+
Djordje Ivanov, Staatschef von Mazedonien.

Ivanov poltert gegen Staatengemeinschaft

Mazedonien Staatschef: "Bezahlen die Fehler der EU"

Berlin - Das kleine Mazedonien steht seit einigen Wochen im Mittelpunkt der Berichterstattung. Das stört Präsident Djordje Ivanov gewaltig, der in einem Interview gegen die EU wettert.

Mit scharfen Worten hat Mazedoniens Präsident Djordje Ivanov der Bundesregierung politisches Versagen in der Flüchtlingskrise vorgeworfen und sein Land als Opfer der EU-Institutionen dargestellt. „Bei der Humanität hat Deutschland sehr gut gehandelt. Aber bei der Sicherheit hat Ihr Land völlig versagt“, sagte Ivanov der „Bild“-Zeitung (Freitag). So habe Mazedonien einen Austausch von Daten über mutmaßliche Dschihadisten angeboten, doch weder von deutscher noch von europäischer Seite sei darauf eingegangen worden.

„Die Sicherheit wurde in der Flüchtlingskrise völlig aus den Augen verloren“, kritisierte Ivanov. „Wenn wir uns auf Brüssel verlassen und nicht selbst reagiert hätten, wären wir längst mit Dschihadisten überspült worden.“

Mazedonien hofft auf Hilfe aus Deutschland

So hätten mazedonische Behörden 9000 gefälschte Pässe und Dokumente bei Flüchtlingen sichergestellt. „Sogenannte Flüchtlinge reisen mit falschen Identitäten durch ganz Europa, und Griechenland gibt ihnen einfach die Stempel zur Weiterreise.“ Dabei sei davon auszugehen, dass viele radikale Kämpfer mithilfe dieser Papiere auf der Flüchtlingsroute vorankommen wollten.

Auch technische Hilfe habe die Bundesregierung verweigert, sagte Ivanow der Zeitung. „Wir brauchten Ausrüstung für den biometrischen Datenabgleich, Deutschland hat immer alles abgelehnt.“ Inzwischen schütze Mazedonien als „Nicht-EU-Land Europa vor einem EU-Land, nämlich Griechenland“. 

Und dennoch sei Mazedonien, während die Türkei am Verhandlungstisch mit der EU sitze, lediglich „Teil der Speisekarte“, klagte Ivanov: „Wir waren schon immer Opfer der EU-Institutionen. 25 Jahre lang sind wir angelogen und manipuliert worden.“ Mazedonien sei aus Sicht der Europäischen Union „nichts, kein EU-Land, kein Schengen, keine Nato. Niemand will uns.“ Sein Land bezahle nun die "Fehler der EU".

dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Nordkorea antwortet mit Trotzreaktion
Seoul - Handelt Nordkoreas Machthaber irrational? Mit seinen Raketen- und Atomtests fordert er nicht nur die USA, sondern auch die internationale Staatengemeinschaft …
Nordkorea antwortet mit Trotzreaktion
Fast 4000 weitere Staatsbedienstete in der Türkei entlassen
Ankara - Im Zuge ihres Vorgehens gegen mutmaßliche Putsch-Unterstützer hat die türkische Regierung fast 4000 weitere Staatsbedienstete entlassen.
Fast 4000 weitere Staatsbedienstete in der Türkei entlassen
"Flüchtlings-Offizier": Rechte Gesinnung offenbar lange bekannt
Gießen - In dem Fall des Bundeswehr-Offiziers, der sich monatelang als syrischer Flüchtling ausgegeben hat, sind noch viele Fragen offen. Allerdings hätte man gewarnt …
"Flüchtlings-Offizier": Rechte Gesinnung offenbar lange bekannt
Die FDP sucht ihr Rezept für die Rückkehr in den Bundestag
Berlin - Bildung, Digitalisierung und weniger Bürokratie: Mit diesen Schwerpunkten will die FDP in den Wahlkampf ziehen - und nach vier Jahren wieder in den Bundestag …
Die FDP sucht ihr Rezept für die Rückkehr in den Bundestag

Kommentare