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MM-Redakteur Werner Menner.

Merkur-Kommentar

Mehr als nur Geschäft

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Der designierte US-Präsident Donald Trump stellt die China-Politik der USA infrage. Merkur-Redakteur Werner Menner kommentiert. 

Gründe, Kritik an Chinas Wirtschafts- und Außenpolitik, seinen radikal verfolgten Gebietsansprüchen im südchinesischen Meer sowie am Umgang Pekings mit Taiwan oder ethnischen Minderheiten zu üben, gibt es mehr als genug. Und das seit Jahrzehnten. Die USA haben sich für diplomatische Zurückhaltung entschieden. Sie haben die Beziehungen zu Taiwan, das Peking als unabtrennbaren Teil Chinas betrachtet, auf inoffizielle Kontakte reduziert und damit ein für beide Seiten nützliches Gleichgewicht der Großmächte im pazifischen Raum sowie funktionierende Verbindungen zu China gesichert.

Donald Trump stellt sie infrage. Ein unnötiger Schnellschuss, der zudem gefährlich nach hinten losgehen könnte. Politik auf bloßes Geschäftemachen zu reduzieren ist zu kurz gedacht. Trump – oder zumindest seine Berater – sollte wissen, dass die Einheit Chinas und deren Verteidigung tragende Säulen des chinesischen Systems sind. Peking und die herrschende kommunistische Partei können sich von Taiwan und der damit verknüpften „Ein-China-Politik“ nicht trennen und den staatstragenden Nationalismus aufgeben, ohne die Bevölkerung auf- und ihr System in Einsturzgefahr zu bringen.

Dass Trump – der zwar gewählt, aber noch nicht in Amt ist – dies plant, ist unwahrscheinlich. Peking würde nicht einlenken, sondern auf Konfrontationskurs gehen. Die Folgen wären ein Krisenherd mit nahezu globalen Ausmaßen und ein binationaler Konflikt, der beiden Großmächten schaden würde. Und den weder Peking noch Washington gewinnen könnten.

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