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Ein zurückgelassenes Schlauchboot. Seit Januar sind mehr als 1400 Menschen bei der Flucht über das Mittelmeer ertrunken. Foto: Renata Brito/AP

Flucht über das Mittelmeer

Mehr als 1400 Flüchtlinge seit Anfang des Jahres ertrunken

Es ist Sommer, da schicken Menschenschmuggler wieder viele Boote aufs Mittelmeer. Doch so riskant wie derzeit war die Überfahrt seit langem nicht mehr. Nun darf in Malta ein weiteres Rettungsschiff einer deutschen Organisation nicht auslaufen.

Genf/Rom (dpa) - Die gefährliche Flucht über das Mittelmeer hat seit Anfang des Jahres bereits mindestens 1405 Menschen das Leben gekostet. Die Zahl der Toten sei um 40 Prozent höher als bislang befürchtet, berichtete die Organisation für Migration (IOM) in Genf.

Der vergangene Monat sei der tödlichste Juni seit fünf Jahren gewesen, sagte der Sprecher der Berliner Seenotrettungsorgansiation Sea-Watch, Ruben Neugebauer, der dpa. Nach der IOM-Statistik sind in keinem Juni seit 2014 so viele Menschen umgekommen: insgesamt 629. Im Vorjahreszeitraum waren es 539, aber da waren mindestens doppelt so viele Menschen unterwegs Richtung Europa.

Die Überfahrt über das Meer sei derzeit "viel gefährlicher" als im Vorjahr, sagte IOM-Sprecher Flavio Di Giacomo. Damals seien noch wesentlich mehr Retter unterwegs gewesen. Seit Anfang Juni lässt Italien unter der neuen Regierung keine Rettungsboote mehr in seine Häfen. Ob die vielen Toten in diesem Juni allerdings direkt auf das Hafenverbot für NGOs zurückzuführen sind, konnte er nicht sagen.

Seit der Hafenblockade der Italiener sei das Risiko zu sterben viel höher, sagte Matteo Villa vom italienischen Forschungsinstitut ISPI der dpa. So wollten auch Handelsschiffe keine Rettungen mehr übernehmen, weil sie dadurch tagelang blockiert wären. Italien hatte zuletzt dem Containerschiff "Alexander Maersk" erst nach fünf Tagen die Erlaubnis für eine Hafeneinfahrt gegeben.

Italiens neue populistische Regierung fährt seit Amtsantritt vor einem Monat einen harten Kurs gegen Migranten und lässt keine NGOs mehr in ihren Häfen anlegen. Auch Malta winkt ab. Dort wird derzeit neben der "Lifeline" ein zweites deutsches Rettungsschiff blockiert, die "Sea Watch 3".

Sea-Watch habe am Montag erfahren, dass ihr Schiff in Malta festgehalten werde, "ohne jegliche Rechtsgrundlage seitens der Behörden", teilte die Berliner Organisation mit. Die "Sea-Watch 3" sei als niederländisches Seeschiff registriert und berechtigt, die niederländische Flagge zu führen. Die fehlende Erlaubnis zum Auslaufen sei "eine politische Offensive zur Beendigung der zivilen Rettung auf See". Es sei nicht hinnehmbar, dass die Retter von Einsätzen abgehalten werden, während im Mittelmeer immer mehr Menschen sterben, sagte Neugebauer.

Italiens Innenminister Matteo Salvini von der rechten Lega argumentiert, dass die Schlepper Schuld am Tod der Menschen seien. Wenn diesen das Handwerk gelegt sei, würde auch das Sterben ein Ende haben. "Unser Ziel sind Null Abfahrten und Null Tote", sagte Salvini. NGOs hält er für Handlanger der Schlepper.

Allerdings bezweifeln Experten, dass die Strategie dazu führt, dass weniger Migranten aus Libyen ablegen. "Den Abschreckungseffekt können wir derzeit nicht beobachten", sagte Experte Villa.

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ISPI Institut zu Migration

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