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Stephen Bannon, der umstrittene Chefstratege von US-Präsident Trump, verlässt das Weiße Haus. 

Er stand seit langem in der Kritik

Trumps Chefstratege Bannon verlässt das Weiße Haus

Es hatte sich bereits angedeutet, nun ist es offiziell: Trumps umstrittener Chefstratege Stephen Bannon geht.

Washington - Noch am Dienstag nannte US-Präsident Donald Trump seinen Chefstrategen Steve Bannon einen "guten Mann", drei Tage später wird der 63-Jährige aus dem Weißen Haus katapultiert. Dies sei "Steves letzter Tag", sagte Präsidentensprecherin Sarah Huckabee Sanders. Im Personal-Tableau Trumps zählte Bannon von vornherein zu jenen, die die harscheste Kritik auf sich zogen. Sein Rauswurf erfolgt eine Woche nach dem Aufmarsch von Rechtsextremisten in Charlottesville und kurz nach Äußerungen Bannons zum Nordkorea-Konflikt, die Trumps Kriegsrhetorik den Wind aus den Segeln nahmen. 

Bannon verhalt Trump ins Weise Haus

Der ultrarechte Heißsporn hat an der Seite Trumps überaus aufregende Monate hinter sich. Er war Trumps Wahlkampfstratege auf dem Weg ins Weiße Haus und wurde dann Chefstratege mit unscharfem Aufgabenbereich. Als solcher wieselte er in den vergangenen Monaten unablässig um den Präsidenten herum. Das legte den Verdacht nahe, dass der Anhänger des Gedankens von einer Überlegenheit der weißen Rasse und Einwanderungsfeind dem Präsidenten Ungutes einflüstern könnte.

"Die rassistische extreme Rechte ist auf die Schwelle des Weißen Hauses getreten", warnte frühzeitig John Weaver, ein Vertrauter des republikanischen Präsidentschaftskandidaten John Kasich. "Amerika muss sehr wachsam sein." Nach schnellem Wechsel durch verschiedene berufliche Betätigungsfelder betätigte Bannon sich seit 2000 als Filmemacher über Ex-Präsident Ronald Reagan und die Republikanerin Sarah Palin. Dabei lernte er den Gründer des Internet-Portals "Breitbart News", Andrew Breitbart, kennen. 

Bannon: Obama hat „hasserfüllte Muslime importiert“

Nach dem Tod Andrew Breitbarts gelangte Bannon 2012 an die Spitze der Website, auf der sich rechte Polemiker und die Anhänger von Verschwörungstheorien tummeln. Bannon selbst beschuldigte den damaligen Präsidenten Barack Obama, "hasserfüllte Muslime importiert" zu haben, er verglich die Arbeit der Familienplanungsorganisation Planned Parenthood mit dem Holocaust. 

Bannon stammt aus bescheidenen Verhältnissen, er wuchs in einer Arbeiterfamilie im Bundesstaat Virginia auf. Dann diente er in der Marine, war im Arabischen Meer stationiert und arbeitete als Spezialist für Flotteneinsätze im Pentagon. Später wechselte er in die Geschäftswelt. Nach einem Abschluss an der Harvard Business School arbeitete er für die Investment Bank Goldmann Sachs. Dort spezialisierte er sich auf Medienunternehmen, bevor er seine eigene Filmproduktionsfirma gründete. 

Trump über Bannon: „Er ist ein guter Mann, kein Rassist“

Als Trump seine umstrittene erste Reaktion auf die rechtsextreme Gewalt in Charlottesville am Dienstag verteidigte und erneut von "Verschulden auf beiden Seiten" sprach, verteidigte er in einem Atemzug seinen auf dem Schleudersitz befindlichen Chefstrategen. Dieser sei "ein guter Mann, kein Rassist", bescheinigte Trump dem ultrarechten Heißsporn. Trump erhielt an jenem Tag unter anderem Beifall vom Ex-Ku-Klux-Klan-Chef David Duke - für seinen "Mut, die Wahrheit" zu sagen und "die linken Terroristen zu verurteilen". Duke hatte nach Bannons Ernennung gesagt, dies sei eine "exzellente" Entscheidung. 

Zu den letzten programmatischen Äußerungen des Chefstrategen Bannon gehörten seine Äußerungen zum Nordkorea-Konflikt vom Mittwoch. Es gebe "keine militärische Lösung" des Atomkonflikts, sagte Bannon - und widersprach damit den Äußerungen des Präsidenten. Die Konfrontation mit Nordkorea sei "nur ein Nebenschauplatz". In Wahrheit drehe sich alles um den Handelskonflikt mit China. Bei der Gelegenheit distanzierte Bannon sich dann noch von weißen Nationalisten, die er doch Jahre unterstützt hatte. Sie seien "Loser" und eine "Ansammlung von Clowns".

afp

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