Herkunft rätselhaft

Medwedew-Post offenbart Vision über neues russisches Reich – Drohungen gegen nächste Länder

  • Stephanie Munk
    VonStephanie Munk
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Ein Online-Posting von Putins Vorgänger Medwedew sorgt für Schrecken: Darin wird weiteren Ländern neben der Ukraine mit der Eroberung gedroht. Der Ex-Präsident spricht von einer Täuschung.

Moskau - Er war nur wenige Minuten online - und doch ist die Aufregung um einen Beitrag des russischen Ex-Präsidenten Dmitri Medwedew im russischen Online-Netzwerk „VKontakte“ groß. Denn in der langen Nachricht, die in der Nacht zum Dienstag (2. August) an seine 2,2 Millionen Follower ging, wurden bedrohliche Visionen für eine neue Weltordnung geschildert.

Der Beitrag war alsbald wieder aus „VKontakte“ - dem russischen Pendant zu Facebook - gelöscht worden. Medwedew ließ danach von einem Sprecher ausrichten, es seien Hacker dafür verantwortlich gewesen. Die Administratoren von „VKontakte“ würden sich „um diejenigen kümmern, die die Seite gehackt, die gelöschte Nachricht geschrieben und veröffentlicht haben“, hieß es.

Putin-Scherge Medwedew schockte schon mehrmals mit Hasstiraden

Doch es wäre nicht die erste Drohung an andere Staaten aus dem Mund des 57-jährigen Russen, der von 2008 bis 2012 Russlands Präsident war. In den vergangenen Wochen schockierte Medwedew mehrmals mit Eroberungsfantasien - postete zum Beispiel die Karte einer komplett dezimierten Ukraine, deren Staatsgebiet fast völlig unter drei Ländern aufgeteilt ist. Ukrainer nannte er einmal hasserfüllt „Bastarde und Abschaum“.

Der mittlerweile gelöschte Beitrag auf „VKontakte“ hatte nun Fantasien über eine neue russische Herrschaft zum Inhalt - und richtete sich nicht nur drohend gegen die Ukraine, sondern auch gegen andere Nachbarländer Russlands. Das Nachrichtenportal „Nexta“ machte einen Screenshot des Texts, der angeblich von Hackern stammt, und postete diesen auf Twitter.

Medwedew-Post auf „VKontakte“: Traum von der Rückkehr zur Sowjetunion

In dem Beitrag wird von einer Rückkehr zur ehemaligen Sowjetunion geträumt und die Souveränität ehemaliger Sowjetrepubliken in Frage gestellt. „Alle Völker, die einst die große und mächtige UdSSR bewohnten, werden wieder in Freundschaft zusammenleben“, heißt es in der auf russisch verfassten Nachricht laut einer Übersetzung. Kasachstan und Georgien seien nur „künstliche Staaten“. Kasachstan wird außerdem beschuldigt, einen Völkermord an der russischen Bevölkerung zu begehen - mit einer ähnlichen, haltlosen Argumentation überfiel der russische Präsident Wladimir Putin am 24. Februar die Ukraine.

„Es sollte kein Zweifel bestehen, dass der fatale Fehler der frühen Neunziger korrigiert werden wird“, heißt es weiter, wohl mit Blick auf den Zusammenbruch der Sowjetunion. Mit dieser Korrektur sei bereits begonnen worden - gemeint ist zweifelsohne der Ukraine-Krieg. „Nach der Befreiung von Kiew und aller Gebiete von Kleinrussland von den nationalistischem Banden, die den von ihnen erfundenen Ukrainismus predigen, wird Russland vereint, mächtig und unbesiegbar sein, so wie es vor tausend Jahren war, in den Zeiten des historischen russischen Staates.“

Medwedew fantasierte schon über gigantisches russisches Reich bis nach Lissabon

Medwedew ist heute Vize-Vorsitzender des russischen Sicherheitsrats. In einem früheren von ihm verfassten Statement ging er sogar noch weiter als jetzt in dem angeblich von Hackern verfassten Posting: Er schrieb über ein gigantisches russisches Reich, das sich bis nach Lissabon ganz im Westen Europas erstreckt. (smu mit Material von AFP)

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