Mehr Toleranz für Schwule

- München - Um diese acht Seiten hat die CSU monatelang gerungen. Das Kapitel "Familie" für das neue Parteiprogramm ist fertig. Ja zum Hausmann, Wohlwollen auch für Homosexuelle - was sich die CSU als neue Leitlinien festschreiben will, bedeutet eine überraschende Öffnung der Partei. Verpackt ist die Botschaft in sehr vorsichtig gewählte Worte.

"Ehe und Familie sind nach unserer festen politischen Überzeugung für den Staat von wesentlichem Interesse", formuliert Georg Fahrenschon, Vizechef der Grundsatzkommission, die konservative Grundposition. Deshalb soll es für homosexuelle Paare keine rechtliche Gleichstellung mit der Ehe geben. Anders aber als im alten Parteiprogramm sieht die neue Version, die unserer Zeitung vorliegt, explizit eine Anerkennung homosexueller Familien vor. Bedingung: "Wenn in diesen Partnerschaften Menschen füreinander einstehen und verlässlich Verantwortung und Sorge füreinander übernehmen."

"Das Kind muss im Mittelpunkt stehen, nicht die Lebensform, in der das Kind lebt", sagt JU-Chef Manfred Weber. Er hatte sich auch für eine besondere Würdigung der Alleinerziehenden eingesetzt. Die nun gefundene Formulierung sei "ein deutlicher Fortschritt für die Partei".

Monatelang wurde daran gefeilt. Konservative Politiker und die liberaleren Großstädter lagen gerade in der Familienpolitik weit auseinander. Sonderstatus für Ehe und Familie, aber keine Ausgrenzung Homosexueller, diese Linie zeichnete sich bei den fünf Treffen des Fachkreises ab. Dann aber ging es tagelang um jedes einzelne Wort.

Sie habe sehr gekämpft, sagt die liberale CSU-Vizechefin Beate Merk aus Neu-Ulm. Das zeigt sich auch bei den bisher starren Rollenbildern der CSU: Ob Mann oder Frau - wer arbeiten gehe, soll künftig nicht anders gestellt werden als der, der bei der Familie bleibe. Das schlechte Bild arbeitender Mütter wird korrrigiert.

Die Landtagsabgeordnete Christine Haderthauer hatte sehr für die Öffnung hin zu "den neuen Vätern" geworben. "Bisher hat man sich in der CSU immer auf die Mütter konzentriert", sagt sie. Nun soll im Grundsatzprogramm stehen: "Die Frage nach der Balance von Familienzeit und Erwerbszeit trifft junge Mütter und junge Väter." Gerade jungen Männern müsse ihre wichtige Funktion und Erziehungsverantwortung vermittelt werden.

Mehrere führende Großstadtpolitiker sind nicht glücklich mit der Formulierung vor allem der Passage mit den gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften. Die Vorbehalte in der CSU seien in der Großstadt "schwierig" zu vermitteln, sagt auch Beate Merk. Dennoch freut sie, dass es in der Partei in dieser Frage "sehr viel Bewegung" gegeben habe: "Da herrscht jetzt ein ganz anderer Ton."

Der Entwurf soll am Montag veröffentlicht und dann von der Gesamtpartei beraten werden. Die CSU-Spitze rechnet mit breiter Zustimmung auch zu strittigen Passagen. Der Landtagsabgeordnete Ernst Weidenbusch lobt die acht Seiten: "Das drückt aus, wofür die CSU steht."

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