+
Die Regierung von Ministerpräsident Thomas Thabane (Foto) sei weiter an der Macht, sagte ein Sprecher zu Berichten über einen Putschversuch.

Putschversuch

Lesothos Ministerpräsident flieht vor Militärs

Johannesburg - „Königreich im Himmel“ wird Lesotho genannt. Doch das bitterarme Land im südlichen Afrika erlebt politisch unruhige Zeiten. Nun putschte das Militär.

Nach einem Putschversuch im Königreich Lesotho ist Ministerpräsident Thomas Thabane ins benachbarte Südafrika geflohen. „Sobald ich sicher bin, nicht getötet zu werden, kehre ich zurück“, sagte er am Samstag dem britischen Sender BBC.

Zuvor hatten Soldaten mehrere Regierungs- und Polizeigebäude in der Hauptstadt Maseru umstellt, darunter die Residenz des Premiers. Es seien auch Schüsse gefallen, meldete der südafrikanische Nachrichtensender eNCA unter Berufung auf Diplomaten.

Thabane sprach von einem versuchten Coup. Regierungssprecher Ramakhula Ramakhula hatte zuvor dagegen Putschberichte dementiert. Die Flucht des Ministerpräsidenten nach Südafrika wollte er weder bestätigen noch dementieren.

Es sei lediglich eine Polizeiwache umstellt worden, sagte Ramakhula, Er sprach von einem „Missverständnis zwischen Polizei und Militär“. Seit der Unabhängigkeit von Großbritannien 1966 hat es in Lesotho bereits mehrere Militärputsche gegeben. Freie Wahlen fanden erstmals 1993 statt.

Medienberichten zufolge soll die Armee einen Radiosender besetzt haben. Zuvor hatte die Polizei eine für Montag geplante Demonstration gegen die Regierung verboten. In dem südafrikanischen Land gibt es seit längerem politische Spannungen.

Regierungschef Thabane hatte im Juni das Parlament ausgesetzt, um einem Misstrauensantrag aus den Reihen seiner Koalition zu entgehen. Seine Koalitionspartner warfen ihm vor, eigenmächtig zu handeln. Zudem soll es zum Bruch zwischen ihm und Armeechef Tlali Kamoli gekommen sein. Die nächsten Wahlen sind für 2017 geplant.

In Südafrika löste die Entwicklung in der Enklave Sorgen aus. Das Land bezieht aus Lesotho Wasser und Strom.

Das Königreich Lesotho ist in etwa so groß wie Nordrhein-Westfalen und gänzlich von der Republik Südafrika umgeben. Es hängt völlig von der Wirtschaft des großen Nachbarn ab. Lesotho zählt zu den wenigen Regionen in Afrika, in denen es regelmäßig schneit. Wegen seiner Gebirgszüge wird es auch „Königreich im Himmel“ genannt. Die meisten der rund zwei Millionen Einwohner leben in großer Armut. Staatsoberhaupt ist König Letsie III.

dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Schleswig-Holstein: Grünen-Parteirat empfiehlt „Jamaika“-Verhandlungen
Der Parteirat der Nord-Grünen hat sich für die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen mit CDU und FDP für eine neue Landesregierung in Schleswig-Holstein ausgesprochen.
Schleswig-Holstein: Grünen-Parteirat empfiehlt „Jamaika“-Verhandlungen
SPD-Kanzlerkandidat Schulz: Bin ziemlich optimistisch
Der SPD-Vorsitzende Martin Schulz zeigt sich trotz der jüngsten Schlappen bei Landtagswahlen optimistisch, dass seine Partei die Bundestagswahl gewinnen kann.
SPD-Kanzlerkandidat Schulz: Bin ziemlich optimistisch
Merkel in München: Heimspiel in der „Fuchsenstube“
Merkel auf München-Reise, der nächste Versuch. Nach den Pleiten beim CSU-Parteitag und dem Versöhnungstreffen kommt die Kanzlerin zum Treffen der Unions-Fraktionschefs. …
Merkel in München: Heimspiel in der „Fuchsenstube“
Merkel: „Ich hätte sehr gerne Franz Josef Strauß persönlich kennengelernt“
Ob das gut gegangen wäre? Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hätte CSU-Legende Franz Josef Strauß gerne persönlich kennengelernt. Das sagte sie am Montag in München.
Merkel: „Ich hätte sehr gerne Franz Josef Strauß persönlich kennengelernt“

Kommentare