuen Parteiensystem“, analysiert Vogel. Die zwei Volksparteien hätten sich zu „vier mehr oder weniger mittelgroßen Parteien im demokratischen Spektrum“ gewandelt. Fünf berichtigt Bundesarbeitsminister Hubertus Heil, der die CSU als eigenständige Partei verstanden haben will.

„Wir schauen jetzt: Wo gibt’s die meisten Übereinstimmungen auf unserem Weg in die Zukunft“, erklärt Vogel im ruhigen Ton, doch Illner setzt schon zur nächsten Provokation an: „Wo kann denn beispielsweise beim Mindestlohn ein Kompromiss liegen?“, fragt sie forsch. Aber Vogel passt auf: „Ich verstehe, dass Sie als Journalistin sagen, das wäre jetzt spannend“, spielt er den Ball zurück. Aber „öffentliche Streitereien über Unterschiede“ seien nicht das gewesen, was „uns vorangebracht hat“ und meint mit „uns“ Deutschland. Vogel überzeugt auch Illner mit dem Satz: „Wir haben uns in den letzten Jahren zu sehr an einen Politikmodus gewöhnt, der immer nur auf Sicht fährt. Wir müssen wieder in Jahrzehnten denken.“

Wieder zu Altmaier gewandt versucht Illner nun den Angriff über eine andere Flanke: „Die Grünen lieben Olaf Scholz nicht so sehr wie die FDP Armin Laschet“, stellt die Talkmasterin in den Raum und will wissen: „Könnte das eine letzte Chance für Jamaika sein?“ Altmaier entzieht sich erneut einer klaren Antwort und befindet: „Ich glaube, dass es sehr viel inhaltlichen Sprengstoff gibt.“

Jamaika-Koalition ohne Laschet? - Journalist nennt Alternativen

Klare Worte findet dafür wieder Alexander: „Die Union könnte nach einer Neuaufstellung vielleicht noch glaubwürdiger für Jamaika werben“, denn an der Spitze müsste ja nicht zwingend Armin Laschet stehen. Alexander nennt Alternativen: Norbert Röttgen, Jens Spahn und sogar Friedrich Merz.

Feldenkirchen: „Natürlich ist es möglich, dass Olaf Scholz noch scheitert. Deshalb ist für die SPD auch eher Demut als Breitbeinigkeit angeraten.“ Dass die Union nun einen nicht zur Wahl gestellten Kandidaten zum Kanzler mache, hält Feldenkirchen dagegen für abwegig. Einig sind sich die beiden Journalisten in der Frage, dass die Tage für Laschet vermutlich gezählt sind. Alexander: „Ganz seltsame Konstellation: Alles oder Nichts.“ Wenn Laschet es nicht schaffe, Kanzler zu werden, sei er „politisch eigentlich tot“.

Das sei vor allem Söder geschuldet, befindet Feldenkirchen. Die Rolle des bayrischen Ministerpräsidenten am momentanen Desaster der CDU werde derzeit völlig unterschätzt. Söder „habe Laschet zerrupft und zerzaust“. Dazu das „unsolidarische Verhalten“ Söders - das sei „selbstverliebt und selbstzerstörerisch“.

„Maybrit Illner“ - Das Fazit des Talks

Dass ist Talk-Tennis in der Auftaktrunde. Schnelle Wortwechsel, schnittige Kommentare und Gegenmeinungen machen die Runde sportlich. Aber die Neugier wird nicht befriedigt: Was passiert gerade bei den Gesprächen der gewählten Parteien? Welche Themen werden besprochen, Posten geschachert? Da ist der Sportplatz wie leergefegt: Stillschweigen.

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