Justizministerium will Aufstockung

Mehr Imame als Gefängnis-Seelsorger?

München - Für Insassen bayerischer Gefängnisse gibt es Angebote christlicher Seelsorger. Aber was ist mit muslimischen Häftlingen? Bei ihnen, so sagen Experten, besteht sogar die Gefahr, dass sie sich im Gefängnis radikalisieren. Können Imame als Gefängnis-Seelsorger das verhindern?

Das bayerische Justizministerium will muslimischen Häftlingen mehr Angebote für die Seelsorge machen. Man prüfe derzeit die Möglichkeit, die bereits bestehenden Angebote „zur moderaten und toleranten Religionsausübung“ auszubauen, teilte Justizminister Winfried Bausback (CSU) mit. Nach Ministeriumsangaben ist das eine Chance, um dem Einfluss von Hasspredigern oder radikalisierten Mitgefangenen entgegenzuwirken.

Ziel sei es, noch mehr deutsch-sprachige Imame zu gewinnen, „die flächendeckend in den Justizvollzugsanstalten zum Gebet einladen, Gesprächsgruppen anbieten und im Bedarfsfall Einzelseelsorge wahrnehmen, und dabei gleichzeitig fest mit beiden Füßen auf dem Boden unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung stehen“, sagte Bausback.

Muslimische Seelsorge sei bereits jetzt in der überwiegenden Zahl der bayerischen Gefängnisse gut etabliert, heißt es im Ministerium. Derzeit fußt die Betreuung auf ehrenamtlich tätige muslimische Seelsorger. Christliche Seelsorger in den Gefängnissen sind dagegen in der Regel hauptamtlich tätig.

In etlichen Gefängnissen gibt es regelmäßige Besuche muslimischer Seelsorger, die zum Teil von Übersetzern begleitet werden. Sie werden nach Ministeriumsangaben in der Regel vom türkischen Generalkonsulat vorgeschlagen und sind Mitglieder von DITIB, einem Art Dachverband muslimischer Gemeinden. Die Zusammenarbeit der Gefängnisleiter mit den muslimischen Geistlichen funktioniere sehr gut, sagte eine Sprecherin des Justizministerium.

Von den rund 10 800 Gefangenen in Bayerns Gefängnissen gehören 1384 dem Islam an. Für sie stehen bayernweit 26 ehrenamtliche muslimische Seelsorger zur Verfügung. Das sei zu wenig, kritisierte der SPD-Landtagsabgeordnete Georg Rosenthal: „Das sind völlig unbefriedigende Bedingungen, die es radikalen Aufpeitschern leichtmachen.“ Bayern habe großen Nachholbedarf. Häftlinge seien oft auf der Suche nach Halt und Orientierung, man müsse ihnen die Suche nach geistlichem Beistand ermöglichen. Auch die enge Bindung der derzeit tätigen Seelsorger an die Türkei sei problematisch, da andere Strömungen des Islam nicht erfasst würden.

Eine Gefahr geht laut Justizminister Bausback derzeit verstärkt von Salafisten aus, die versuchten, in der Haft Netzwerkstrukturen aufzubauen und Neumitglieder für Terrorgruppen anzuwerben. Einige Bundesländer haben bereits angekündigt, die muslimische Seelsorge in ihrem Strafvollzug stärken zu wollen. Die Attentäter der Terroranschläge von Paris und Kopenhagen hatten sich mutmaßlich im Gefängnis radikalisiert.

dpa

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa

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