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Die Gegendemonstranten in Dresden sitzen aus Protest gegen einen Aufmarsch von Neonazis neben Polizisten auf der Straße.

„Warum verändern Sie willentlich...?“

Bei Bericht über Neonazi-Gegendemo: MDR sorgt mit spezieller Retusche für Verwunderung - „Grotesk“ 

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Wegen einer Retusche gelangte das MDR-Regionalmagazin „Sachsenspiegel“ bundesweit in die Schlagzeilen. Berichtet worden war von einer Neonazi-Gegendemo in Dresden.

  • In Dresden demonstrierten zahlreichen Menschen gegen aufmarschierende Rechtsextreme. 
  • In einem Regionalmagazin berichtete der MDR - doch im Beitrag erschien eine seltsame Retusche.
  • Von einem Transparent war das Konterfei von Hitler-Attentäter Georg Elser entfernt worden. 

Update vom 17. Februar, 20.41 Uhr: Aus Protest gegen die islam- und ausländerfeindliche Pegida-Bewegung und den Thüringer AfD-Chef Björn Höcke haben sich am Montagabend mehrere Tausend Menschen in Dresden versammelt. 

Auch auf Seite der Pegida-Anhänger gab es auf der Jubiläumsveranstaltung im Vergleich zu vorangegangenen Montagen mehr Zuspruch und ebenfalls mehrere Tausend Teilnehmer. Höcke hatte zur 200. Pegida-Kundgebung seit Gründung der Bewegung sein Kommen zugesagt.

Pegida-Demo in Dresden: Tausende folgen Sachsen-CDU- und FDP-Aufruf

Während Initiativen wie das Bündnis „Dresden Nazifrei“ regelmäßig gegen Pegida und ihren Frontmann Lutz Bachmann demonstrieren, hatten erstmals auch die Dresdner Kreisverbände von CDU und FDP zu einer Gegendemonstration aufgerufen. Unterstützt wurde der Protest unter anderem vom Landesverband der Jüdischen Gemeinden, der Katholischen Kirche sowie der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsen. Die Gegendemonstranten befanden sich in Sicht- und Hörweite der Pegida-Versammlung.

Höcke, der auch Parteivorsitzender in Thüringen ist, hat immer wieder deutlich gemacht, dass er die ausländerfeindliche Pegida-Bewegung schätzt. 2016 sagte er in einer Parteitagsrede: „Ohne sie wäre die AfD nicht, wo sie ist. Ich sage danke.“

Erstmeldung vom 17. Februar, 13.09 Uhr:  Dresden - Zahlreiche Menschen hatten sich am Samstag (15.2.) in Dresden versammelt, um sich rund 1000 Neonazis entgegenzustellen, die anlässlich des 75. Jahrestages der Luftangriffe auf die Stadt im Zweiten Weltkrieg beim sogenannten Trauermarsch marschierten. 

Mit Schildern, Plakaten und Spruchbändern wollten die Demonstranten für ein weltoffenes Dresden einstehen. Bei einem der Transparente kam es jedoch zu einer seltsamen Retusche in der vom MDR ausgestrahlten Regionalmagazin „Sachsenspiegel“

Gegendemo in Dresden: MDR retuschiert Konterfei von Hitler-Attentäter

Wie zuerst der Spiegel berichtet hatte, war von einem der Transparente das Konterfei des Hitler-Attentäters Georg Elser entfernt worden. Auf Twitter ging der Vorfall schnell viral - und sorgte für Empörung. Einen redaktionellen Hinweis auf die Retusche gab es in der Sendung nicht. „Warum verändern Sie willentlich ohne Hinweis den Inhalt des Transparentes?“, schreibt etwa ein Nutzer auf Twitter, dem die Veränderung bei der Ausstrahlung aufgefallen war. 

Der MDR bezog schließlich Stellung - und sprach auf Twitter von einem Fehler bei der Bildbearbeitung. Auch eine Entschuldung des Senders folgte. „Die Grafik sollte ein allgemeines Hintergrundbild für die Moderationen zum Demonstrationsgeschehen in Dresden finden“, heißt es vom MDR auf Twitter weiter. 

MDR-Bericht über Neonazi-Gegendemo: Sender erklärt sich - „Hätten Bearbeitung nicht geduldet“

Einen redaktionellen Anlass für die Retusche hätte es nicht gegeben. „Die Grafik sollte ein allgemeines Hintergrundbild für die Moderationen zum Demonstrationsgeschehen in Dresden finden. Auf der Suche nach einem Bild habe der Grafiker versucht, das Foto so zu bearbeiten, dass in den dafür vorgesehenen Rahmen passte“, stellte der Sender weiter klar. Unbearbeitet ist das Foto auf der Website des MDR zu sehen. 

Geschehen sei das jedoch, ohne Rücksprache mit der Redaktion zu halten. „Wir hätten aus redaktioneller Sicht diese Bearbeitung nicht geduldet“, heißt es. Besonders geärgert habe man sich, da man „sehr umfangreich“ von der Demonstration berichtet und „damit auch ein Bild eines weltoffenen Dresden transportiert“ habe. Der Vorgang sei mit dem Grafiker besprochen worden. 

Ersteller von Georg Elser-Transparent reagieren auf Facebook: „Grotesk“

Auch die Ersteller des Georg Elser-Transparentes meldeten sich schließlich via Facebook zu Wort. „Unser neues, letzte Woche in mühevoller Arbeit entstandenes Demo-Transpi hat es tatsächlich in die bundesweiten Nachrichten geschafft!“, schreibt der linke Sozialistisch-Demokratische Studierendenverband in Leipzig (SDS Leipzig). Der Anlass sei zwar „grotesk“ - allerdings habe man die Entschuldigung des MDR angenommen. „Wir freuen uns, dass der Genosse Georg Elser* in aller Munde ist“, heißt es weiter. 

nema

Video: Proteste gegen Neonazi-Aufmarsch in Dresden 

Aus anderem Grund sorgten vor einiger Zeit die Mitarbeiter eines Supermarktes für Empörung. In einer Edeka-Filiale entschieden sich Metzger dazu, Shirts mit einem lustigen Spruch zu tragen. Was sie allerdings nicht wussten: Der Schriftzug basiert auf einem Hitler-Zitat.

*Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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