Medienbericht

Selbstanzeige bei Steuerdelikten bald wirkungslos?

Berlin - Bund und Länder wollen einem Bericht zufolge künftig härter gegen Steuerhinterzieher vorgehen. Im Blick steht vor allem das Vorgehen bei Selbstanzeige.

Die Finanzminister wollten schon in den kommenden Wochen über entsprechende Maßnahmen beraten, berichtete die "Süddeutsche Zeitung" (Donnerstagsausgabe). Im Mittelpunkt stehe dabei die Selbstanzeige. Diese solle den Überlegungen zufolge nur noch dann vor Strafe schützen, wenn Steuersünder für einen deutlich längeren Zeitraum als bisher alle Falschaussagen korrigierten und die Steuern nachzahlten. Im Gespräch seien bis zu zehn Jahre, bisher galten in der Regel fünf Jahre.

Im vergangene Jahr verdreifachte sich die Zahl der Selbstanzeigen im Vergleich zum Vorjahr auf fast 25.000, wie eine Umfrage der "SZ" unter allen 16 Bundesländern ergab. Allein in Baden-Württemberg gingen demnach bis kurz vor Jahresende 6080 Selbstanzeigen ein, in Nordrhein-Westfalen waren es 4257, in Bayern 3900. Nach Bekanntwerden der Ermittlungen gegen den FC-Bayern-Präsidenten Uli Hoeneß im April sei die Zahl der Selbstbezichtigungen vielerorts in die Höhe geschnellt.

Damit hätten die Länder seit dem Kauf der ersten Schweizer Steuer-CD im Februar 2010 mehr als 60.000 Selbstanzeigen verbucht, schreibt die Zeitung. Die Einnahmen aus nachversteuerten Einkünften, die allerdings teilweise aus Anzeigen früherer Jahre resultieren, hätten sich auf rund 3,5 Milliarden Euro summiert. CDU, CSU und SPD im Bund hatten in ihrem Koalitionsvertrag eine Verschärfung der Selbstanzeige-Kriterien in Aussicht gestellt, sollten die Länder dies wünschen.

afp

Rubriklistenbild: © dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Bundesanwaltschaft klagt Franco A. wegen Anschlagsplänen an
Er soll einen Anschlag geplant und sich als Asylbewerber ausgegeben haben - um den Verdacht so auf Flüchtlinge zu lenken. Jetzt klagt die Bundesanwaltschaft den Soldaten …
Bundesanwaltschaft klagt Franco A. wegen Anschlagsplänen an
NSU-Prozess: Nebenklägerin attackiert Nebenkläger
Staatsversagen und „institutioneller Rassismus“ - dieser Vorwurf zieht sich durch die Plädoyers der Nebenkläger im NSU-Prozess - bis jetzt: Eine Anwältin greift nun ihre …
NSU-Prozess: Nebenklägerin attackiert Nebenkläger
Kritik an Gesetz gegen Hetze im Internet - AfD spricht von Zensur
Die AfD hat das Gesetz gegen Hetze im Internet, als „unsägliches Zensurgesetz“ bezeichnet. Auch andere Politiker kritisieren die Regelung, allerdings aus völlig anderen …
Kritik an Gesetz gegen Hetze im Internet - AfD spricht von Zensur
Nach versuchtem Anschlag in New York: Tatort wegen Weihnachtsplakaten ausgesucht
Nach einem Terroranschlag am New Yorker Times Square wurde der Täter angeklagt. Der 27-Jährige wollte sich aus Rache mit einer Rohrbombe in die Luft sprengen und …
Nach versuchtem Anschlag in New York: Tatort wegen Weihnachtsplakaten ausgesucht

Kommentare