+
Die neue Zentrale des Bundesnachrichtendienstes in Berlin: Die Bundesregierung sieht in der Spionageaffäre derzeit keinen Anlass für personelle Konsequenzen. Foto: Jörg Carstensen/Archiv

Medien: BND-Berichte gingen an Mitarbeiter im Kanzleramt

Das Bild wird ein wenig klarer: Medien nennen die Namen ranghoher Beamter im Kanzleramt, die der Bundesnachrichtendienst über das NSA-Vorgehen informiert haben soll. Doch was wusste die Führung?

Berlin (dpa) - In der Spionageaffäre um den Bundesnachrichtendienst (BND) werden Details über die Informationskette in das Kanzleramt bekannt.

Dokumente aus dem NSA-Untersuchungsausschuss belegen nach einem Bericht der "Bild"-Zeitung", welche Mitarbeiter in dem mit der Aufsicht betrauten Kanzleramt schon vor Jahren über die Vorfälle informiert waren.

Es geht um den Vorwurf, dass der US-Geheimdienst NSA im bayrischen Bad Aibling mit Hilfe des BND versucht hat, europäische Unternehmen, Personen und Behörden zu überwachen. Über den Sachverhalt hatte zuvor auch das ZDF-Magazin "frontal21" berichtet.

Im konkreten Fall geht es um BND-Berichte an das Bundeskanzleramt aus den vergangenen Jahren. 2008 sei der BND-Bericht bei einem Referatsleiter in der für die Geheimdienste zuständigen Abteilung 6 eingegangen. Damals sei es um die Vorbereitung einer USA-Reise des damaligen Kanzleramtschefs und heutigen Innenministers Thomas de Maizière (CDU) gegangen.

Im Jahr 2010 seien die Empfänger von entsprechenden BND-Berichten der damalige Referatsleiter Guido Müller und der Chef der Abteilung 6, Günter Heiß, gewesen. Müller ist heute einer der Vize-Präsidenten des BND, Heiß sei im Kanzleramt weiter zuständig für die Geheimdienste.

Die Bundesregierung sieht in der Spionageaffäre trotz entsprechender Forderungen aus der Opposition derzeit keinen Anlass für personelle Konsequenzen. Diese Frage stelle sich momentan nicht, sagte die stellvertretende Regierungssprecherin Christiane Wirtz. Zunächst stehe die Aufklärung des Sachverhalts im Vordergrund. Neben Linken und Grünen hatte auch SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi personelle Konsequenzen nicht ausgeschlossen.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) wollte sich bei einem Besuch in Polen nicht zu den Vorwürfen gegen den BND und ihre Regierungszentrale äußern. Sie verwies am Rande der deutsch-polnischen Regierungskonsultationen in Warschau auf die Erklärung der Bundesregierung vom Donnerstag, in der von technischen und organisatorischen Defiziten beim BND die Rede war. "Dem habe ich nichts Neues hinzuzufügen", sagte sie.

Die jüngsten Vorwürfe gegen den BND waren am Donnerstag bekanntgeworden. Zunächst hieß es, das Kanzleramt sei erst im März informiert worden. Am Sonntag hatte die Bundesregierung dann bestätigt, dass der BND das Kanzleramt schon 2008 über Spähversuche der Amerikaner gegen europäische Ziele informiert hatte.

frontal21

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

NRW-CDU sagt Ja zur schwarz-gelben Koalition
Das zweite Ja ist da. Und was für eins. Nach der FDP-Basis votiert auch die nordrhein-westfälische CDU für Schwarz-Gelb. Noch ein Schritt, dann ist Armin Laschet …
NRW-CDU sagt Ja zur schwarz-gelben Koalition
Nur geladene Gäste bei Totenmesse für Kohl in Speyer
Speyer (dpa) - An der Totenmesse für Altkanzler Helmut Kohl im Speyerer Dom am 1. Juli können nur geladene Gäste teilnehmen. Ausschlaggebend seien Sicherheitsgründe, …
Nur geladene Gäste bei Totenmesse für Kohl in Speyer
SPD sieht sich für Wahlkampfendspurt gut aufgestellt
Fast 100 Tage vor der Bundestagswahl liegt die SPD in Umfragen abgeschlagen hinter der Union. Auf ihrem Sonderparteitag wollen die Sozialdemokraten nicht nur ihr …
SPD sieht sich für Wahlkampfendspurt gut aufgestellt
Bundesregierung sagt Abschiebeflug nach Afghanistan ab
Die Bundesregierung hat nach „Spiegel“-Informationen einen für kommenden Mittwoch geplanten Abschiebe-Flug nach Afghanistan abgesagt. Grundsätzlich sollen die …
Bundesregierung sagt Abschiebeflug nach Afghanistan ab

Kommentare